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Ist das der Anfang vom großen Chaos für den DFB? Drei Monate nach Ende der Regionalliga-Arbeitsgruppe wollte der Dachverband über die Ergebnisse abstimmen lassen. Doch weil das favorisierte Kompassmodell vorab verändert wurde, boykottieren jetzt erste Vereine das Verfahren.
So gab Hansa Rostock bekannt, nach dem DFB-Skandal nicht am Votum teilzunehmen. „Das ist kein sauberer Reformprozess mehr. Das ist ein Verfahren, das Vertrauen zerstört“, erklärt der Drittligist. Zweitligist Dynamo Dresden, der über seine Oberliga-Reserve stimmberechtigt ist, zog seine per Brief eingereichte Abstimmung zurück.

Peter Frymuth trägt als mächtigster DFB-Vize die Verantwortung für den Reform-Prozess
Foto: picture alliance/HMB Media
Hansa ergänzte in einer ausführlichen Mitteilung: „Nicht die gemeinsam erarbeiteten Grundlagen zählen, sondern kurzfristig veränderte Spielregeln im entscheidenden Moment. Ein zentrales Modell wird auf den letzten Metern verändert, Abstimmungslogiken werden umgestellt, Mehrheiten werden faktisch relativiert.“
Es ist eine schallende Ohrfeige für die Regionalliga-Träger im DFB, dessen Regionalverbandsbosse Peter Frymuth (69/Westen), Dr. Christoph Kern (43/Bayern) und Ralph-Uwe Schaffert (75/Norden) die volle Verantwortung für den Ablauf tragen.
Experte: „Das ist kein sauberer Prozess“
Das Kompassmodell wurde kurzfristig durch die Regionalfürsten frisiert, acht Startplätze gestrichen und vier 18er- statt 20er-Staffeln, die so nie vorgesehen waren, festgelegt.
Dynamo Dresden meint: „Dies stellt einen klaren Nachteil für kleinere Vereine im Vergleich zum ursprünglich durch eine Arbeitsgruppe des DFB erarbeiteten Konzepts dar. Unter den ursprünglichen Voraussetzungen hätte die SGD für das Kompass-Modell gestimmt.“
Weiter betont Hansa Rostock: „Wir stehen klar für eine Reform der Regionalligen. Wir wollen einen Fußball, in dem Meister wieder sportlich aufsteigen können und der Wettbewerb fair geregelt ist. Aber: Eine Reform kann nur dann legitim sein, wenn sie auf klaren, stabilen und transparenten Grundlagen basiert.“
Prof. Harald Lange (57) von Universität Würzburg kann das Verhalten verstehen: „Das passt zu den DFB-Mustern, es handelt sich hier nicht um einen sauberen demokratischen Prozess.“ Auch der Sportwissenschaftler ist überzeugt, dass dieses Verfahren Vertrauen bei Vereinen und Fanszenen „noch und nöcher“ kosten wird.
Rostock: „Aus Reformpolitik wird Machtspiel“
Rostock stellt heraus: „Wenn diese Grundlagen kurz vor der Abstimmung verändert werden, wird aus Reformpolitik ein Machtspiel – und genau das machen wir nicht mit.“ Die großen Klubs stehen damit für die „Kleinen“ ein – das ist gelebte Solidarität. Frymuth, Kern und Schaffert hatten versucht, den deutschen Fußball zwischen den Regionen und finanzstärkeren sowie -schwächeren zu spalten. Der Plan geht nicht auf.
Nach BILD-Informationen soll der FCH und die SGD nur den Anfang machen. Nehmen die Verbände ihre kurzfristigen Veränderungen nicht zurück, sollen eine Menge Traditionsklubs in ganz Deutschland die DFB-Abstimmung ebenfalls boykottieren wollen. Das ist aber nicht das Ziel der Vereine, nur aus der Not heraus agieren sie derzeit so. Eigentlich wollen sie so schnell wie möglich eine Mehrheit für das Kompassmodell mit vier 20er-Staffeln aufzeigen und dieses umsetzen lassen.

Amir Shapourzadeh ist einer der ersten Sportchefs, der die Abstimmung notgedrungen boykottiert.
Foto: Lutz Bongarts
Hansa spielte in der Vergangenheit mit seiner zweiten Mannschaft in der Regionalliga Nordost mit und ist als Drittligist stimmberechtigt. Weiter heißt: „Solange kurz vor der Entscheidung an den Grundregeln geschraubt wird und der Eindruck entsteht, dass Verfahren und Mehrheiten nachträglich angepasst werden, werden wir an dieser Abstimmung nicht teilnehmen. Wir wollen Veränderung im deutschen Fußball. Aber nicht auf einem Weg, bei dem Entscheidungen im letzten Moment umgebaut werden.“
Der DFB und speziell die Verbandsbosse stehen vor einem eigens verursachten Scherbenhaufen. Wie heißt es so schön: Der Klügere gibt nach – vor allem, wenn man mit Anlauf gegen eine Mauer aus bundesweiten Fanszenen und Klubs rennt…