Hinrichtungen in Frankfurt

Wo heute das Bahnhofsviertel ist, war einst das Galgenfeld

Aktualisiert am 30.06.2026 – 09:38 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine Hinrichtung durch das Rad auf dem Galgenfeld in einer Darstellung aus dem Jahr 1741. Wo heute das Bahnhofsviertel liegt, befand sich es viele Jahrhunderte ein Hochgericht.Vergrößern des Bildes

Eine Hinrichtung durch das Rad auf dem Galgenfeld in einer Darstellung aus dem Jahr 1741. Wo heute das Bahnhofsviertel liegt, befand sich es viele Jahrhunderte ein Hochgericht. (Quelle: Wikipedia )

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Wo heute das Bahnhofsviertel pulsiert, endete früher das Leben. Das „Galgenfeld“ war Frankfurts wichtigste Hinrichtungsstätte – und gab dem Stadtteil seinen Namen.

Was heute von Cafés, Verkehr und dichtem Stadtleben geprägt ist, war einst ein Ort der Abschreckung. Mitten in Frankfurt, im heutigen Bahnhofsviertel, wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts Todesurteile vollstreckt: Auf dem Galgenfeld unter der heutigen Taunusstraße lag das Hochgericht, einer der gefürchtetsten Orte der Stadt, an dem Verurteilte öffentlich hingerichtet wurden.

Das Hochgericht lag an der mittelalterlichen Stadtgrenze und sollte sichtbar machen, welche Konsequenzen schwere Verbrechen hatten. Die Hinrichtungen sind öffentlich gewesen – ein bewusst inszeniertes Zeichen der Macht und Ordnung.

Der düstere Ort wirkt bis heute nach: Auch der Name des Stadtteils Gallus gehe auf dieses Kapitel zurück. Tatsächlich fanden bis 1799 fanden in Frankfurt Hinrichtungen öffentlich statt. Vier Orte waren dafür fest vorgesehen: das Hochgericht auf dem Galgenfeld westlich der Stadt, der nahegelegene Rabenstein an der Kreuzung Mainzer Landstraße/Zimmerweg, der Roßmarkt im Stadtzentrum sowie die Alte Brücke.

Galgenfeld in Frankfurt: Brutale Strafen

Jahrhundertelang fanden die meisten Hinrichtungen am Hochgericht statt, wo damals die alte Handelsstraße von Frankfurt nach Mainz („Mainzer Landstraße“) hinausführte. Die „Galgenwarte“ war der letzte Kontrollposten. Dahinter lagen die Gutshöfe wie Hellerhof und Gutleuthof – Namen, die heute noch in den Vierteln benutzt werden. Der eigentliche Galgen an diesem Ort bestand lange Zeit aus einem Holzgerüst auf einem gemauerten Sockel. Bis zu vier Menschen konnten hier gleichzeitig hingerichtet werden.

Die Leichen blieben oft tagelang hängen – zur Warnung, wie es hieß. Nur bei besonderen Anlässen, etwa wenn ein Kaiserbesuch anstand, wurden die Körper vorher entfernt. Die Lage war dafür durchaus brisant: Der Galgen stand in Sichtweite des Stadttors, durch das viele Reisende Frankfurt betraten – das sogenannte Galgentor.

Der Galgen im Frankfurter Westen (Bildmitte hinten) in einer Zeichnung von Johann Kaspar Zehender aus dem Jahr 1782, vorne führt die Mainzer Landstraße entlang.Vergrößern des BildesDer Galgen im Frankfurter Westen (Bildmitte hinten) in einer Zeichnung von Johann Kaspar Zehender aus dem Jahr 1782, vorne führt die Mainzer Landstraße entlang. (Quelle: Wikimedia Commons)

Gallustor und Galluswarte im heutigen Viertel

Mit der Zeit ging der Name Galgenfeld in seiner ursprünglichen Form verloren – ersetzt durch das neutralere „Gallus“. Der neue Begriff prägte später das Gallustor, die Galluswarte und schließlich das ganze Gallusviertel, das im 19. Jahrhundert wuchs und bis heute diesen Namen trägt.

Die genaue Lage des Hochgerichts lässt sich heute nur noch erahnen. Historiker vermuten es im Bereich der heutigen Kreuzung Taunusstraße/Moselstraße. 1806 wurde der Galgen abgebaut – ausgerechnet für ein Fest: Auf Befehl des französischen Marschalls Augereau sollte auf dem Gelände ein Feuerwerk zu Ehren Napoleons stattfinden.