
AUDIO: NDR Wetterexperte Böttcher: „Noch nie so früh im Jahr eine solche Hitzewelle“ (5 Min)
Stand: 28.06.2026 13:23 Uhr
In vielen Teilen Norddeutschlands wurden am Samstag Temperaturen um die 40 Grad gemessen und historische Höchstmarken in vier Nordländern übertroffen. Nach teils schweren Gewittern in der Nacht muss auch im weiteren Tagesverlauf mit weiteren Unwettern gerechnet werden. Dazu wird es noch einmal heiß.
Neben viel Sonnenschein bleibt es heute weiter gewittrig bei 28 bis 35 Grad in Schleswig-Holstein und Hamburg, 24 bis 39 Grad in Mecklenburg-Vorpommern und 28 bis 37 Grad in Niedersachsen. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge kann es im Tagesverlauf weitere Gewittern mit Starkregen und Sturmböen geben. Noch bis heute Abend warnt der Wetterdienst für den gesamten Norden vor starker bis extremer Hitze.
Ein paar Grad weniger zum Beginn der neuen Woche
Nach ein paar einzelnen letzten Schauern nehmen zum Wochenstart am Montag Gewitter sowie Hitze ab. Norddeutschland erwarten Höchstwerte von 29 Grad am Tag und 14 Grad in der Nacht. Auch am Dienstag bleibt es bei 19 bis 28 Grad sommerlich, vereinzelt kommt es in Schleswig-Holstein im Tagesverlauf zu Regen, in Mecklenburg-Vorpommern kommen noch einmal Gewitter mit Starkregen hinzu.
Mehrere neue Höchstwerte in Norddeutschland
Samstag war der Tag der Hitzerekorde: Der Deutsche Wetterdienst vermeldete für Schleswig-Holstein einen neuen Allzeit-Messhöchstwert. In Grambek im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden 39,2 Grad erreicht. 40,2 Grad wurden in Lüchow im Wendland gemessen, somit gibt es laut DWD auch in Niedersachsen einen neuen absoluten Höchstwert.
Auch in Hamburg war es heißer als je zuvor an einem Junitag. Die Station Neuwiedenthal verzeichnete 39,4 Grad Celsius, wie der DWD mitteilte. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es einen neuen Höchststand: In Suckow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wurden am Samstag nach Angaben des NDR Wetterstudios Temperaturen von 40,9 Grad Celsius gemessen.

Bei Temperaturen ab 30 Grad fühlen sich viele Menschen nicht mehr wohl. Was hilft, um die Hitze besser zu ertragen?
Unwetter ziehen über den Norden
Nach dem extrem heißen Tag zogen in der Nacht zu Sonntag teils schwere Gewitter über den Norden. Die Leitstellen in Schleswig-Holstein berichten von einer „turbulenten Nacht“ mit mehr als 300 Feuerwehr-Einsätzen. Darunter mehr als zehn Einsätze, bei denen sie zu brennenden Häusern gerufen wurden – meistens, weil vermutlich ein Blitz eingeschlagen hatte. Verletzt wurde hier bislang niemand.
In Mecklenburg-Vorpommern dagegen blieben die nächtlichen Gewitter zunächst aus. Trotz des Windes und Regens betrugen die Temperaturen in der Nacht noch 19 bis 25 Grad. Die Feuerwehren in Niedersachsen mussten aufgrund von Blitzeinschlägen mehrfach zu Einsätzen ausrücken und auch über Hamburg zogen in der Nacht Gewitter mit Regen und Blitzen. Hier mussten die Wehren umgestürzte Bäume entfernen. Doch weder sei der Blitz eingeschlagen, noch Keller nennenswert voll Wasser gelaufen.
Wetterexperte Böttcher: Ungewöhnliche Hitzewetterlage
Dass der Norden und auch der Rest Deutschlands in den vergangenen drei Tagen mit dieser Hitzewetterlage konfrontiert wurden, sei wirklich außergewöhnlich, sagt NDR Wetterexperte Frank Böttcher. „Noch nie hatten wir in Deutschland drei Tage in Folge mit Temperaturen über 40 Grad.“ Zudem sei der Zeitpunkt dieser extremen Wetterlage am Anfang des Sommers besonders. „Solch eine Wetterlage im August mag man sich gar nicht vorstellen, wenn dann noch heißere Luftmassen aus Afrika über Spanien und Frankreich hinweg den Weg zu uns nach Norddeutschland finden“, sagte Böttcher. Aufgrund des Klimawandels müssten sich die Menschen in Deutschland vermutlich zukünftig häufiger auf solche extremen Hitzewellen einstellen.
Hamburg: 22-Jähriger stirbt in der Elbe
In Hamburg ist ein 22-Jähriger am späten Samstagabend in der Elbe ertrunken. Gemeinsam mit seinem Bruder und einem Freund war er am Elbstrand in Hamburg-Blankenese ins Wasser gegangen. Feuerwehr und Deutsche Lebensretttungsgesellschaft (DLRG) konnten nur noch die anderen beiden retten. Bereits zu Beginn der Woche hatte Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) vor dem Baden in der Elbe gewarnt.
Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern wiesen darauf hin, dass die Hitze die Blaualgenblüte verschlimmert. Diverse Badegewässer seien betroffen. Welche Badeseen in Ihrer Region in Norddeutschland gut fürs Schwimmen und eine kleine Abkühlung geeignet sind, erfahren Sie in dieser detaillierten Übersicht.

