Sie ist ein Schmuckkästchen für Hochneukirch und auch wenn es einen Sanierungsstau gibt, ist die Bausubstanz der Villa Schmölder nach Einschätzung von Markus Schmale, Architekt aus Grevenbroich, noch richtig gut. Die Lebenshilfe nutzt das Gebäude mit derzeit 18 Zimmern und stößt in Sachen Platz an ihre Grenzen. Markus Schmale setzte sich mit der Lebenshilfe zusammen und stellte im Bauausschuss nun das Konzept für einen möglichen Anbau vor. Die CDU hatte die Erstellung eines Nutzungskonzepts für die Villa im Schmölderpark an der Bahnhofstraße beantragt.

Die Idee: Die alte Villa soll von Grund auf saniert werden und künftig einen Teil der Wohngruppe beherbergen. Zweitens sollte in dem historischen Gemäuer ein öffentliches Café einziehen, dessen Gäste dann beispielsweise auf der vor wenigen Jahren geschaffenen Wohnterrasse verweilen könnten. Um weiterhin alle Mitglieder der Wohngruppe im Schmölderpark unterbringen zu können, soll neben der Villa ein Anbau errichtet werden – und zwar einer mit barrierefrei zugänglichen Räumen. Auch einen Aufzug soll es geben, damit Bewohner, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, keine Treppen mehr steigen müssen.

Für die Einrichtung eines Café-Betriebs sehen die Lebenshilfe und Architekt Schmale aber keine Perspektive. Unter den Bewohnern seien Menschen, die eine absolute Separierung benötigten. Ein Café-Betrieb in oder nahe der Villa, in dem sich Bewohner als Mitarbeiter einbringen würden, sei nicht darstellbar. Aber Schmale führte eine andere Konzeptidee an, die durchaus Charme hätte. Ein mobiles Café, ein Foodtruck oder ein Pavillon ließen sich im Park integrieren. Dazu müsste geprüft werden, ob sich ein Café-Betreiber finden ließe.

Ein Café im Park hätte nach Ansicht Schmales auch den Reiz, dass sich die Anwohner der Neubauten im direkten Umfeld dort treffen könnten. Peter Lüpges, Anwohner und als Fraktionsvize der CDU Mitinitiator des Antrags, sieht auch den inklusiven Aspekt. Er sei oft im Gespräch mit den Bewohnern der Villa. Der Park sei für alle ein wichtiger Teil der Naherholung. Das Ambiente der Villa Schmölder hat es dem Architekten aus Grevenbroich angetan. Es sei so prächtig, dass ein Anbau, den sein Büro für die Stadt Jüchen nun prüfte, mit Demut unterordnen solle.

Nur bis zur Traufhöhe reicht ein Neubau, der durch ein gläsernes Treppenhaus zwischen beiden Baukörpern verbunden wäre. Das neue Gebäude träte in gebührenden Abstand zur historischen Villa, die zwar nicht unter Denkmalschutz steht, aber ein herausragendes Objekt vor allem im Ensemble mit der Parklandschaft darstelle. „Die Fassade hat eine starke, aber unaufgeregte Stringenz, der Neubau nähme diese Attribute auf“, so Schmale.

Für die Lebenshilfe besteht hoher Bedarf an weiteren Zimmern. Schmale stellte die Planungen für einen moderaten Umbau und den Neubau vor, sodass künftig Platz für 24 Bewohner entstehen könnte. Ohne den Anbau wären die Pläne laut Schmale nicht realisierbar. Drei Räume im Obergeschoss wären nicht barrierefrei, der Rest schon. Nasszellen sollen die Zimmer erhalten und Bewegungsfreiheit auch für Rollstuhlfahrer. Im Erdgeschoss gäbe es einen Bezug zum Park, eigene Gärten sind nicht gewünscht.

Eigentümerin ist die Stadt und sie ist mit im Boot, hat sich auf den Weg gemacht und will schauen, welche Förderprogramme für die Umgestaltung der Villa in Frage kämen. Thomas Dederichs, Fraktionsvorsitzender der Grünen, fragte, ob an eine Ertüchtigung der Villa im laufenden Betrieb gedacht sei. „Das können wir derzeit nicht verifizieren“, sagte Schmale. Sein Büro habe Erfahrung mit dem Umbau von Seniorenheimen. Bei einem Neubau ergäben sich die Chancen von Umzügen. „Aber so weit sind wir noch nicht.“