Im Zuge der Rekord-Hitzewelle in Europa hat nun auch Ungarn die Leistung eines Atomkraftwerks gedrosselt. Wegen der hohen Wassertemperatur der Donau sei die Produktion eines der vier Reaktoren im Kraftwerk Paks um 243 Megawatt gesenkt worden, teilte der Betreiber MVM am Samstag mit. Messungen am Morgen hätten ergeben, dass das Kühlwasser flussabwärts 29,7 Grad Celsius erreicht habe und damit den Grenzwert von 29,5 Grad überschreite. Energieminister Istvan Kapitany erklärte, die Haushalte würden von der reduzierten Leistung nichts spüren. Er hatte die Bevölkerung jedoch aufgerufen, den Stromverbrauch in den Abendstunden einzuschränken, um das Netz zu entlasten.
Auch in anderen europäischen Ländern macht die Hitze AKW-Betreibern zu schaffen. In der Schweiz schaltete der Energiekonzern Axpo am Freitag beide Reaktoren des Kernkraftwerks Beznau vorübergehend ab. Die Temperatur des Flusses Aare habe wiederholt die Marke von 25 Grad erreicht, hieß es zur Begründung. In Frankreich, das stark auf Kernenergie setzt, musste der staatliche Betreiber EDF die Stromerzeugung bereits zur Wochenmitte um 4,1 Gigawatt reduzieren. Dies entspricht etwa sieben Prozent der gesamten Stromnachfrage. Mehrere Reaktoren an der Rhône, der Seine und der Garonne wurden gedrosselt oder ganz vom Netz genommen, um die Umweltauflagen zum Schutz der Ökosysteme dieser Flüsse vor zu hohen Kühlwassertemperaturen einzuhalten.