Nach der Explosion einer Paketbombe in Monaco, bei der ein aus der Ukraine stammender Oligarch schwer verletzt wurde, hat die Staatsanwaltschaft in dem Fürstentum Ermittlungen wegen Mordversuchs aufgenommen. Es gebe keine Hinweise auf einen Terroranschlag, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault am Dienstag in Monaco. Er äußerte sich nicht zur Identität der drei Opfer.
Mehreren Quellen zufolge handelt es sich um den Geschäftsmann Wadym Jermolajew, der aus der Ukraine stammt und später die Staatsbürgerschaft Zyperns angenommen hat, sowie seine Frau und den 13 Jahre alten Sohn des Paares.
Die beiden Erwachsenen seien schwer verletzt worden, die Frau schwebe weiter in Lebensgefahr, der Mann aber nicht mehr, sagte der Staatsanwalt. Der Jugendliche sei in der Nacht operiert worden.
Offenbar ein Einzeltäter
An der Suche nach dem Täter seien auch französische Sicherheitskräfte beteiligt, sagte Thibault. Nach ersten Ermittlungen handle es sich um einen Einzeltäter, der ein Paket im Eingang des Wohnhauses abgelegt habe. Kurz nachdem die drei Bewohner an der Tür erschienen seien, sei ein Sprengsatz detoniert. Es gebe zwei weitere Verletzte, die von Splittern durch berstende Schaufensterscheiben getroffen worden seien, sagte der Staatsanwalt.
Ein Ereignis dieser Art hat sich im Fürstentum noch nie ereignet.
Christophe Mirmand, monegassischer Staatsminister
Er sei mit der französischen Antiterror-Staatsanwaltschaft in Kontakt, die ihre Dienste angeboten habe, sagte der Staatsanwalt weiter. Es werde noch geprüft, ob diese benötigt würden.
Der schwer verletzte Mann habe seit mindestens 2021 einen Wohnsitz in Monaco. Er werde nicht von einer ausländischen Behörde gesucht, sagte der Staatsanwaltschaft.
Verdächtiger auf der Flucht
Wie der monegassische Staatsminister Christophe Mirmand dem französischen Sender BFMTV sagte, soll sich die Explosion am Montagabend gegen 21.00 Uhr ereignet haben. „Ein Ereignis dieser Art hat sich im Fürstentum noch nie ereignet“, fügte der Regierungschef hinzu.
Das betroffene Gebäude befindet sich Mirmand zufolge an einem Platz nahe der Grenze zu Frankreich. Der Verdächtige soll demnach zu Fuß in Richtung der französischen Stadt Beausoleil gelaufen sein.
Zahlreiche Rettungskräfte seien am Abend vor Ort gewesen, berichtete „Monaco-Matin“. Mirmand sprach von etwa 50 Feuerwehrleuten und mehr als 80 Beamten vor Ort. Auch französische Rettungskräfte trafen nach Angaben aus Kreisen von Frankreichs Innenministerium als Verstärkung ein. Es sei zudem eine polizeiliche Zusammenarbeit eingerichtet worden, um den flüchtigen Täter aufzuspüren.
Fürst Albert II.: „Schock“ für Monaco
Fürst Albert II. von Monaco schrieb in einer Mitteilung in der Nacht, dass die „kriminelle Explosion“ einen „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“ darstelle. Alle zuständigen staatlichen Dienste seien derzeit mobilisiert, in enger Zusammenarbeit mit den französischen Behörden. „Wir vertrauen darauf, dass sie die Umstände dieser Tragödie so schnell wie möglich aufklären, die Verantwortlichen identifizieren und auf allen Ebenen die notwendigen Antworten liefern werden“, hieß es.
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Der Bürgermeister der südfranzösischen Stadt Nizza, die rund 20 Kilometer von dem Fürstentum entfernt liegt, bezeichnete den Vorfall in einem Beitrag auf der Plattform X als einen „Anschlag“. Es sei eine „Tragödie, die Monaco erschüttert“, schrieb Éric Ciotti. Er bekundete volle Unterstützung für die Sicherheits- und Rettungskräfte, die im Einsatz seien. (dpa)