Fast täglich schlagen ukrainische Drohnen in Raffinerien, Öldepots, Bahnkreuze, Brücken, Munitionslager oder Rüstungsbetriebe ein – häufig Hunderte Kilometer von der Front entfernt.
Allein in den vergangenen Tagen wurden erneut Raffinerien in Krasnodar und Jaroslawl angegriffen. Kurz zuvor beschädigten ukrainische Raketen die Rüstungsfabrik Titan-Barrikady in Wolgograd. Auf der Krim zerstörten ukrainische Streitkräfte eine Eisenbahnbrücke, über die Russland Truppen und Nachschub transportiert.
Jeder dieser Angriffe verfolgt dieselbe Strategie. Die Ukraine will nicht nur russische Soldaten treffen. Sie greift die Voraussetzungen an, die Russlands Kriegsführung überhaupt ermöglichen. Und für Putin und das russische Selbstverständnis als Großmacht ist jeder dieser Angriffe ein Gesichtsverlust.
Krieg ist in Russland angekommen
Die Folgen der ukrainischen Angriffe für Russland lassen sich inzwischen kaum noch verbergen. Ausgerechnet der größte Energieexporteur der Welt kämpft mit Treibstoffengpässen.
Russland zapft strategische Benzinreserven an. Über Exportverbote für Diesel wird offen diskutiert. Mehrere Regionen rationieren Kraftstoff. Selbst Tausende Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt schränken Behörden den Verkauf von Benzin ein.
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung auf der Krim.
Für Putin war die Halbinsel stets weit mehr als ein Militärstützpunkt. Mit ihrer Annexion 2014 begann sein Projekt zur imperialen Neuordnung Europas. Kaum ein anderer Ort steht so sehr für seinen Machtanspruch. Heute droht ausgerechnet dieses Prestigeprojekt zu einer strategischen Belastung zu werden.
Nach wiederholten Angriffen auf Raffinerien, Energieanlagen und Nachschubwege musste auf der Krim der Ausnahmezustand ausgerufen werden. Russische Behörden arbeiten daran, die Versorgung der Halbinsel zu stabilisieren. Berichten zufolge existieren inzwischen sogar Pläne für Teil-Evakuierungen.
Die Krim bleibt für Putin militärisch und ideologisch unverzichtbar. Logistisch wird sie für Moskau im Krieg aber zunehmend zum Problem.
Putin gesteht Schwäche ein
Noch bemerkenswerter als die Schäden selbst ist Putins Reaktion auf die Angriffe. Jahrelang vermied der Kreml jede öffentliche Diskussion über Schwächen im eigenen Land, nannte den Krieg eine „militärische Spezialoperation“.
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