Kolumnist KNITZ über einen Radmarathon bei großer Hitze und eine Erleuchtung auf freier Strecke.

Keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, Sie müssen es nicht nachmachen. Sie müssen es sich nur vorstellen.

Stellen Sie sich also bitte vor, Sie machen sich früh am Morgen bei einem Radmarathon, der den verräterischen Namen „Alb Extrem“ trägt, auf den Weg. Die Temperatur im Flecken Ottenbach am Fuße des Hohenstaufen ist noch angenehm, aber für die frühe Stunde doch schon erstaunlich hoch.

3500 Menschen haben was Ähnliches vor

Sie ahnen, da kommt heute noch einiges auf Sie zu. Es wird verdammt heiß werden. Zudem befinden sich auf der Strecke etliche Steigungen, die überwunden werden wollen. Das einzige, was Sie vielleicht trösten mag: Sie sind nicht allein. 3500 Menschen haben was Ähnliches vor wie Sie.

Wenn Sie sich das alles vergegenwärtigen, dann dürfte Ihnen klar sein, dass Sie irgendwann an den Punkt kommen werden, an dem Sie sich fragen, warum Sie sich das antun. Bei KNITZ war der Punkt schon recht früh erreicht, kurz nach acht. Eine halbe Stunde später allerdings entdeckte er im Nirgendwo auf der Ostalb (die Anstrengung führt zu einer gewissen Orientierungslosigkeit) ein mannshohes Plakat, das er im Nachhinein als Erleuchtung bezeichnen würde. „Heute leiden, morgen angeben“, stand da in Großbuchstaben zu lesen. In dem Moment wusste KNITZ, warum er sich das alles antut.

Ein bissle Angeberei muss schon erlaubt sein

Das Leiden ist überwunden, jetzt also zum Angeben. KNITZ spricht heute als HELD zu Ihnen und findet, ein bissle Angeberei muss schon erlaubt sein in einer Welt, in der Abenteuer nicht gerade zum Alltag gehören. Aber keine Sorge, er wird Sie jetzt nicht mit Kilometern und Höhenangaben langweilen.

Selbstlob ist für ihn ohnehin keine Sünde. Das hört er sich oft daheim sagen: Wenn ihn hier keiner lobt, dann muss er es halt selbst tun, bevor es niemand macht.

Wichtig ist ein richtiger Song an der richtigen Stelle

Nein, im Ernst, wenn es jemanden zu loben gibt, dann sind es die Organisatorinnen und Organisatoren des MRSC Ottenbach, die diese Mammutveranstaltung auf die Beine gestellt haben. Sie haben, als absehbar war, dass die Hitze gewaltig sein wird, die Spitzendistanzen aus dem Programm genommen und zusätzliche Wasserstellen auf der Strecke installiert, sodass niemand befürchten musste, auf dem Trockenen zu sitzen.

Die Verpflegung ist das eine. Aber mindestens so wichtig ist ein richtiger Song an der richtigen Stelle. An einer ekelhaften Rampe war der HELD kurz davor, abzusteigen und zu schieben. Er hätte das getan, hätten ihn just in dem Moment nicht die Klänge von AC/DC gepackt, die ihn regelrecht den Hügel hinauftrugen. Am Wegesrand stand eine Lautsprecherbox, die ein Golf-GTI-Fahrer hierher gekarrt hatte. Sollte KNITZ jemals was gegen Golf-GTI-Fahrer gesagt haben, so bittet er an dieser Stelle um Vergebung und behauptet das Gegenteil.

„Wenn’s nicht wehtut, machst du etwas falsch“

Nicht nur mit Musik geht alles besser. Motivieren können einen, siehe oben, auch Sprüche. Noch einer gefällig? „Wenn’s nicht wehtut, machst du etwas falsch.“ Von solchen Sprüchen können auch die Begleiterinnen und Begleiter von KNITZ, die Frauen und Männer des StN-Radteams, ein Lied singen. „Wer jetzt noch pinkeln muss“, so eine seiner wegweisenden Weisheiten, „der hat sich nicht genug angestrengt.“

Auch wenn sie dabei die Augen verdrehen, KNITZ schätzt, das ist lieb gemeint.