Unterschiede im neuen Krieg

Marschflugkörper FlamingoVergrößern des BildesDie Marschflugkörper FP-5 Flamingo sind eine Eigenentwicklung der Ukraine (Archivbild): Das Land gilt in der Drohnenentwicklung als weltweit führend. (Quelle: Efrem Lukatsky/AP/dpa/dpa-bilder)

Drohnen bestimmen den Krieg in der Ukraine. Die Fachleute der Carnegie-Stiftung sprechen in ihrer Analyse von der „Revolutionierung des Krieges“. „Seit Jahrzehnten bildet die Luftüberlegenheit den Eckpfeiler westlicher Konzepte der Kriegsführung. Die Beherrschung des Luftraums ermöglicht Bewegungsfreiheit am Boden, schützt eigene Streitkräfte und erlaubt die systematische Zerstörung feindlicher Verbände und Infrastruktur“, so die Experten.

So setzt die Ukraine weiter auf neue Entwicklungen. Delta heißt ein System der ukrainischen Armee, das Daten von Drohnen aus der elektronischen Aufklärung, von akustischen Sensoren und Satelliten sowie Meldungen einzelner Soldaten und Aufklärungskräfte zu einem Lagebild zusammenführt.

Der ukrainische Generalmajor Syrskyj mahnte jetzt weitere technologische Fortschritte an. Dabei geht es etwa um KI-gestützte Drohnensysteme, die auch die Lage auf dem Schlachtfeld am Boden verändern. „Dann werden alle konventionellen Waffensysteme – Panzer, Schützenpanzer, Artillerie – neues Leben eingehaucht bekommen und wiederum umfassend eingesetzt werden“, so Syrskyj.

Bilanz

Der Krieg in der Ukraine hat das Schlachtfeld verändert. Doch notierte der Militärhistoriker Sönke Neitzel zuletzt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Gewiss verändern technologische Fortschritte nicht alles auf einmal. Keine Drohne erobert Territorium zurück, dafür werden weiter Panzer, Artillerie und vor allem ‚boots on the ground‘ benötigt.“ Soldaten am Boden bleiben also auch im Krieg der Zukunft entscheidend.

Je länger der Krieg in der Ukraine aber dauert, desto mehr gewinnt eine zweite Erfahrung des Ersten Weltkriegs an Bedeutung: Je weniger eine Lösung auf dem Schlachtfeld erzielt werden kann, umso mehr ist eine politische Lösung erforderlich. Seit Wochen ruft der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den russischen Staatschef Wladimir Putin zu Verhandlungen auf. Dessen Antwort am Dienstag: weitere Luftangriffe auf die Ukraine.

Doch scheint sich die Stimmung in Russlands Bevölkerung zu drehen. Laut der russischen Oppositionsplattform „Meduza“ fiel Putins Zustimmungsrate im Juni auf 69 Prozent und liegt demnach erstmals unter 70 Prozent.