Bielefeld. Die Geschichte Bielefelds war für ihn Beruf und Berufung zugleich. Reinhard Vogelsang war langjähriger Leiter des Stadtarchivs. Zahlreiche Veröffentlichungen über die Bielefelder Historie gehen zudem auf das Konto des gebürtigen Bielefelders, der sich seit den 1970er-Jahren intensiv im Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg engagierte. Jetzt ist Professor Dr. Reinhard Vogelsang im Alter von 87 Jahren gestorben.

1939 in Bielefeld als Sohn eines kaufmännischen Angestellten geboren, machte Vogelsang sein Abitur am Max-Planck-Gymnasium, bevor er die Stadt für sein Studium der Geschichte und Germanistik in Richtung Göttingen und Berlin verließ. In seine Arbeit im Archivdienst stieg Vogelsang, inzwischen promoviert, 1968 im Staatlichen Archivlager Göttingen ein. Später kehrte er als erster ausgebildeter Archivar nach Bielefeld zurück und baute ab 1971 als Leiter das heutige Stadtarchiv zum Großstadtarchiv auf, das er bis 2004 verantwortete.

Mehr als 30 Jahre stand Vogelsang damit im Dienst der Stadt Bielefeld und bewahrte darüber hinaus Bielefelder Stadtgeschichte. So als Mitte der 1980er-Jahre die Stadt vor der Frage stand, was aus der Ravensberger Spinnerei und ihren Gebäuden werden soll. Vogelsang organisierte damals eine Ausstellung zur Industriegeschichte, die den Anstoß zur Gründung des Historischen Museums im Jahr 1994 gab, das Vogelsang ebenfalls mit aufbaute.

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Er bewahrte Stadtgeschichte als Lehrer, Vermittler, Autor

Der Historiker war ein großer Vermittler, der zahlreiche Kooperationen ins Leben rief und sein Wissen gerne an geschichtsinteressierte Studierende weitergab. Das Stadtarchiv entwickelte er zu einem Haus der Geschichte weiter, das allen offenstehen sollte. Zugleich lehrte Vogelsang zunächst an der Pädagogischen Hochschule, ab 1974 dann an der Universität Bielefeld.

Hier motivierte er die Studierenden, sich mit regionalgeschichtlichen Themen auseinanderzusetzen. Ihm sei bewusst gewesen, dass jeder, den er für ein regionalgeschichtliches Thema begeisterte, neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte beitrug, schreibt der Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg in seinem Nachruf. „Das ist bis heute ein großer Gewinn.“

Als Anerkennung für seine Leistungen in Forschung und Lehre ernannte das Land Nordrhein-Westfalen Vogelsang 1988 zum Honorarprofessor an der Fakultät für Geschichtswissenschaft. 1981 wurde er als Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen berufen. In zahlreichen Büchern, Aufsätzen und Vorträgen behandelte der Historiker lokalgeschichtliche Themen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Seine dreibändige „Geschichte der Stadt Bielefeld“ wurde zum Standardwerk, Vogelsangs wichtigste Veröffentlichung für Bielefeld.

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„Er prägte Bielefelds Geschichtsschreibung wie kein anderer“

Auch im Privaten und nach dem Ruhestand endete Vogelsangs historisches Engagement nicht. Der Stadthistoriker war bereits ab 1971 über viele Jahrzehnte Mitglied im Historischen Verein, dessen Geschicke er von 1980 bis 1989 auch als Vorsitzender führte. Anschließend bekleidete Vogelsang bis 2015 weiter diverse Positionen im Vereinsvorstand.

„Reinhard Vogelsang hat in seinem Leben viel Glück gehabt“, schreiben seine langjährigen Weggefährten Bärbel Sunderbrink und Johannes Altenberend vom Historischen Verein. Das jedenfalls habe er stets betont, wenn man mit ihm über seinen Werdegang gesprochen habe. „Das große Glück für Bielefeld aber war, dass gerade dieser ausgezeichnete Historiker und Archivar die Geschichtsschreibung seiner Heimatstadt geprägt hat, wie kein anderer.“ Der Verein verliere mit ihm eines seiner längsten und engagiertesten Mitglieder. Und die Stadt verliert ihren vielleicht größten Bielefeld-Kenner.

Reinhard Vogelsang starb am 23. Juni im Alter von 87 Jahren.

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