Die Visualisierung der Fabrik 4 (umrahmter Komplex rechts) lässt einerseits die bastionsartige Fassadenstruktur erahnen, anderseits die Größe dieser „Smart Power Fab“. Ganz links ist der ehemalige Qimonda-Reinraum zu sehen, der als Modul 3 inzwischen wieder Infineon gehört, in der Mitte die älteren 200-mm-Module Nummer 1 und 2. Foto und Visualisierung: Infineon
Wirtschafts-Panter fordert „Sachsen-Tempo“ auch von Brüssel
Dresden, 28.06.26. Wenn Europa in der Nanoelektronik, Quantentechnologie, humanoiden Robotik und anderen Schlüsselindustrien des 21. Jahrhunderts mitspielen will, muss die EU mehr Tempo vorlegen, statt bürokratisch zu bremsen. Das hat der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) gefordert. Brüssel könne sich da ein Vorbild am Sachsen-Tempo nehmen, die Bau und Inbetriebnahme der neuen Infineon-Chipfabrik in Dresden binnen drei Jahren – und damit drei Monate früher als gedacht – mit möglich gemacht habe.
Dirk Panter. Foto: Heiko Weckbrodt
„Wir haben hier echtes Sachsen-Tempo gezeigt.“
Sächsischer Wirtschaftsminister Dirk Panter
„Wenn Sachsen in gut drei Jahren bauen kann, darf Brüssel nicht vorher eineinhalb Jahre für die Prüfung brauchen“, fordert Panter. „Gerade in den Schlüsselindustrien des 21. Jahrhunderts müssen wir runter von der Bremse und Gas geben – damit wir als EU den internationalen Wettbewerb, gerade mit den USA und asiatischen Staaten bestehen.“
Staatliche Wirtschaftslenkung begleitete Mikroelektronik in Sachsen von Beginn an
Dabei lohnt sich auch der Blick zurück: Nachdem die SED-Spitze 1961 den zivilen DDR-Flugzeugbau in Dresden beerdigt hatte, lenkte sie Ressourcen unter anderem in ein wegweisendes Projekt des parteilosen TU-Professors Werner Hartmann um: Der baute damals mit der „Arbeitsstelle für Molekularelektronik“ (AMD) den Nukleus für das spätere „Zentrum für Mikroelektronik Dresden“ (ZMD) und die heutige Halbleiterindustrie in Sachsen auf. Insofern geht das heutige „Silicon Saxony“ letztlich teils auf persönliche Initiativen, auch ostdeutschen Unternehmergeist, teils aber auch auf staatliche Wirtschaftslenkung zurück. Insofern stehen die Ansiedlungen von „Siemens Halbleiter“ (heute: „Infineon“) und AMD in der Nachwendezeit durch das Kabinett Biedenkopf genauso in einer Traditionslinie staatlicher Hochtechnologiepolitik wie das „Europäische Chipgesetz“, das wiederum Subventionen für die jüngsten Großinvestitionen von Infineon und TSMC ermöglicht hatte.
Freistaat setzt 3D-Chip-Endmontage auf seine Agenda
Und die sächsischen Wirtschaftspolitiker und -förderer wollen auch in Zukunft in der Mikro- und Nanoelektronik am großen Rad drehen: Derzeit bemühen sich Forscher und Politiker beispielsweise darum, dass eine Niederlassung des geplanten nationalen Chipdesign-Zentrums in Dresden entsteht. Auch bemühen sie sich um weitere Ansiedlungen von Halbleiterunternehmen, Zulieferern und Endproduktherstellern vor allem aus Asien. Und neben dem Chipdesign wollen sie weitere Lücken in der Mikroelektronik-Wertschöpfungskette „nach hinten raus“ schließen: Der Freistaat wolle insbesondere „Forschung, Design und die Integration mehrerer spezialisierter Mikrochips in einem einzigen Modul – das Advanced Packaging – stärken“, kündigt das Wirtschaftsministerium in Dresden an.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: SMWA, Oiger-Archiv, Wikipedia
