Schlagzeilen dieser Art prägen die vergangenen Tage in OWL: „Firmenlauf trotz Mega-Hitze“, „Büren ist bereit für heiße Konzerte“, „Sport für Kinder bei 37 Grad?“, „Isselhorster Nacht findet trotz Hitze statt“. Es hat den Anschein, als wäre die unmenschliche Wärme dieses Junis nur eine Unannehmlichkeit und kein Grund irgendetwas zu ändern. Doch es ist höchste Zeit.
Es geht dabei nicht in erster Linie um die Frage, ob das ein menschengemachter Klimawandel ist. So sehr man mit dieser Debatte auch Politik machen kann – das ist ein anderes unvermeidliches Thema. Akut jedoch stellt sich zunächst die Frage, wie man mit den Hitzewochen umgeht.
Der Mensch ist ein Meister der Anpassung. Das musste er evolutionär sein. Auch heute noch gilt das für jene, die in klimatisch anspruchsvollen Regionen leben. Am Rande der Wüste, im Hochgebirge oder in den Tropen. Der entscheidende Faktor bei der Anpassung war immer der Faktor Zeit. Über Jahrtausende hinweg haben Menschen ihren Lebensstil an die Umgebung anpassen können, denn die Umgebung veränderte sich langsam.
Die Zeit drängt in Sachen Adaption
Die extrem heißen Phasen immer früher im Jahr aber gibt es noch nicht lange in Deutschland. Die Zeit drängt in Sachen Adaption. So ganz bewusst aber scheint das der Gesellschaft nicht zu sein. Warum ist das so?
Die Ursachenforschung führt zur Technologie. Die Fortschritte auf diesem Gebiet haben den Menschen unabhängiger von Natur und natürlichen Kreisläufen gemacht. Licht zu jeder Zeit und Kühlschränke mit Dauerverfügbarkeit von Kälte für Lebensmittel machten den Anfang. Viele weitere Errungenschaften folgten. Und irgendwann rückte auch das Wetter als einschränkender Faktor in den Hintergrund.
Regnet es in Halle beim Tennis, schließt man das Dach. Ist es im Winter glatt, wird schon der Winterdienst dafür sorgen, dass man die Straßen trotzdem nutzen kann. Steigt im Sommer das Thermometer auf über 35 Grad Celsius an, gehen Kühlsysteme und Klimaanlagen in Betrieb und alle machen weiter, als wäre nichts geschehen. Das Erstaunen ist oft groß, wenn das Wetter dann doch im Kampf um die Machbarkeit die Oberhand behält. Obwohl das historisch immer so war.
Der technologische Mensch glaubt, er habe sich davon verabschiedet, sich der Natur unterwerfen zu müssen. So abstrakt das klingen mag, so ist es doch dominierend für den Alltag im Hitze-Juni 2026 in OWL. Alles muss nach Plan laufen. Auch im Glutofen. Wo käme man denn sonst hin? Sportunterricht findet im Freien statt, Konzerte werden nicht abgesagt, Reisen werden angetreten. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Diese zwei Erkenntnisse wären ein Anfang
Vernunft sieht anders aus. Zwei Erkenntnisse wären ein Anfang: Sich der Macht des Wetters hin und wieder zu beugen und auf Dinge zu verzichten, ist nicht Schwäche, sondern Stärke. Regeln außer Kraft zu setzen, um den Ausnahmefall zu bewältigen, ist kein Nachgeben, sondern intelligente Anpassung.
Punkt zwei: Nicht nur das Verhalten kann man den Extremen anpassen, sondern auch die Hilfsmittel. Flughäfen und Büros sind klimatisiert, die meisten Patientenzimmer in Krankenhäusern dagegen nicht. Auch in Schulen und Kitas herrscht Nachholbedarf. Öffentliche Trinkbrunnen fehlen vielerorts. Und wo gibt es eigentlich öffentliche Kühlschutzräume für alte Menschen, in deren Wohnungen es nicht auszuhalten ist?
Was außerdem hilft, ist der Blick ins Ausland. In jene Regionen, wo alle Sommer so sind wie die letzten in Deutschland. Angefangen mit der spanischen Siesta über helle, Hitze abweisende Dächer in New York bis zu elektrolythaltigen Getränken, die man in Arabien mit sich führt.
Die Fähigkeit zur Anpassung ist den Menschen gegeben – wenn sie akzeptieren, dass sie sich anpassen müssen. Die wachsende Anzahl von Hitzeperioden sollte Anlass sein. Dass es geht, zeigen diese Überschriften: „Dachdecker passen ihre Arbeitszeiten an“ und „Bis zu 38 Grad: Schulen in OWL geben Hitzefrei“.