Spontan, im Drive-by-Modus heiraten? Das ging nun erstmals in der CityKirche Elberfeld. Im Rahmen der Aktion „Segen für die Liebe – Einfach heiraten in Wuppertal” konnten sich Paare trauen oder ihre Liebe segnen lassen. Drei Paare nutzten die Chance bei hochsommerlichen Temperaturen.

Eine Hochzeit ist für viele der schönste Tag im Leben. Sich in einer Kirche das Ja-Wort zu geben und sich ewige Treue zu schwören, mögen manche altmodisch finden – romantisch ist die Vorstellung aber allemal. Auch die Durchführung der Trauung und die dazugehörige Feier ist individuell unterschiedlich, wie Pfarrer Johannes Nattland weiß. „Für manche kann die Feier rund um die Hochzeit nicht groß genug sein, andere würden gerne schnell und unkompliziert heiraten. Das könnte auch ein Grund für die rückgängigen Trauungszahlen in den Kirchen sein. Mit der Aktion heute wollten wir dem etwas entgegensetzen und beweisen, dass es auch spontan geht.” Der Termin ist mit dem 26. Juni bewusst gewählt, denn solche Schnapszahlen sind seit jeher sehr beliebt für Eheschließungen. Nur böse Zungen würden das mit der verbesserten Merkfähigkeit bei den Herren erklären.

Wem für eine spontane Hochzeit der Weg nach Las Vegas zu weit ist, findet auch im nächsten Jahr in der CityKirche Gelegenheit, sich Hals über Kopf in den Hafen der Ehe zu begeben. „Wir hatten heute drei Anmeldungen und schauen mal, ob heute noch jemand dazukommt. Nächstes Jahr machen wir das Ganze vielleicht am 2. Juli 2027 noch mal”, kündigt Nattland bereits jetzt an.

Das Schönste daran: Alle denkbaren Konzepte sind herzlich willkommen, denn Liebe ist ja nicht auf Mann und Frau begrenzt. „Manche Paare, die schon längst verheiratet sind, lassen ihre Ehe auch einfach nur segnen. Das hilft auch bei Partnerinnen und Partnern, die jeweils verwitwet sind und durch eine neue Ehe den Anspruch auf die Witwenrente verlieren würden. Selbst Einzelpersonen können sich segnen lassen.” Manche Menschen sind sich selbst immer noch die Liebsten.

Nach neun Jahren Ehe endlich
die kirchliche Trauung

Elena und Paul Weis kommen gerade aus dem Kirchsaal und strahlen übers ganze Gesicht. In kleiner Runde mit den Eltern und der gemeinsamen Tochter haben sie sich gerade spontan trauen lassen – und das, obwohl sie bereits seit neun Jahren standesamtlich verheiratet sind. Elena erzählt, wie es dazu kam. „Eine Bekannte hatte mir den WZ-Artikel über die Aktion geschickt und da wir schon immer kirchlich heiraten wollten, haben wir die Chance heute ergriffen. Nach der standesamtlichen Hochzeit wurde unsere Tochter geboren und irgendwie kam immer etwas dazwischen. Ich habe den Wunsch aber nie aufgegeben und es immer mal wieder angedeutet. Bei dieser Aktion haben wir dann gedacht, dass es so spontan und unkompliziert klingt, dass wir das einfach unbedingt machen wollten.” Fühlt sich die Liebe anders an, jetzt wo sie offiziell von der Kirche bestätigt wurde? Paul überlegt ein wenig. „Eigentlich fühlt es sich an wie immer. Aber da wir es so lange schon wollten, freuen wir uns gerade einfach nur. Wir haben diesen einen Punkt von der Liste endlich abhaken können.” Und so eine zweite Hochzeitsnacht oder gar einen Wochenendtrip als Flitterwochen-Ersatz kann man ja genauso spontan erleben.

Getraut hat die beiden Pfarrerin Simone Pries von der CityKirche Elberfeld. Auch für sie war die spontane Trauung etwas ganz Besonderes. „Ich war im Vorfeld viel aufgeregter als sonst. Normalerweise lerne ich die Paare vorab kennen, kann mich auf die Personen vorbereiten und ihre Wünsche in meinen Teil der Trauung einarbeiten. Heute ist das alles weggefallen. Aber während der Zeremonie war die Aufregung dann schnell verflogen und es war genauso schön wie eine ganz reguläre Hochzeit.”

Dass Menschen, die vielleicht nicht das nötige Budget für eine große Feier haben, dennoch den Segen mitnehmen können, freut die Pfarrerin besonders. „Wenn Menschen einfach nur gerne den Segen mit auf den Weg bekommen würden, ist das auch schön. Manche haben keine Lust auf eine Feier oder nicht das Geld, aber dennoch können sie hier etwas für sich mitnehmen.” Darüber hinaus ist diese Aktion auch eine Möglichkeit für die Kirche zu beweisen, dass es hier nicht immer so steif und trocken sein muss, wie manche denken. Einrichtungen wie die CityKirche Elberfeld beweisen schon lange, dass sich Glaube und Progressivität nicht ausschließen.

Nur durch Zufall auf die Aktion aufmerksam geworden ist Vanessa Hinz, die in der Sonne vor der Kirche ein Kaltgetränk aus dem gegenüber liegenden Café genießt. Als sie sich über die spontane Möglichkeit informiert, ist sie angetan von der Idee. „Wenn sich beide Parteien sicher sind, finde ich das eine sehr schöne Idee, ihre Liebe mit Gottes Segen besiegeln lassen zu wollen.”