Das neue Stadtquartier am Pankower Tor soll nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch neue Wege für den Verkehr eröffnen. Bei einer Informationsveranstaltung stellte das Bezirksamt das Mobilitätskonzept vor.
© Titelbild: Nöfer Architekten
Mit rund 2.000 Wohnungen, Schulen, Grünanlagen und neuen öffentlichen Einrichtungen gehört das Pankower Tor zu den größten Stadtentwicklungsprojekten Berlins. Doch bevor auf dem ehemaligen Rangierbahnhof gebaut werden kann, laufen die Planungen für die künftige Erschließung des Quartiers auf Hochtouren. Im Rahmen einer digitalen Informationsveranstaltung hat das Bezirksamt Pankow vergangene Woche auch erklärt, wie der Verkehr im Projekt künftig geregelt werden soll.
Das rund 47 Hektar große Areal zwischen Berliner Straße, Granitzstraße und Prenzlauer Promenade soll langfristig Platz für rund 15.000 Nutzerinnen und Nutzer bieten. Die Erschließung wurde dabei so geplant, dass verschiedene Verkehrsmittel miteinander verknüpft werden und der motorisierte Individualverkehr nicht den größten Anteil übernimmt.
Im Quartier entsteht ein fein abgestuftes Wegenetz aus kleinen Nachbarschaftswegen und übergeordneten Verbindungen, das kurze Alltagswege ebenso ermöglicht wie die Anbindung an das umliegende Stadtgefüge. / © Nöfer Architekten
Straßenbahn und neue Straßen bilden das Grundgerüst
Grundlage der Verkehrsplanung sind Annahmen zum künftigen Verkehrsaufkommen. Demnach wird unterstellt, dass 17 Prozent des Verkehrs auf den motorisierten Individualverkehr entfallen. Für den öffentlichen Nahverkehr werden 32 Prozent angenommen, für den Fußverkehr 29 Prozent und für den Radverkehr 22 Prozent. Auf dieser Grundlage wurde die Erschließung des Quartiers dimensioniert. Das Gutachten geht von einem täglichen Kfz-Aufkommen von rund 5.400 Fahrzeugen aus.
Eine wichtige Rolle übernimmt künftig die geplante Straßenbahnverbindung zwischen Weißensee, Heinersdorf und Pankow. Sie soll das neue Quartier direkt anbinden und gleichzeitig bestehende Lücken im Straßenbahnnetz schließen. Die Planer erläuterten, dass die Linienführung bewusst so gewählt wurde, dass unter anderem der S-Bahnhof Heinersdorf angebunden wird und die Trasse wirtschaftlich umgesetzt werden kann.
Daneben sieht das Konzept unterschiedliche Straßentypen vor. Die Erschließung des motorisierten Verkehrs erfolgt ausschließlich über die Prenzlauer Promenade und die Granitzstraße auf Höhe der Kissingenstraße, wodurch Durchgangsverkehr im Quartier vermieden und die umliegenden Wohnstraßen entlastet werden. Das Konzept wird durch Quartiers- und Wohnstraßen ergänzt.
Der Kfz-Verkehr wird gezielt gebündelt, während Fußgängerinnen und Radfahrende sichere und direkte Verbindungen durch das Quartier erhalten. / © Nöfer Architekten
Panketrail soll Rückgrat des Radverkehrs werden
Besonderes Gewicht legen die Planer auf den Rad- und Fußverkehr. Entlang der Bahntrasse soll künftig der sogenannte Panketrail verlaufen. Vorgesehen ist eine vier Meter breite Radverbindung mit einem separaten, 2,50 Meter breiten Gehweg. Beide Wege werden durch einen Sicherheitsstreifen voneinander getrennt. Ergänzt wird das Netz durch weitere Radverbindungen und Fahrradkreisverkehre, unter anderem im Bereich der Neumannstraße.
Ein weiterer Baustein ist ein geplantes Fahrradparkhaus an der Westseite des Quartiers. Gemeinsam mit der Zentralbibliothek soll dort ein Mobilitätsknoten entstehen, der den Umstieg zwischen Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr erleichtert. Allerdings wurde während der Fragerunde deutlich, dass sowohl für das Fahrradparkhaus als auch für den Panketrail bislang keine Finanzierung gesichert ist. Die Flächen seien freigehalten worden, über die Umsetzung müsse jedoch noch entschieden werden.
Im Zuge des Panke-Trails soll der Radverkehr an der Neumannstraße über einen Kreisverkehr geführt werden. / © Nöfer Architekten
Artenschutz wirkt sich auf die Verkehrsplanung aus
Auch der Naturschutz spielt bei der Mobilitätsplanung eine Rolle. Entlang des Panketrails müssen Maßnahmen getroffen werden, um die streng geschützte Kreuzkröte von der Radverbindung fernzuhalten. Nach Angaben der Planer soll eine niedrige Leiteinrichtung verhindern, dass die Tiere den Radweg queren. Parallel entstehen östlich des Quartiers neue Ersatzhabitate, auf die die Kreuzkröten erst umgesiedelt werden müssen, bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen können.
Das vorgestellte Verkehrskonzept macht deutlich, dass das Pankower Tor vor allem auf kurze Wege sowie die Verknüpfung von Straßenbahn-, Rad- und Fußverkehr setzt. Ob dieses Konzept in vollem Umfang umgesetzt werden kann, hängt allerdings auch von der Finanzierung einzelner Bausteine ab. Vor allem für den Panketrail und das Fahrradparkhaus steht eine Zusage derzeit noch aus.
Pankower Tor: Start der Öffentlichkeitsbeteiligung
Heute ist zudem die formelle Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplanverfahren 3-60a „Pankower Tor“ gestartet. Alle Unterlagen stehen ab sofort auf der Beteiligungsplattform zur Verfügung. Interessierte haben bis einschließlich 10. August 2026 die Möglichkeit, Stellungnahmen einzureichen.
Die Planunterlagen können außerdem in Papierform im Stadtentwicklungsamt Pankow (Ausstellungsraum im Erdgeschoss, Storkower Straße 97, 10407 Berlin) eingesehen werden. Die Einsichtnahme ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr möglich.
Schulhof mit Sportbahn. Die lange Straße in der Mitte des Quartiers bewegt sich Richtung Pankower Tor. Auf der linken Seite befindet sich die Granitzstraße und auf der rechten Seite die Bahn. / © Nöfer Architekten
Quellen: Bezirksamt Pankow, Pankower Tor



