Ein Klingelschild mit dem Aufdruck "Verein Sterbehilfe"

AUDIO: Verein Sterbehilfe will Kuschs Erben belangen (1 Min)

Stand: 28.06.2026 09:27 Uhr

Der Verein Sterbehilfe prüft Schadenersatz gegen die Erben seines Mitgründers Roger Kusch. Auf einer Generalversammlung in Hamburg stimmte die große Mehrheit der anwesenden Mitglieder dafür, den Vereinsvorstand um Kusch nicht zu entlasten. Der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch (CDU) hatte sich kurz nach seiner Abwahl als Präsident des Vereins Ende Mai das Leben genommen.

Aus Sicht des neuen Vereins-Vorstandes geht es um Geldsummen von mehreren zehntausend Euro, die Roger Kusch eigenmächtig verwendet haben soll. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtet unter anderem, dass Kusch sich eine Wohnung in St. Georg auf Kosten des Vereins renovieren ließ. Die große Mehrheit der anwesenden Mitglieder stimmte deshalb für den Antrag, den Vereinsvorstand um Kusch nicht zu entlasten. Auf diese Weise will der Sterbehilfe Verein versuchen, das Geld von den Erben Kuschs zurückzubekommen.

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Juristische Auseinandersetzung kostete 400.000 Euro

Roger Kusch war Mitbegründer des Vereins und bis Mitte Mai der Präsident. Auf einer Generalversammlung im Mai wurde er abgewählt. Erst dadurch erfuhr die Öffentlichkeit vom tiefen Zerwürfnis in dem Verein. Wegen juristischer Auseinandersetzungen mit Kusch habe man 400.000 Euro an Anwaltskosten zahlen müssen, berichtet ein Vorstandsmitglied.

Neuer Präsident hat schweren Stand nach Kusch-Suizid

Kusch hatte sich wenige Tage nach seiner Abwahl das Leben genommen. Eine Reihe von Mitgliedern sieht diesen Suizid als eine direkte Folge der Ereignisse und gibt seinem Nachfolger Martin Goßmann dafür eine Mitverantwortung. Auf der Versammlung im Radisson-Hotel am Dammtor wurde der Kurs des neuen Vorstands um Präsidenten Goßmann zwar mehrheitlich mitgetragen, deutlich wurde aber auch, dass die neue Vereinsführung bei den Mitgliedern um neues Vertrauen werben muss.

Normalerweise berichten wir nicht über Suizide. Der Pressekodex mahnt zur Zurückhaltung bei der Berichterstattung. Beim Tod des früheren Justizsenators handelt es sich jedoch um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse. An folgenden Stellen bekommen Sie Hilfe, wenn sie von Selbsttötungsgedanken betroffen sein sollten.

Suizidgedanken: Wo Betroffene Hilfe bekommen

Bei akuter Suizidgefahr: Notruf 112

Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (Tel.: 0800/111-0-111) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: Tel.: 0800/111-0-333 oder 116 111; wochentags von 14 bis 20 Uhr)

Auf den Seiten der Deutschen Depressionshilfe sind Listen mit regionalen Krisendiensten und mit Kliniken zu finden. Zudem gibt es viele Tipps für Betroffene und Angehörige.

Über www.telefonseelsorge.de ist eine Online-Beratung möglich.

Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen bietet die Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de.

In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige, um die Situation und die Versorgung Depressiver zu verbessern. Sie bieten Depressiven ein Email-Beratung als Orientierungshilfe an.

Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Roger Kusch

Das teilte der Verein für Sterbehilfe, dessen langjähriger Präsident Kusch war, auf seiner Webseite mit. Er starb im Alter von 71 Jahren.