„Wer soll sich auf dieser Fläche wohlfühlen?“ Diese Frage steht auf der Infotafel zum Blau-Grünen Band an der Jülicher Straße in Jüchen. Die Antwort, die unter der Frage auf dem Erläuterungsschild steht, lässt sich allerdings nur noch vermuten. Es geht um einen Raum für Insekten, Schwarzkehlchen und Amphibien. Aber das Schild ist so verschmiert, dass der Rest nicht lesbar ist – wie auch sonst die Anlage unweit des Tagebaus einen unordentlichen Eindruck hinterlässt. Ursprünglich sollte sie zum Verweilen einladen und zeigen, was in Sachen Rekultivierung für ein Wunderwerk der Natur entstehen kann. Stattdessen liegt Müll auf dem Weg, ein Abfalleimer quillt über und kaputte Fahrradmäntel liegen im Gebüsch – ein Ort zum Verweilen sieht anders aus.
Paul Quack von der Nabu-Gruppe Jüchen und Mitglied der FWG legte im Ausschuss Tagebaufolgelandschaft den Finger in die Wunde und riet allen Parteien, sich selbst ein Bild von der traurigen Anlage zu machen. „Das ist kein Aushängeschild“, sagt Quack über die vor wenigen Jahren ins Leben gerufene Anlage, die einen Vorgeschmack geben soll, wie das komplette Band einmal zur Naherholung beitragen kann.
Volker Mielchen, Geschäftsführer des Zweckverbands Landfolge Garzweiler, reagierte einigermaßen zerknirscht. Neue Lebensräume zu schaffen, so lautet das Leitmotiv des Zweckverbands, der als interkommunaler Verbund die Folgelandschaften und den Strukturwandel im direkten Umfeld des Braunkohlebergbaus gestaltet.
„Ich war gerade dort“, erklärte Mielchen in der Ausschusssitzung und bestätigte Quacks Schilderung. „Allerdings hat es auch viel geregnet, und alles ist stark gewachsen“, sagt Mielchen. Auch mit RWE habe er schon gesprochen. Bis Anfang des Jahres habe der Energieversorger sich um die Pflege des Areals gekümmert. Jetzt müsse die Zuständigkeit geklärt werden. „Es gibt eine Regelungslücke seit Anfang Januar“, so Mielchen. Bürgermeister Philipp Sieben sieht derzeit keine Zuständigkeit der Stadt, er bitte den Zweckverband, RWE als Eigentümer an seine Zuständigkeit zu erinnern.
Allerdings, so Sieben, werde RWE irgendwann aus der Verpflichtung heraus sein. Im Zweckverband und in den Gremien müsse man sich überlegen, wie die Pflege in Zukunft aussehen solle. Gerd Kuska (CDU) erinnerte daran, dass das Blau-Grüne Band eines der Vorzeigeprojekte des Zweckverbands sei. „Es soll den Bürgern Lust auf mehr machen.“