„Ja, wir sehen Probleme“, sagte Putin weiter. „Wir sind uns dessen bewusst, reagieren darauf, werden aber auf jeden Fall sowohl die Sicherheit des Landes als auch die unserer Bürger sowie die Unverletzlichkeit unserer Grenzen auf lange Sicht gewährleisten.“ Trotz anderslautender Berichte von den Fronten behauptete Putin, die ukrainischen Truppen zögen sich „in alle Richtungen zurück“. Kiew greife zudem zu „terroristischen Methoden“ und werde gleichzeitig vom Westen „als Rammbock im Kampf gegen Russland“ unterstützt.

Polen befürchtet russische Übergriffe an Nato-Ostflanke

Die polnische Führung sieht ein wachsendes Risiko russischer Provokationen an der Nato-Ostflanke. „Wir sehen die Ereignisse in der Ukraine und dass der Krieg für Russland derzeit nicht gut läuft. Das ist ein Grund zur Besorgnis, dass Moskau die Situation weiter eskalieren könnte“, sagte der Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Oberst Pawel Szota, der Zeitung „Rzeczpospolita“.

Seiner Einschätzung nach könnte ein begrenzter Angriff auf die baltischen Staaten so aussehen, dass dort „grüne Männchen“ auftauchen. Mit diesem Begriff wurden die russischen Soldaten ohne Hoheitsabzeichen bezeichnet, die 2014 die ukrainische Halbinsel Krim unter Kontrolle brachten.

Russische Soldaten auf der Krim (Symbolbild): Polen befürchtet russische Übergriffe.Vergrößern des BildesRussische Soldaten auf der Krim (Symbolbild): Polen befürchtet russische Übergriffe. (Quelle: Jakub Kaminski/dpa)

„Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der Nato zu testen“, sagte Szota. „Die Kosten solcher Provokationen sind gering, aber das Bündnis reagiert vor allem politisch, was zu weiterer Eskalation einlädt.“ Ähnlich hatte der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski vergangene Woche vor möglichen Aktionen der Russen unter falscher Flagge gewarnt. Kremlchef Wladimir Putin und andere Mitglieder der Moskauer Führung haben mehrfach erklärt, dass Russland nicht Nato-Gebiet angreifen werde. Militär und Geheimdienste mehrerer Nato-Staaten sehen die Lage aber ähnlich wie die Polen, wobei die Einschätzungen zu Zeitraum und Ausmaß möglicher Angriffe auseinandergehen.

Nach Angriff: Ölraffinerie in Slawjansk brennt

In der südrussischen Region Krasnodar ist offiziellen Angaben zufolge durch einen ukrainischen Drohnenangriff ein Feuer in einer Raffinerie ausgebrochen. Bei der Attacke sei ein Mensch getötet worden, teilte Gouverneur Wenjamin Kondratjew bei Telegram mit. Neben der Raffinerie in der Stadt Slawjansk-na-Kubani seien mehrere Häuser, eine Strom- und eine Gasleitung beschädigt worden, schrieb er.

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