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Trauerandacht in Stade: Niedersachsen gedenkt der Todesopfer (1 Min)

Stand: 01.07.2026 15:52 Uhr

Der 45 Jahre alte Mann, der am Montag in Stade sechs Menschen erschossen haben soll, hat die Tat offenbar vorbereitet. Nach NDR Recherche hat der Verdächtige eine Woche zuvor die Tatwaffe in Berlin gekauft.

Bei der Waffe handelt es sich demnach um eine Beretta Modell 70. Wie der NDR erfuhr, soll der 45-Jährige die Waffe am Kurfürstendamm erworben und für sie und 21 Schuss Munition zusammen rund 4.000 Euro bezahlt haben.

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Mordkommission ermittelt

Am Mittwoch hat eine eingerichtete Mordkommission die Arbeit in dem Fall Stade aufgenommen. Sie sollte „aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Tatgeschehens“ die Ermittlungen übernehmen, teilte die Polizei am Dienstag mit. Sie werte nun unter anderem Hinweise aus der Bevölkerung aus – über das dafür eingerichtete Portal seien bereits einige Beiträge eingegangen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Polizei bittet weiterhin darum, insbesondere Bild- und Videomaterial, das im Zusammenhang mit dem Ereignis stehen könnte, über das Hinweisportal hochzuladen.

Heimtücke und niedrige Beweggründe

Das Amtsgericht Stade erließ am Dienstagnachmittag einen Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes gegen den 45-Jährigen, wie die Staatsanwaltschaft am Abend mitteilte. Der Mann wurde in eine Justizvollzugsanstalt (JVA) gebracht. Die Staatsanwaltschaft sieht eigenen Angaben zufolge die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe erfüllt.

Sechs Menschen in Stade erschossen

Der Verdächtige soll am Montag bei einem Termin in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover und drei der Jugendhilfeeinrichtung erschossen haben. Die ebenfalls anwesende Mutter und die gemeinsame Tochter wurden nicht verletzt. Der Mann wurde auf der Flucht gestoppt und festgenommen. Heute findet in Hannover eine Andacht in der Marktkirche statt, um der Mitarbeitenden der Region zu gedenken.

Zwei Trauernde stehen an einer Gedenkstelle in Stade.

Drei Mitarbeitende des Jugendamts kamen am Montag während eines Termins ums Leben. Ein 45-Jähriger soll sie getötet haben.

Recherche: Rechtsstreit um Sorgerecht vor der Tat

Der mutmaßliche Täter kommt nach NDR Informationen aus Garbsen in der Region Hannover. Der Polizei zufolge wurde er in Deutschland geboren und ist türkischer Staatsbürger. Bei dem Gespräch in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade ging es nach NDR Informationen um das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter, die zusammen mit der Mutter in der Stader Einrichtung untergebracht war.

Haben Eltern Kind geschüttelt?

Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“ (SZ), NDR und WDR war die Tochter als etwa fünf Wochen alter Säugling von den Eltern als Notfall in eine Klinik in Hannover gebracht worden. Dort soll ein behandelnder Arzt den Verdacht geäußert haben, das Kind leide unter den Folgen eines Schütteltraumas – einer potenziell lebensgefährlichen Hirnverletzung, die durch gewaltsames Schütteln des Babys entstehen kann. Dem sollen die Eltern widersprochen haben. Im Zuge der mehrwöchigen Behandlung des Kindes soll es unterschiedliche Auffassungen zwischen Eltern und Ärzten gegeben haben. So soll der Vater des Kindes die Polizei eingeschaltet haben, um eine Notoperation zu verhindern.

Gegenseitige Anzeigen von Verdächtigem und Ärzten

Es folgten laut der Staatsanwaltschaft Hannover gegenseitige Anzeigen. Ärzte der Klinik haben demnach am 22. April bei der Polizei Anzeige gegen den 45-Jährigen erstattet, weil sie sich unter anderem durch sein aggressives Verhalten bedroht gefühlt hätten. Am 18. Mai habe wiederum der Vater seinerseits Strafanzeige gegen fünf Krankenhaus-Beschäftigte gestellt. Darin gehe es etwa um falsche Verdächtigungen, teilt die Staatsanwaltschaft weiter mit.

