Kriminelle nutzen digitale Netzwerke nicht für Betrug, Datenklau und Erpressung. Immer häufiger kommt es zu so genannten Cyberattacken bei Energieunternehmen. Unbekannte legen außerdem gezielt Deutschlands Stromnetz lahm, wie die jüngsten Beispiele von Berlin und Reutlingen zeigen. Tausende Menschen waren tagelang ohne Strom. Experten warnen vor Sicherheitslücken. Wie steht es um die Versorgungssicherheit im Landkreis Augsburg?
Anschläge in Berlin oder Reutlingen: Die Angriffe auf Stromversorger häufen sich
Die Bedrohungslage ist neu: In jüngster Vergangenheit standen Verteilnetzbetreiber im Fokus von Spionage, Sabotage und gezielten Angriffen. Im Januar kam es zu einem Brandanschlag auf die Berliner Stromversorgung. Mehrere Starkstromkabel an einer Kabelbrücke wurden mutwillig beschädigt. Dies führte zu einem tagelangen Blackout für etwa 45.000 Haushalte und 2200 Betriebe im Südwesten Berlins.
In Reutlingen legten Unbekannte in einem Umspannwerk an mehreren Stellen Feuer. Dies führte zu einem massiven Stromausfall, der in der Spitze rund 20.000 Haushalte und etwa 30.000 Menschen betraf. Die Liste der Beispiele lässt sich fortsetzen. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagte Dr. Malte Sunderkötter von der LEW beim Treffen der 46 Bürgermeister des Landkreises. Die Bedrohungslage bezeichnete das Vorstandsmitglied als „verschärft“. Entsprechend habe der Stromversorger Vorkehrungen getroffen.
Angriffe: Wie sich der Stromversorger LEW schützt
Kritische Anlage würden identifiziert und entsprechend geschützt und überwacht, erklärte Sunderkötter. Näher darauf ging Josef Wagner, der Geschäftsführer der LEW-Verteilnetz-GmbH, ein. Netze, Umspannwerke und Leitstellen müssten mehrschichtig gesichert werden. Dazu gehörten beispielsweise Zutrittskontrollen, Videoüberwachung, Alarmanlagen oder ein Freigeländeschutz. Neben dem Schutz vor physischen Bedrohungen durch Anschläge kann es auch zu technischer Sabotage kommen.
Moderne Technologie: LEW testet Roboter und autonom fliegende Drohnen
Schutz vor Cyberangriffen sollen Firewalls, Netzwerk-Sicherungssysteme und regelmäßige Updates bieten. Auch neue Technologien würden eingesetzt, erklärte Wagner: Dazu gehörten Überwachungsroboter, die vor Kurzem getestet wurden. In der Testphase seien auch autonom fliegende Drohnen. „Wichtig ist, dass wir vorbereitet sind“, sagte Wagner.
Was ist, wenn doch etwas passiert? Dann sei die Zusammenarbeit mit Kommunen und der Kreisbehörde wichtig, so LEW-Vorstandsmitglied Malte Sunderkötter. Das Thema Kommunikation sprach Josef Wagner an: Die LEW verfüge über ein eigenes Netz, „denn ohne Strom geht auch das Handy nicht“. Netzbetreiber würden sich im Ernstfall auch untereinander helfen, etwa beim Austausch von Material. „Wir sind gut unterwegs, aber die Einschläge kommen näher“, sagte Wagner. Er wies auf „Leuchttürmen“ in den Gemeinden und Städten hin: Das sind festgelegte Orte, zu denen Menschen kommen können, wenn es einmal keinen Strom gibt.
Auf den Ernstfall vorbereitet sein: LEW übt immer wieder
Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, finden bei der LEW immer wieder Übungen statt. „Das ist wichtig, auch wenn sich nicht jedes Szenario üben lässt. Wir müssen aber organisatorisch vorbereitet sein“, so Wagner. Um Krisen bewältigen zu können, müssten die Rollen klar verteilt sein. Auch der Katastrophenschutz am Landratsamt trainiert regelmäßig.
Ende April fand eine großangelegte Stabsrahmenübung mit rund 140 Teilnehmern in Gersthofen statt. Das Szenario: In einem Störfallbetrieb kam es zu einem Zugunfall, anschließend brannte es in einem bahngleisnahen Lager. Die Übung wurde durch die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried organisiert, beobachtet und fachlich bewertet. Das Ergebnis fällt durchweg positiv aus, die Arbeit aller Beteiligten wurde ausdrücklich gelobt.
Katastrophenschutz: Aktuell wird im Landratsamt Augsburg geübt
An die erfolgreiche Übung knüpft der Landkreis nahtlos an: Derzeit findet eine zweitägige Katastrophenschutzschulung durch die Feuerwehrschule für die Führungsgruppe Katastrophenschutz vor Ort statt. Insgesamt 28 Teilnehmer – darunter Mitarbeiter des Landratsamts sowie Vertreter von Polizei, BRK und Feuerwehren – nehmen daran teil. Bei der Schulung wird unter anderem die Arbeitsweise im Katastrophenschutz vertieft.