Norddeutsche Badeseen haben meist sauberes Wasser. Aktuelle Karten zeigen, wo es aktuell Einschränkungen gibt.
Volle Strände, volle Ostsee
An den heißen Tagen strömten die Menschen in Richtung Meer. Der Strand sei „brechend voll“, sagte am Samstag etwa Lukas Reuter von der DLRG-Ortsgruppe Haffkrug-Scharbeutz. „Zumindest in den Kernorten Timmendorfer Strand und Scharbeutz.“ Auch der Strand in Binz auf Rügen war nach Angaben der dortigen Rettungsschwimmer gegen Mittag voll – trotz An- und Abreisetag. Ähnliches berichtet die DLRG aus Grömitz und Warnemünde.
Deutsche Bahn und Metronom geben Reisewarnungen heraus
Nach der Deutschen Bahn rief am Samstag auch Metronom dazu auf, auf nicht notwendige Zugreisen zu verzichten. Die extreme Hitze führe zu erheblichen Einschränkungen im regionalen Zugverkehr. Mehrere hitzebedingte Störungen an der Schieneninfrastruktur beeinträchtigen den Betrieb der Metronom-Züge, wie das Unternehmen mitteilte. Gleichzeitig erreichten auch die Klimaanlagen in den Fahrzeugen ihre technischen Leistungsgrenzen. Es werde versucht, ein Grundangebot im Zugverkehr aufrechtzuerhalten. Wenn allerdings die vorgeschriebene Innentemperatur nicht mehr eingehalten werden kann, dürfen Passagiere nicht mehr befördert werden.
Viel Wasser trinken – auf ältere und kranke Menschen achten
Experten raten, bei Hitze viel zu trinken, damit der Körper nicht dehydriert. Auf Alkohol und Zucker sollte bei sehr hohen Temperaturen verzichtet werden. Tim Staeger vom ARD Wetterkompetenzzentrum empfiehlt zudem, es besonders zur heißesten Tageszeit zwischen 16 und 18 Uhr ruhiger angehen zu lassen.
Besondere Aufmerksamkeit sollte älteren und kranken Menschen, Schwangeren und Kleinkindern zukommen. Bei ihnen ist es besonders wichtig, dass sie genug trinken. „Bitte schauen Sie an diesem Wochenende nach Ihren Nachbarn, Verwandten und Mitmenschen und bringen einen Kasten Wasser mit“, appellierte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) an die Bevölkerung.

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Mehrere Veranstaltungen abgesagt
Der für heute geplante Hamburger Halbmarathon und die Parade der „Harley Days“ wurden wegen der Hitze abgesagt. Der ursprünglichen ebenfalls für heute angesetzte erste Renntag des Galopp-Derbys in Hamburg-Horn wurde auf kommenden Mittwoch verlegt. Auch in Niedersachsen fallen diverse Events wetterbedingt aus. Zudem wurden mehrere Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein abgesagt.

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