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Trauerfeier in Stade nach tödlichen Schüssen mit sechs Toten (7 Min)

Patentante spricht von „Widersprüchen und Ungereimtheiten“

Ihre Sichtweise der Vorgeschichte hat auch die Patentante des Kindes in einem Schreiben dargelegt, das sie per E-Mail an den NDR und weitere Medienhäuser geschickt hat – drei Tage vor dem Gesprächstermin in der Stader Einrichtung, zu dem sie den 45-Jährigen gefahren haben soll. Sie spricht mit Blick auf den Aufenthalt im Krankenhaus vielmehr von „Widersprüchen, Ungereimtheiten und unzulänglichen Dokumentationen des medizinischen Personals“. Unter anderem sei dem „Jugendamt die Darstellung der Eltern des Unfallhergangs offenbar nicht vollständig bekannt“ gewesen. Demnach habe das Kind die Verletzungen nicht durch Schütteln erlitten, sondern durch einen „unbeabsichtigten (…) kräftigen Zusammenstoß“ zwischen Stirn des Vaters und Kopf der Tochter im Bett, wo der Säugling mit den Eltern geschlafen habe.

Geballte Faust

Lisa Kremeyer vom Jugendamt im Landkreis Holzminden berichtet im Interview von Drohungen, Gewalt und dem immer präsenten Risiko.

Jugendamt ordnet Inobhutnahme von Baby an

Weder die Eltern des Kindes noch deren Rechtsbeistände waren bis zum Erscheinen dieses Artikels für eine Stellungnahme zu erreichen. Das beteiligte Jugendamt verweist auf die laufenden Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft, die Klinik beruft sich auf die ärztliche Schweigepflicht, den Datenschutz und das Persönlichkeitsrecht. Nach der Entlassung aus der Klinik in Hannover am 15. Mai soll den Informationen zufolge das Jugendamt die Inobhutnahme des wenige Wochen alten Mädchens eingeleitet haben, das zunächst von beiden Elternteilen gegen deren Widerspruch getrennt worden sei. Ein Familiengericht habe schließlich angeordnet, dass der Säugling wieder mit der Mutter zusammengeführt werden müsse – so seien Mutter und Kind am 26. Mai in der darauf spezialisierten Einrichtung in Stade untergebracht worden.

Wilhadi Kirche in Stade

Das sagte Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) während einer Andacht in Stade. Sechs Menschen sind am Montag ums Leben gekommen.

Vater widerspricht Familiengericht

Der Vater soll nach Informationen von SZ, NDR und WDR dem Beschluss des Familiengerichts in Teilen widersprochen haben. Auch zu den Vorgängen rund um die Inobhutnahme hat sich die Patentante in dem Brief an den NDR geäußert. So schreibt sie unter anderem, dass eine Mitarbeiterin des Jugendamts falsche Informationen an die Einrichtung weitergegeben habe. Immer wieder betont sie, dass vor allem das Klinikpersonal gegenüber Gericht und Jugendhilfeeinrichtung den Kindsvater zu unrecht als aggressiv und bedrohlich geschildert habe, so ihre Darstellung.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Passagen zu einem zunächst berichteten Verdacht familiärer Bezüge des Tatverdächtigen zu einem großen Clan wurden entfernt, nachdem sich die Informationslage geändert hat und die vorliegenden Hinweise diesen Verdacht aus Sicht der Redaktion nicht mehr ausreichend stützen. (01.07.2026, 14:58 Uhr)

Spurensicherung in Stade. Hier sind tödliche Schüsse in einer Jugendeinrichtung gefallen. Sechs Menschen starben.

Sechs Mitarbeitende von Sozialeinrichtungen sind gestorben. Innenministerin Behrens spricht von einer „kaltblütigen Gewalttat“.

NDR Reporterin Lisa Göllert spricht mit Kopfhörern in ihr Smartphone.

NDR Reporterin Lisa Göllert ist am Tatort, hat mit Menschen gesprochen und ordnet die Vorfälle noch einmal ein.

Eine Person hält ein Smartphone in der Hand.

Pastoren, Telefonseelsorge und Opferhilfebüro sind erreichbar. Am Montag sind sechs Menschen durch Schüsse ums Leben gekommen.

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung sichert einen Tatort Schüssen in Stade mit fünf Toten.

Der Mann arbeitet in der Nähe. Er sah, wie die Polizei auf das Fluchtauto schoss. Im Interview schildert er seine Eindrücke.

Ein Pressesprecher der Polizei gibt ein Interview nach Schüssen mit fünf Toten in Stade.

In einer Jugendhilfeeinrichtung sind mehrere Personen getötet worden. Zwei Personen wurden festgenommen.

Polizei- und Rettungskräfte in einem Wohngebiet.

Das NDR Fernsehen sendet ein NDR Info extra zum Thema: Sechs Tote nach Schüssen in einer Jugendeinrichtung in Stade.

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