B14 durch Stuttgart: Nächste Runde der Bürgerbeteiligung zur B14 – wie soll der Boulevard  aussehen? Die B14 soll umgestaltet werden, von der Stadtautobahn zum Boulevard – doch wie? Daran können sich Bürger mit ihren Ideen beteiligen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Bundesstraße soll zwischen Mineralbädern und Marienplatz den Charakter der Stadtautobahn verlieren. Dazu findet ein Bürgerfest am 11. Juli auf dem Leonhardsplatz statt.

Die Idee ist alles andere als neu, sogar noch viel älter als die eines Durchgangsbahnhofs Stuttgart 21. Bereits Mitte der 1980er Jahre wurde über eine Umgestaltung der in den 1960er und 1970er Jahren für ein autogerechtes Stuttgart entwickelte Stadtautobahn diskutiert. 2020 gingen schließlich die Stuttgarter Büros asp Architekten und Koeber Landschaftsarchitekten aus dem städtebaulichen Wettbewerb „Neuer Stadtraum B14“ als Sieger hervor. Seitdem laufen die Planungen. Als nächster Schritt geht die Bürgerbeteiligung in die nächste Runde – mit einem Fest auf dem Leonhardsplatz.

„Es ist einer der Schwerpunkte der Vorgaben zur Erstellung des Rahmenplans“, sagt Ulrich Hanselmann, der Projektleiter für städtebauliche Entwicklung in Stuttgart-Mitte vom Stadtplanungsamt. Bereits im Herbst vergangenen Jahres wurde daher unter dem Motto „Deine Meile B14 – am Puls der Stadt“ eine umfangreiche Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt. Mehr als 2800 Menschen beteiligten sich daran, 183 Anregungen wurden aufgegriffen. „Diese flossen denn auch in die weiteren Beratungen mit ein“, sagt Hanselmann.

Umbau der Stadtautobahn: Bereits die zweite Bürgerbefragung

Nach sechs Jahren der Planung wurde vor wenigen Tagen der zweite Zwischenbericht im gemeinderätlichen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik sowie im Bezirksbeirat Ost vorgestellt. Zwar mussten die verantwortlichen Architekten ihre ambitionierten Ziele deutlich zurückschrauben, dennoch „reden wir davon, dass rund 30.000 Quadratmeter Fläche entsiegelt wird und mehr als 100 Bäume neu gepflanzt werden“, betont Architekt Cem Arat von asp.

Ziel ist es, die B14, welche Stuttgart als 4,5 Kilometer lange, breite Schneise zwischen Mineralbädern und dem Marienplatz durchzieht, zurück zu bauen. So soll mehr Platz für städtisches Leben, Sport, Freizeit, Fuß- und Radverkehr, Bäume und Grünflächen entstehen – aber auch für Begegnung und Kultur. Voraussetzung ist dafür – so der politische Wille –, dass dort 50 Prozent weniger Verkehr fließt. Laut einer Studie der Hochschule Stuttgart sei dies möglich, würde aber zu eine größeren Belastung auf anderen Strecken führen.

Nun dreht die Planung also die nächste Runde der Bürgerbeteiligung. Unter dem Motto „Leonhards Wohnzimmer“ lädt die Stadt am Samstag, 11. Juli, verwandelt sich der Leonhardsplatz von 12 bis 21 Uhr in ein urbanes Wohnzimmer, entspannt können sich Bürger über den bisherigen Stand informieren. Um 14 Uhr wird bei einer Begehung des Wilhelmsplatzes erklärt, wie dieser in Zukunft aussehen könnte. Teilnehmer können ihre Ideen einbringen, eine vorherige Anmeldung ist per Mail unter hallo@planbar-hochdrei.de erforderlich.

B14: Noch gibt es keinen Zeitplan und keine Kostenschätzung

Ab 16.30 Uhr diskutiert Dörte Meinerling vom Organisationsbüro planbar hochdrei mit Ulms Bürgermeister Tim von Winning, der Journalistin Amber Sayah, Professor Mini Schulz von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Professor Markus Friedrich vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart sowie den Experten der verantwortlichen Architekturbüros über den Rahmenplan und die Chancen für die Kultur im neuen Stadtraum B14. Begleitet wird das Projekt von Music-Acts und kuturellen Angeboten.

Gedanken, dass sich die B14 demnächst in eine große Baustelle verwandeln könnte, müssen sich Anwohner hingegen nicht machen. „Es ist ein Projekt für die Zukunft, das zeigt, was machbar wäre“, sagt Architekt Arat. Ein Zeitplan existiert nicht, genauso wenig eine Kostenschätzung. Selbst mit einem Teilstart ist in den kommenden fünf Jahren nicht zu rechnen. Zumindest ist davon auszugehen, dass es die letzte Bürgerbeteiligung sein dürfte. Schließlich soll der Rahmenplan für den neuen Stadtraum B14 Ende dieses Jahres vorgestellt werden.