Ehrenamt in Chemnitz
Bei „Balu und Du“ bekommen Kinder ein Stück Kindheit zurück
29.06.2026 – 13:35 UhrLesedauer: 3 Min.
Paula Rackerseder mit einem Mädchen am See: Die Studentin unternimmt als Patin einmal wöchentlich etwas mit ihrem „Mogli“, wie die Patenkinder bei „Balu und Du“ heißen. (Quelle: Bürgerstiftung Chemnitz)
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Im deutschlandweiten Ehrenamts-Programm „Balu und Du“ begleiten feste Paten regelmäßig Grundschulkinder in herausfordernden Lebenssituationen. Sie sollen so ein Stück Unbeschwertheit erfahren.
Einmal in der Woche steht für Paula Rackerseder ein besonderer Termin im Kalender: Sie trifft ihren Mogli. So nennen die Patinnen und Paten im Projekt „Balu und Du“ – in Anlehnung an das Dschungelbuch – die Kinder, die sie ein Jahr lang begleiten. Als Balu übernimmt die 22-jährige Masterstudentin im Studiengang Human Factors an der TU Chemnitz die Rolle einer großen Begleiterin – nicht als Ersatz für Eltern, sondern als verlässliche Bezugsperson, die zuhört, Mut macht und gemeinsame Erlebnisse schafft.
„Balu und Du“ ist ein bundesweites Mentoringprogramm, bei dem junge Menschen ein Grundschulkind ein Jahr lang begleiten. Am Standort der TU Chemnitz ist das Projekt am Institut für Psychologie angebunden. Ziel ist es, Kindern Aufmerksamkeit und Unterstützung zu geben, die sie in ihrem Alltag oft nur eingeschränkt erfahren.
Gleichzeitig profitieren auch die ehrenamtlichen Balus von der Patenschaft und entwickeln sich persönlich weiter. „Paula ist eine unserer Ehrenamtlichen, die sich für ein Jahr in dem Programm engagiert“, erzählt Madlen Günther, Fachkoordinatorin des Chemnitzer Standorts. „Wir haben aktuell sechs aktive Gespanne. Paula ist eine von denen, die Großartiges leisten und ihrem Kind genau das schenken, was es braucht: Zeit, Aufmerksamkeit und das Gefühl, gesehen zu werden.“
„Balu und Du“: Hilfe für Kinder mit Herausforderungen
Viele der begleiteten Kinder wachsen unter schwierigen Bedingungen auf. Manche erleben Herausforderungen in der Schule oder im privaten Umfeld, einige können nicht dauerhaft bei ihren Familien leben und wohnen beispielsweise in Einrichtungen. Was viele verbindet: Ihnen fehlt häufig die Möglichkeit, im Mittelpunkt zu stehen, eigene Interessen zu entdecken und unbeschwert Kind zu sein. Genau hier setzt Rackerseder an. Die gebürtige Rosenheimerin kam im Oktober vergangenen Jahres für ihr Studium nach Chemnitz. Auf das Projekt aufmerksam wurde sie durch Madlen Günther.
Rackerseders Motivation kommt auch aus eigenen Erfahrungen: „Als Kind hatte ich viele Möglichkeiten und Menschen, die mich unterstützt haben. Mir haben zum Beispiel Ehrenamtliche das Schwimmen beigebracht. Ich weiß, wie bereichernd solche Unterstützung sein kann.“ Schon während ihres Bachelorstudiums in Würzburg engagierte sich Rackerseder in der Jugendarbeit. Für sie war deshalb schnell klar, dass sie auch in Chemnitz wieder etwas zurückgeben möchte. Seit November 2025 begleitet sie ihren Mogli.
Beim ersten Treffen ging es vor allem darum, sich kennenzulernen und herauszufinden, was das Kind gerne macht. Mittlerweile treffen sich die beiden im Durchschnitt einmal pro Woche. Die Regelmäßigkeit sei besonders wichtig: „Wir haben uns schnell aneinander gewöhnt und ein vertrautes Verhältnis aufgebaut.“ Die gemeinsamen Aktivitäten bestimmt häufig ihr Mogli selbst. „Sie sucht sich meistens etwas aus, bei dem sie als Kind im Zentrum steht“, erzählt Rackerseder.
