Der Verein „Kaarster gegen Fluglärm“ stellt die geplante Kapazitätserweiterung am Flughafen Düsseldorf auf maximal 60 Flugbewegungen pro Stunde erneut infrage und begründet das diesmal mit dem geplanten Angebot an Sitzplätzen der Airlines für die kommenden sechs Monate. Dieses weise für Düsseldorf im Zeitraum Juni bis November 2026 mit 7,4 Millionen Sitzen einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf, so der Verein. Das habe eine Auswertung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft ergeben. Die Auswertung zeige zudem, dass der Flughafen noch weit vom Niveau von 2019 entfernt ist. Das Luftverkehrsangebot im Sommerhalbjahr 2026 liege bei 82 Prozent des Vor-Corona-Niveaus.

„Dieser Befund wird auch durch die Analyse des Sommerflugplans bestätigt, die wir durchgeführt haben. Dieser zeigt zwar ein breites Angebot mit über 160 Zielen und durchschnittlich rund 3300 Starts und Landungen pro Woche. Das entspricht etwa 470 Flugbewegungen pro Tag und knapp 20 pro Stunde im Tagesdurchschnitt. Die Nachfrage konzentriert sich allerdings weiterhin auf die Morgen- und Abendstunden“, stellt der Vereinsvorsitzende Werner Kindsmüller fest. „Vor diesem Hintergrund ist es schleierhaft, wie der Flughafen seine Forderung nach Anhebung der Stundeneckwerte von heute maximal 47 pro Stunde auf künftig 60 mit Nachfrage begründen will.“ Der Flughafen räume inzwischen selbst ein, dass die bestehende Obergrenze von 131.000 Flugbewegungen in den sechs verkehrsreichsten Monaten bestehen bleiben soll. Damit entfalle eines der früheren Hauptargumente für eine Erweiterung. „Übrig bleibt im Wesentlichen der Wunsch, in den Morgen- und Abendstunden deutlich mehr Flugbewegungen abzuwickeln“, sagt Kindsmüller.

Doch genau diese Stunden seien für die Anwohnerinnen und Anwohner besonders belastend. Die beantragte Erhöhung würde eine weitere Verdichtung des Flugverkehrs, mehr Lärmspitzen und eine zusätzliche Belastung für die Menschen bedeuten. „Dies ist aber unzumutbar und deshalb lehnen wir den Antrag des Flughafens weiterhin ab“, wird Kindsmüller deutlich.

Am Flughafen Weeze habe sich das Sitzplatzangebot gegenüber 2019 dagegen fast verdoppelt. „Weeze und andere deutsche Regionalflughäfen, die vor allem Flüge zu touristischen Zielen anbieten, haben den größeren Flughäfen in den vergangenen Jahren Marktanteile abgenommen. Zugleich ist die Bedeutung des Geschäftsreiseverkehrs und der innerdeutschen Verbindungen seit 2019 stark zurückgegangen. Wachstumsperspektiven für Düsseldorf sind nicht zu erkennen“, so Kindsmüller.

Der Flughafen Düsseldorf weist die Aussagen des Kaarster Vereins entschieden zurück. „Die Initiative zieht aus den aktuellen Entwicklungen im Luftverkehr Schlussfolgerungen, die nicht haltbar sind“, erklärt Flughafen-Sprecher Süleyman Ucar auf Anfrage unserer Redaktion. Die Darstellung, der Flughafen Düsseldorf wachse nicht mehr, sei falsch. „Düsseldorf hat sein Passagieraufkommen sowohl 2024 als auch 2025 jeweils um rund eine Million Fluggäste gesteigert. Im vergangenen Jahr lag das Wachstum bei rund fünf Prozent und damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt“, so Ucar. Auch die Aussage, dass das geplante Sitzplatzangebot der Airlines zu einer angeblich stagnierenden Nachfrage führe, sei nicht richtig. „Das Sitzplatzangebot beschreibt die Kapazitätsplanung der Fluggesellschaften, nicht unmittelbar die Nachfrage der Reisenden“, erklärt Ucar. Zwar bestätigt der Sprecher, dass das Sitzplatzangebot nicht an das Vorjahresniveau heranreicht, das gelte jedoch für alle großen Flughäfen in Deutschland. Der vom Verein zitierte Bericht beschreibe kein spezifisches Nachfragethema in Düsseldorf. „Er zeigt vielmehr, dass das schwächere Sitzplatzangebot Ausdruck der schwierigen Rahmenbedingungen des Luftverkehrsstandorts Deutschland ist“, erklärt der Sprecher.

Dass der Flughafen mittlerweile selbst einräume, die bestehende Bewegungsobergrenze zu erhalten, weist Ucar ebenfalls entschieden zurück. Der Flughafen habe seinen Planfeststellungsantrag Ende 2025 bewusst an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Dazu gehöre die Entscheidung, die bestehende Obergrenze von 131.000 Flugbewegungen in den sechs verkehrsreichsten Monaten beizubehalten und damit einer zentralen Forderung aus der Anwohnerschaft Rechnung zu tragen. „Das ist kein nachträgliches Eingeständnis, sondern eine bewusste Weiterentwicklung des Antrags auf Grundlage einer Luftverkehrsprognose bis 2040 – mit dem Ziel, sowohl den Anwohnerschutz als auch die internationale Anbindung unserer Region zu sichern.“ Der Flughafen beantrage keine Ausweitung der bestehenden Bewegungsobergrenze, sondern in den bereits heute zulässigen Zweibahnstunden bis zu 60 statt wie bisher 47 Flugbewegungen koordinieren zu können.

Zur Kritik an der Belastung der Anwohner sagt Süleyman Ucar, dass der Flughafen dem Schutz Rechnung trage. „Unser Qualitätsprogramm Off-Block hat dazu beigetragen, die Pünktlichkeit am Standort deutlich zu verbessern. In der Folge sank die Zahl verspäteter Landungen in der Nacht 2024 um sieben Prozent und 2025 erneut um mehr als fünf Prozent – obwohl das Verkehrsaufkommen in beiden Jahren gestiegen ist“, so der Sprecher abschließend.