Verbraucher in Augsburg müssen ab 1. Juli mehr Geld fürs Trinkwasser bezahlen. Zum einen werden die Stadtwerke dann den so genannten „Wassercent“ an den Freistaat abführen müssen und ziehen diesen über die Wasserrechnung ein. Pro 1000 Liter Trinkwasser macht das 13 Cent aus. Hinzu kommt eine Erhöhung von 3,75 Euro für den Grundpreis beim Wasseranschluss monatlich. Für einen Drei-Personen-Haushalt in einem Zehn-Parteien-Haus macht das zusammengerechnet 1,80 Euro pro Monat aus. Heftiger trifft es Einfamilienhaus-Besitzer, weil hier die Anschlussgebühr nicht geteilt wird. Sie zahlen 5,20 Euro mehr pro Monat.
Notstromaggregate für die Trinkwasserversorgung in Augsburg
Den höheren Grundpreis begründen die Stadtwerke mit gestiegenen Baupreisen und Kosten für die bessere Absicherung der Wasserversorgung. Unter anderem war bei einem Testszenario festgestellt worden, dass im Falle eines längeren Stromausfalls Probleme drohen würden, sodass mit Notstromaggregaten aufgerüstet wird. Auch die bereits seit Jahren laufende Umstellung auf tiefere Brunnen, um bei Starkregen vor Verschmutzungen gefeit zu sein, wird künftig mehr Geld kosten. Der Bau von Horizontalfilterbrunnen sei „dramatisch teurer“ geworden, so Florian Killer, Leiter der Wasserversorgung bei den Stadtwerken.
Aktuell werden zwischen zehn und 20 Prozent mehr Trinkwasser verbraucht
Vom „Wassercent“ dürfen Trinkwasserversorger nichts behalten, sondern müssen das Geld an den Freistaat abführen, der es seinerseits neu verteilt. Thema soll etwa „nachhaltige Wasserbewirtschaftung“ sein, doch was sich genau dahinter verbirgt und wer Geld bekommt, ist unklar. Killer ist skeptisch, dass die Augsburger Stadtwerke davon profitieren werden. Man habe selbst seit Jahrzehnten in Infrastruktur und Versorgung investiert.
Hinzu kommt, dass Augsburg mit einem sehr ergiebigen Grundwasserstrom aus dem Voralpenland parallel zum Lech sehr gute geologische Voraussetzungen hat. Wasser ist hier leichter zugänglich als etwa in Franken. Absehbar herrscht keine Knappheit. In der aktuellen Hitzewelle liegt der Trinkwasserbedarf zwischen zehn und 20 Prozent höher als sonst, vor allem weil abends zwischen 19 und 20 Uhr der Garten gegossen wird. „Wir merken, dass die Regentonnen leer sind und viel gegossen wird“, so Killer. Zum Sparen, wie etwa die Münchner Stadtwerke, müsse man aber nicht aufrufen, auch wenn ein sorgsamer Umgang mit Wasser immer geboten sei.
Stadtwerke schalten mehrere Brunnen ab
Wie die Stadtwerke am Mittwoch bekannt gaben, gibt es im Schutzgebiet ein Problem mit PFAS-Industriechemikalien. Auf einen Nachweis am westlichen Rand des Schutzgebiets reagierten die Stadtwerke mit der Abschaltung von sechs ihrer insgesamt mehr als 60 Brunnen. Im Augsburger Trinkwassernetz ist die Chemikalie nicht nachweisbar, weil betroffene Brunnen teils vorsorglich vom Netz genommen wurden. Man werde mögliche Quellen und deren Beseitigung im Zusammenspiel mit den Behörden untersuchen, so die Stadtwerke. PFAS taucht häufig im Zusammenhang mit Flugplätzen und dem früher dort verwendeten Löschschaum auf.
Zu möglichen Verursachern äußern sich die Stadtwerke nicht, doch es liegt auf der Hand, dass untersucht werden muss, ob der Fliegerhorst Lagerlechfeld als Quelle infrage kommt. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass die Chemikalien vom Süden her ins Schutzgebiet getragen werden. Man verfolge bei diesem Thema, ungeachtet von zulässigen Grenzwerten, eine „Null-Toleranz-Politik“, so Killer. Es sei klar, dass man auch weiterhin keinerlei PFAS im Trinkwasser haben wolle, selbst wenn man Grenzwerte einhalten würde. Diesen Ansatz der kompletten Schadstofffreiheit halte man auch bei Mikroplastik oder Arzneimittelrückständen ein. PFAS gelten als Risiko für diverse Gesundheitsschäden. Sie sind auch in Pfannenbeschichtungen und Outdoor-Bekleidung enthalten.