In vielen Augsburger Klassenzimmern wird es gerade richtig heiß. Außentemperaturen von bis zu 33 Grad machen Abschlussprüfungen, Zuhören und Lernen zur schweißtreibenden Geduldsprobe für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte. Begrünung, Wasserspender und Co. können helfen, doch der Hitzeschutz an Augsburger Schulen ist begrenzt – mitunter wegen der finanziellen Möglichkeiten der Stadt. Wie Schulleiterinnen, Eltern und die Stadt auf die aktuelle Hitzewelle blicken.
Wenig begeistert von den hohen Temperaturen ist der Sohn von Sven Frei, der auf die Luitpold-Grundschule in Lechhausen geht. „Da bekomme ich mit, dass es sehr heiß ist. Die Klassenzimmertür ist immer geöffnet“, sagt Frei, der Teil des Elternbeirats ist. Seine ältere Tochter besucht die Bertolt-Brecht-Realschule. „Dort ist es auch warm, aber wohl nicht ganz so schlimm“, meint der Vater. Was ihm auffällt: Während an der Realschule der Nachmittagsunterricht bei der Hitze entfällt, findet an der Grundschule der Unterricht wie gewohnt statt. „Ich verstehe die Schulen. Schließlich ist es nicht für alle Eltern möglich, die damit verbundene Betreuung spontan zu stemmen“, so Frei. Am wichtigsten fände er das Bereitstellen von Wasserspendern in den Schulen. „Man muss immer schauen, was realistisch ist. Ich kann nicht verlangen, dass plötzlich jedes Zimmer klimatisiert ist“, findet der Augsburger.
Einige Schulen in Augsburg verzichten auf den Nachmittagsunterricht
Am Rudolf-Diesel-Gymnasium (RDG) profitieren Schülerinnen und Schüler von den vielen Bäumen und der Beschattung auf dem Schulhof. Trotzdem stellt die Hitze die Schule vor Herausforderungen, wie Schulleiterin Susanne Täufer berichtet. „Die Hitze ist ein großes Problem an Augsburger Schulen. Es fehlt teilweise an baulichen Maßnahmen und Ausrüstung an den Einrichtungen“, sagt sie. So fehle es am RDG etwa an Ventilatoren, außerdem stehe Schülerinnen und Schülern lediglich ein Wasserspender zur Verfügung. „Es bräuchte ein langfristiges und vorausschauendes Hitzemanagement seitens der Stadt. Die einzelnen Schulen sollten durchgesehen werden und bei Bedarf sollte die Stadt nachrüsten“, fordert die Schulleiterin.
Wie das Amt für Bildungsimmobilienmanagement der Stadt Augsburg auf Nachfrage mitteilt, werde derzeit ein gesamtstädtischer Hitzeaktionsplan erarbeitet, welcher künftig auch die Schulen umfassen soll. Beim Hitzeschutz liege ein wesentlicher Fokus auf baulichen und technischen Maßnahmen bei Neubauten und Sanierungen. Dazu gehören der Einbau moderner Lüftungsanlagen, die Planung der Gebäudefassaden sowie die Sicherstellung einer hohen Trinkwasserqualität. „Ein konkretes aktuelles Beispiel ist die Friedrich-Ebert-Grundschule: Hier wird im Rahmen einer Klimarücklage in Höhe von 150.000 Euro die Erneuerung der Dachflächenfenster voraussichtlich noch diesen Sommer umgesetzt“, so ein Sprecher.
Sportunterricht findet entweder frühmorgens oder gar nicht statt
Am RDG haben die hohen Temperaturen Einfluss auf den Schulalltag. So entfällt etwa der Nachmittagsunterricht, Schulschluss ist um 13.05 Uhr. Während des Unterrichts weichen Lehrkräfte mit den Klassen, wenn möglich, auf die schattigen Außenflächen aus. Sportunterricht findet bei der Hitze in den frühen Morgenstunden statt, da es ab der Mittagszeit dafür zu heiß ist.
Ebenfalls eingeschränkt ist der Sportunterricht an der Maria-Ward-Realschule, wie Schulleiterin Rosa Müller berichtet. Der Nachmittagsunterricht fällt teilweise aus. „Sechs Wochen vor Schulschluss kann man nicht alle Fächer ausfallen lassen. Einige Leistungsnachweise müssen noch erbracht werden“, erklärt Müller. Grundsätzlich sei es in den Klassenzimmern der Realschule im Domviertel warm, aber vergleichsweise erträglich. „Unser Vorteil ist das Altbaugebäude, welches sich nicht so schnell aufheizt. Außer in zwei Klassenzimmern haben wir keine großen Glasfronten“, so die Schulleiterin.

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Die Maria-Ward-Realschule heizt sich dank Altbauten nicht ganz so schnell auf, wie modernere Einrichtungen.
Foto: Annette Zoepf
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Die Maria-Ward-Realschule heizt sich dank Altbauten nicht ganz so schnell auf, wie modernere Einrichtungen.
Foto: Annette Zoepf
Mit taktischem Lüften versuche man, den hohen Temperaturen zuvorzukommen. „Unser Hausmeister reißt jeden Morgen um 6 Uhr die Fenster auf. Danach werden alle Fenster geschlossen“, sagt Müller. Um den Schulalltag angenehmer zu gestalten, wurden in der Schule mehrere Wasserspender aufgestellt. Die Prüflinge bekommen Kühlpads, im Unterricht gibt es zwischendurch fünfminütige Pausen, um sich etwas zu trinken zu holen. Akuten Nachrüstbedarf sieht Schulleiterin Müller in der Realschule, deren Träger das Schulwerk der Diözese Augsburg ist, derzeit nicht.
Anders als bei der Maria-Ward-Schule sind viele Augsburger Schulen beim Hitzeschutz von der Unterstützung der Stadt Augsburg abhängig. Vor allem die Kosten können hierbei eine Hürde sein, wie ein Sprecher mitteilt: „Entsprechende Maßnahmen können insbesondere bei größeren Gebäuden wie Schulen schnell ein Investitionsvolumen im siebenstelligen Bereich erreichen. Die Finanzierung ist damit eine der größten Herausforderungen“, heißt es.