Zunehmend geraten die Hells Angels ins Rampenlicht. In Nordrhein-Westfalen geht die Polizei verstärkt gegen die Rocker vor – hier soll ein 34-jähriger Mitglied des Rockerclubs einen Mann niedergeschossen und schwer verletzt haben. Inszwischen stuft das Bundeskriminalamt die Rockerkriminalität als Teil der organisierten Kriminalität ein. Wir blicken zurück auf den gewaltätigen Tod 2004 vom Chef des Karlsruher Charters, Helmut “Miko“ Mikolajek, der von einem Auftragsmörder in der Stadt erschossen wird.

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.

Icon vergrößern

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.
Foto: Thomas Riedel

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.
Foto: Thomas Riedel

Der Hells Angels Motorcycle Club

Der Motorrad- und Rockerclub Hells Angels wird 1948 in Kalifornien gegründet. Über die 1960er Jahren verbreitet sich der Club über die ganze USA aus und ist heute in 32 Ländern vertreten. Die einzelnen Gruppen in den verschiedenen Städten sind in sogenannten Charter organisiert – eine lokale Ortsgruppe oder eine Unterabteilung. Typischerweise fahren die Mitglieder Harley-Davidson-Motorräder. Häufig ist es zu Verurteilungen einzelner Mitglieder beispielsweise aufgrund von Gewalt- und Drogendelikten als auch Schutzgelderpressungen gekommen.

Der Name kommt von einem Film aus dem Jahr 1930, der die Erlebnisse der britischen Royal Flying Corps im Ersten Weltkrieg behandelte. Die Mitglieder tragen heute eine ärmellose Kutte aus Jeansstoff oder Leder mit Backpatches versehen. Die Backpatch-Insignien bestehen aus Schriftzügen mit der Schrift Hells Angels, der Abkürzung MC für Motorcycle Club und dem Namen des jeweiligen Charters sowie aus dem Hells-Angels-Emblem, einem Totenkopf mit Helm und Flügeln.

Das Attentat auf den Hells Angels Chef in Karlsruhe

Der 42-jährige Helmut “Miko“ Mikolajek ist 2004 der Boss der Hells Angels in Karlsruhe, wo er Bordelle und Tattoostudios betreibt. Mikolajek verbüßt bereits 1983 wegen versuchten Totschlags eine siebenjährige Jugendhaftstrafe in Bruchsal. Als ehemaliger Chef der Karlsruher Hells Angels genoß Mikolajek ein besonderes Ansehen, war ein erfolgreicher Kampfsportler und galt als Leitfigur. Er war auch gegen Drogen und Alkohol.

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.

Icon vergrößern

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.
Foto: Thomas Riedel

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.
Foto: Thomas Riedel

Im Dezember 2003 entgeht er in seinem Wohnort in der Prinz-Wilhelm-Straße in Bruchsal nur knapp einem Autobombenanschlag. Der Plastiksprengstoff explodiert nicht, weil der Zündmechanismus der mit etwa 500 Gramm Plastiksprengstoff bestückten Bombe einen Wackelkontakt hat.

Der zweite Versuch nur Wochen später ist aber erfolgreich. Am 9. Januar 2004 sitzt Mikolajek tagsüber im Café Ciao im Passagehof in der Karlsruher Innenstadt. Auf einmal tritt ein Mann auf ihn zu und schiesst ihn mit einer Pistole der jugoslawischen Marke “Cverna Zastava“ in den Hinterkopf. Miko liegt tod da – aus nächster Nähe ermordet. Es wird ein zweiter Schuss abgefeuert, jedoch verfehlt dieser das Opfer. Der Täter verschwindet schnell zusammen mit seinem Komplizen zu Fuß.

Zu der Beerdigung von Mikolajek nehmen 2000 Rocker der Hells Angels sowie Angehörige des badischen Rotlichtmilieus teil.

Vier Leute werden festgenommen

Der Täter bleibt erst mal unbekannt, aber die Polizei stellt fest, dass es um einen Auftragsmord geht. Beim Auftragsmord wird ein Mörder von einer Gruppe oder Partei bezahlt oder entlohnt, die Zielperson aus dem Weg zu räumen. Hier vermutet die Polizei auch, dass der Täter aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt.

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.

Icon vergrößern

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.
Foto: Thomas Riedel

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Café, welches direkt neben Mikos Tattoo Studio war.
Foto: Thomas Riedel

Nach dem Attentat wird eine Sonderkommission von 43 Beamten gebildet, um den Fall zu untersuchen. Die Staatsanwaltschaft setzt sogar eine Belohnung von 5.000 Euro für sachdienliche Hinweise aus. Die Hells Angels Gruppe in Karlsruhe arbeitet mit der Polizei zusammen, da sie auch den Mord an ihrem Chef aufklären will.

Nach etwa einem halben Jahr gibt die Polizei bekannt, das inzwischen vier Personen festgenommen wurden, von denen zwei zugegeben haben, an dem versuchten Sprengstoffanschlag im Dezember teilgenommen zu haben. Spuren, die an der Bombe gefunden wurden, hatten die Ermittler zu zwei jungen Jugoslawen geführt.

Das Tatmotiv

Zu den Festgenommenen gehören auch die beiden Personen, die den Mord in Auftrag gegeben haben. Diese vier sind zwei Brüder aus Montenegro und ihre Cousins, die alle in der Karlsruher Rotlichtszene aktiv sind. Die Hauptverdächtigen jedoch sind nach dem Attentat wieder in ihre Heimat Jugoslawien geflohen – nach ihnen wird jetzt mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Das Tatmotiv, heißt es, sind Streitigkeiten und Geldforderungen aus dem Rotlichtmilieu.

Die beiden Auftraggeber erhalten lebenslange Haftstrafen, während ihre beiden Cousins für mehrere Jahre hinter Gitter müssen. Wenn Mikolajek bereits im Dezember 2003 nach dem verfehlten Bombenanschlag mit der Sonderkommission kooperiert hätte, wäre sein Tod möglicherweise zu vermeiden gewesen, sagte ein Sprecher der Polizei.

Der Täter wird festgenommen

Erst 2007 wird der mutmaßliche 28-jährige Todesschütze festgenommen und sitzt in Montenegro in Haft. Der Prozess soll ihm nun in seinem Heimatland gemacht werden. Sein 27-jährige Komplize ist noch auf freiem Fuß. Der Auftragskiller ist extra nach Deutschland für die Tat eingereist, heißt es. Der Hintergrund sei ein Streit um Ansehen und Geld im Karlsruher Rotlichtmilieu gewesen, da Mikolajek den zwei Auftraggebern – den zwei Brüdern aus Montenegro – Stadtverbot erteilt hat. Einer der Brüder hat ein sogenanntes „Abstandsgeld“ für eine Prostituierte in Höhe von 5000 Euro nicht bezahlt.

Die Hells Angels treffen sich jährlich, um Mikolajek zu gedenken. “Miko“ ist auf dem Friedhof in Grünwinkel beigesetzt worden.