Es ist wieder Stadtradeln – und alle machen mit. Rein in den blanken Aktionismus. Für ein paar Wochen schwingen sich Menschen aufs Fahrrad, die sonst beim Einkaufen am liebsten mit dem Auto in den Supermarkt fahren würden. Nur um für ihre Stadt, den Verein oder gar die Partei ein paar Kilometer für eine Ehrung zu sammeln. Da gibt es dann Radtouren mit Menschen, die den Begriff Radler eher flüssig definieren. Zur Vergabe der Urkunden kommt man schon wieder mit dem Auto. Dort wird dann die CO₂-Ersparnis und die Fitness hochgehalten. Am Ende bleibt aber nichts hängen.
Contra: Am Ende bleibt nichts hängen
Ja, es wäre toll, wenn mehr Menschen sich auf den Drahtesel setzen würden. Aber es wäre auch besser, wenn die Energie, die in einem solch plakativen Event steckt, in verbesserte Bedingungen für Fahrradfahrer gesteckt werden. Das lockt am Ende die Menschen dauerhaft in den Sattel, statt nur für ein paar Wochen. (Christian Kruppe)
Pro: Wie kann man etwas gegen das Radfahren haben?
Wer sich an einer Aktion wie dem Stadtradeln stört, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Bei dem sportlichen Wettstreit stehen Teamgeist und Umweltschutz im Mittelpunkt. Menschen, die sonst mit dem Auto fahren, haben einen spielerischen Anreiz, zumindest für drei Wochen das Rad zu nutzen. Fast 4000 Radfahrer aus dem Landkreis Augsburg haben sich im vergangenen Jahr beteiligt. Über 120 Tonnen CO₂ hat die Aktion eingespart. Das sind immerhin über 50 Hin- und Rückflüge von München nach New York.
Sicherlich ist ein Teil der Teilnehmenden ohnehin meist mit dem Rad unterwegs. Aber das ist ja auch gut so. Mit Aktionen wie dem Stadtradeln bekommt die klimaschonende Fortbewegung mehr Aufmerksamkeit. Hinzukommt, dass Schülerinnen und Schüler mit dem Schulradeln schon in jungen Jahren zur Bewegung motiviert werden. Wer kann da etwas dagegen haben? Und wen die Aktion so sehr stört, kann ja einfach nicht mitmachen. Oder den Frust in die Pedale treten. (Anna Faber)