Bislang einziger bekannter Fall
Russland stattet zivilen Tanker mit Maschinengewehren aus
29.06.2026 – 14:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Die „Marshal Vasilevskiy“: Auf ihr sollen Waffen angebracht worden sein. (Quelle: Vesselfinder/b47b56)
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Fotos des estnischen Grenzschutzes zeigen Maschinengewehre auf einem russischen LNG-Tanker. Deutsche Marineoffiziere bezeichnen den Fund als beispiellos.
Ein russischer Flüssiggastanker ist nach Recherchen mehrerer Medien erstmals mit schweren Maschinengewehren auf See gesichtet worden. Auf Aufnahmen des estnischen Grenzschutzes sind auf dem LNG-Schiff „Marshal Vasilevskiy“ zwei Maschinengewehre sowie mit Sandsäcken geschützte Stellungen zu erkennen.
Die Fotos entstanden Anfang Mai während eines Überwachungsflugs über der Ostsee. Das estnische Medium „Delfi“ stellte sie unter anderem dem NDR, WDR, der „Süddeutschen Zeitung“, weiteren internationalen Medien sowie der Rechercheplattform „Dossier Center“ zur Verfügung. Nach Angaben der beteiligten Medien deuten öffentlich verfügbare Positions- und Flugdaten darauf hin, dass die Aufnahmen nördlich der estnischen Insel Hiiumaa entstanden.
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Nach Angaben deutscher Marineoffiziere, die von NDR und WDR befragt wurden, ist eine derart schwere Bewaffnung auf einem russischen zivilen Schiff in der Ostsee bislang nicht bekannt gewesen. Frühere Recherchen hatten bereits ergeben, dass Russland bewaffnetes Personal auf einzelnen Handelsschiffen einsetzt.
Strategisch wichtiges Spezialschiff
Die „Marshal Vasilevskiy“ gehört dem russischen Energiekonzern Gazprom. Das 2018 gebaute Spezialschiff kann Flüssigerdgas (LNG) transportieren und zugleich wieder in gasförmigen Zustand umwandeln. Es dient damit auch als schwimmendes LNG-Terminal.
In den vergangenen Jahren versorgte das Schiff die russische Exklave Kaliningrad mit Erdgas. Diese gilt als strategisch wichtig, da ihre Gasversorgung im Krisenfall durch die über Litauen verlaufende Pipeline beeinträchtigt werden könnte.
Experten sehen Zusammenhang mit Drohnenangriffen
Der Experte für maritime Sicherheit Moritz Brake bewertet die Bewaffnung als Hinweis auf den wachsenden Druck auf Russland. Es sei wahrscheinlich, dass die Waffen dem Schutz vor ukrainischen Drohnenangriffen dienen.
Tatsächlich war Anfang März ein anderer russischer LNG-Tanker im Mittelmeer durch einen Drohnenangriff schwer beschädigt worden. Zwar bekannte sich die Ukraine nicht zu dem Angriff. Viele Analysten gehen jedoch davon aus, dass sie dafür verantwortlich war. Auch in der Ostsee wurden zuletzt mehrfach russische Energieanlagen und Marineeinrichtungen Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.
Rechtliche Lage nicht eindeutig
Völkerrechtlich bewegt sich die Bewaffnung eines zivilen Handelsschiffes nach Einschätzung von Experten in einem Graubereich. Der Hamburger Seerechtler Alexander Proelß erklärt, dass das Mitführen von Waffen eine friedliche Durchfahrt grundsätzlich nicht ausschließe. Anders könne dies sein, wenn Waffen in den Hoheitsgewässern anderer Staaten eingesetzt oder dort an Bord genommen würden.
