
Stand: 01.07.2026 05:51 Uhr
Heute bekommen fast 900.000 Schüler an den allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen ihre Zeugnisse. Weil das nicht für jeden ein fröhlicher Termin ist, haben die Landesschulämter eine Sorgen-Hotline eingerichtet.
Seit 26 Jahren nimmt beim Zeugnistelefon auch Gertrud Plasse ab. Sie leitet das schulpsychologische Dezernat im Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Hannover. Dem NDR hat sie erzählt, was Schüler und Eltern bedrückt.
Frau Plasse, rufen bei Ihnen eigentlich mehr Eltern an oder Schüler?

Gertrud Plasse leitet das schulpsychologische Dezernat des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung Hannover.
Gertrud Plasse: Während der Grundschulzeit rufen eher die Eltern an. Da steht ja auch noch dieser behütende Aspekt im Vordergrund, also dass eher die Eltern sich Sorgen um die Zukunft machen und weniger die Kinder. Da merken wir schon, dass so in den Klassen 3 und 4 der Stress durchaus zunimmt: Schafft man es, dass das Kind auch den Übergang auf die höhere Schulform empfohlen bekommt und mit guten Noten die Grundschule abschließt?
In dem Alter ist das Zeugnis für die Eltern stressiger als für die Kinder?
Plasse: Alle Eltern wollen natürlich das Beste für ihre Kinder und ihnen den Weg in eine möglichst sehr gute Zukunft ebnen. Da setzen sich die Eltern teilweise selbst unter Druck, wie viel sie da erreichen können. Für manche ist ja zum Beispiel so eine Nicht-Versetzung dann auch sowas wie ein Worst-Case-Szenario, das man eigentlich nie haben wollte. Da hilft es Eltern, wenn wir ihnen aufzeigen können, dass das Leben noch viele Möglichkeiten bereithält – und dass nicht nur die Eins auf dem Zeugnis der Weg in die gute Zukunft ist.
So erreichen Sie das Zeugnistelefon in Niedersachsen
Mittwoch, 1. Juli 2026, 10-16 Uhr
Telefonnummer: (04261) 8406-30
E-Mail: zeugnishotline@rlsb-lg.niedersachsen.de
Wie ist es in höheren Jahrgängen?
Plasse: Da ist es dann tatsächlich eher so, dass auch die Jugendlichen sich selbst melden und sagen: Jetzt habe ich gerade ein Schuljahr hinter mir, das hat mir ganz wenig Freude bereitet, im nächsten Schuljahr will ich aber durchstarten – wie kann ich das für mich eigentlich organisieren, dass es dann nochmal besser läuft? Oder sie fragen, wie man am besten mit den Eltern redet, wenn man jetzt mit dem Zeugnis nach Hause kommt. Manchmal hilft es, dabei jemanden zur Unterstützung mitzunehmen: Freunde oder Eltern von Freunden oder eine Tante zum Beispiel.

Im Norden beginnen bald die Sommerferien. Wo können sich Kinder, Jugendliche und Eltern bei Sorgen und Ängsten Rat holen?
Was empfehlen Sie Eltern für diese Gespräche?
Plasse: Sie sollten ihren Kindern signalisieren: Das stehen wir gemeinsam durch. Und: Du bist viel mehr als deine Noten, ich schätze deine Persönlichkeit, du bist ein guter Freund, hast dich um dein Haustier gekümmert und so weiter. Das kann auch ein guter Startschuss sein für die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Und dann nicht vergessen: Jetzt sind ja erstmal die Sommerferien. Wenn man das mit dem Zeugnis in Ruhe besprochen hat, dann sollte man wirklich noch am gleichen Abend etwas Schönes zusammen machen. Die Familie sollte feiern, dass man wirklich auch viel geleistet und eine anstrengende Zeit hinter sich gebracht hat – um dann die Ferien in Ruhe zu genießen und sich auszuruhen.
Das Interview führte Kai Rake.
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