Robert Weingärtner ist kein Revolutionär, seine Werke zeigen „klassische“ Landschaften, meist mit mediterranem Flair. Manchmal integriert der 1958 in Würzburg geborene Künstler auch Architekturelemente in seine Bilder. Inspiriert sind seine Bilder von Landschaften aus Frankreich und Italien, sie entstehen „nach Sicht“ unmittelbar vor dem Motiv, das heißt mit Staffelei und Malausrüstung draußen in der Natur.
„Das Erfassen der Dinge und des Zusammenhangs, in dem sie zueinander stehen, bildet die Grundlage der Arbeiten, die allerdings nicht im Naturalistisch-Empirischen stehenbleiben“, betont Weingärtner, der an einem Gymnasium in Hildesheim als Kunsterzieher tätig war und von 1988 bis 2021 Gegenständliches Zeichnen an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau unterrichtet hat. Seine Bilder laden zum Nachspüren ein. „Das Empfinden, das eigene Erleben des Gesehenen, das Seh-Erlebnis als solches ist das eigentliche Grundthema dieser Malerei.“
Man wird ins Bild hineingezogen
Expressive Farbsteigerungen, strukturbetonte Bildkompositionen und Licht formen diese Landschaften. Besonders im Bild „Große Hügellandschaft“ kann man seine Handschrift erkennen. Baum- und Buschformationen strukturieren sanft gewölbte Hügelketten, die durch die Lichtführung Tiefenstruktur entfalten.
Der Betrachter wird ins Bild hineingezogen, sein Blick wird so zu einem Teil der Landschaft, deren Fragmente sich zu einem Ganzen zusammensetzen. Das Licht setzt durch einzelne Flecken Akzente. Im Seh-Erlebnis vollendet sich das Bild erst.
Wechselspiel von Licht und Schatten
Die Farben in der „Landschaft mit Pinien I“ erinnern an impressionistische Künstler, während die klar abgegrenzten Konturen auf Stilelemente des Expressionismus verweisen. Licht und Schatten vertiefen die Perspektive und bringen eine weitere Dimension ein. Das Wechselspiel von Licht und Schatten illustriert auch das Wehen des Windes und bringt eine subtile Dynamik in die Szenerie. Auch die Bilder „Felder, Wege, Gebüsch“, „Herbstlandschaft mit Oliven und Zypressen“ und „Herbstlandschaft mit Haus“ weisen diese Stilmerkmale auf.
Deutlich impressionistischer, vor allem in der Farbgebung, ist das Aquarell „Landschaft (Pinien, Tal)“. Die Grenzen zwischen Form und Farbe verwischen. Die vor allem durch das gleißende Licht geprägte Stimmung bestimmt die Struktur.
Formen lösen sich auf
Surrealistische Einflüsse weist die in strengem Schwarz-Weiß-Kontrast ausgeführte Pinselzeichnung „Mainlandschaft III“ auf. Gerade durch den bewussten Verzicht auf Farbe tritt die Bedeutung des Spiels mit Helligkeit und Dunkelheit umso stärker in den Vordergrund. Die Hell-Dunkeleffekte und die Lichtführung lösen Formen auf in schemenhafte Schatten. Realistischer und gegenständlicher sind dagegen die Interieurs von Robert Weingärtner.
Die Farbradierung „Balkon“ beschwört mit ihrem morbiden Charme, der auch dem Verfall innewohnt, Bilder von lauschigen Dorfhäuschen in Südfrankreich oder Italien herauf; die Natur holt sich hier durch die rankenden Pflanzen ihren Platz in der Zivilisation zurück.
Blaue Kristallschale und Korbstuhl
Absolut realistisch, unverkennbar der mediterranen Lebenswelt verpflichtet, ist das „Interieur mit Korbstuhl“. Hinter dem Korbstuhl, der nicht die zentrale Position des Bildes einnimmt, sondern nur von hinten angerissen gezeigt wird, zieht eine blaue Kristallschale mit Obst auf einem kleinen Tisch den Blick auf sich.
Ausstellung
Die Ausstellung mit Bildern von Robert Weingärtner in der Firma Silbersand (Am Wasserturm 4) am Zweibrücker Flughafen läuft voraussichtlich bis Ende September. Öffnungszeiten kann man unter der Telefonnummer 06332 41780 vereinbaren.