Kaum hatte Bildhauer Kurt Grimm seine Arbeit beendet, wurde sie bereits von den ersten Passanten entdeckt. „Schau mal, ein neues Kunstwerk“, bemerkten Schülerinnen, die mit dem Fahrrad am Kulturzentrum vorbeifuhren. Mit etwas Verspätung hat der Kunstverein Langenfeld seine Ausstellung „dynamisch“ nun um eine Großplastik des fränkischen Künstlers ergänzt.
Die Stahlplastik „Entwicklung G9“ wurde auf der Wiese hinter dem Kulturzentrum enthüllt. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Bürgermeister Sven Lucht präsentierte Grimm das rund drei Meter lange und etwa einen Meter hohe Werk der Öffentlichkeit. Die Arbeit greift typische Elemente aus Grimms künstlerischem Schaffen auf. Gebogene, gewickelte und gestreckte Stahlbänder scheinen sich in die Höhe zu winden und ihre Schwere hinter sich zu lassen. Trotz des massiven Materials vermittelt die Skulptur einen überraschend leichten und beinahe schwebenden Eindruck.
Sven Lucht stellte bei der Enthüllung einen Bezug zwischen dem Titel des Werks und der Stadtentwicklung her. „Entwicklung steht für Prozess und Zukunft. Das ist auch ein Sinnbild für unsere Stadt, die sich weiterentwickeln wird“, sagte er. Zugleich betonte er die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum. Es sei an der Zeit, die Stadt auch durch künstlerische Akzente weiter zu gestalten. Diesen Gedanken griff Kuratorin Beate Domdey-Fehlau auf. Nach den großen Künstlern der Nachkriegszeit sollten nun auch nachfolgende Generationen ihre Vorstellungen von Kunst im öffentlichen Raum sichtbar machen, sagte sie.
Wie die rund 20 Kleinplastiken und Modelle in der Ausstellung lebt auch „Entwicklung G9“ vom Spiel der Gegensätze. Das aus Cortenstahl gefertigte Werk wirkt einerseits stabil und massiv, andererseits verleiht ihm seine spiralförmig aufgelöste Form eine bemerkenswerte Dynamik. Die Skulptur lädt dazu ein, ihre scheinbar auseinanderstrebenden Elemente gedanklich wieder zusammenzufügen. Gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen Schwere und Leichtigkeit mache den besonderen Reiz von Grimms Arbeiten aus, erläuterte Domdey-Fehlau. Die Objekte wirkten zugleich bodenständig und schwerelos.
An ihrem aktuellen Standort tritt die Großplastik zudem in einen sichtbaren Dialog mit ihrer Umgebung. Zwischen Grünfläche und Kulturzentrum setzt sie einen markanten Akzent und verbindet Natur und Kunst auf besondere Weise. Die Enthüllung bot zugleich Gelegenheit für eine fränkisch-rheinische Begegnung von Künstlern, Kunstfreunden und Gästen. Kulinarische Spezialitäten aus beiden Regionen sowie Jazzmusik von Simon Axler und Fietje Schlegelmilch sorgten für den passenden Rahmen.
Die Ausstellung „dynamisch“ mit Arbeiten von Kurt Grimm ist noch bis zum 16. Juli im Kulturzentrum zu sehen. Geöffnet ist dienstags, freitags und samstags von 10 bis 13 Uhr, donnerstags von 15 bis 20 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr.