Außerdem haben wir für Sie ausgewählt: einen mürrischen Meistersänger, kalifornische Metal-Giganten, ein australisches Geschwisterpaar, japanische Postpunk-Nerds und zwei Festivals mit sehr abwechslungsreichen Musikprogrammen. Dies sind unsere Konzertempfehlungen für die kommende Woche.

1 DYGL Dygl Präziser Postpunk aus Japan: DYGL.

© Annibale Bookings/Promo

Pop aus Japan wird „im Westen“ meist nur dann wahrgenommen, wenn er sich von europäischen oder amerikanischen Rezeptionsmustern abhebt.

Schulmädchen-Metal oder Extrem-Noise ist von daher hierzulande öfter zu erleben als eine Band wie DYGL (sprich „Dayglo“), deren musikalische Sozialisation unüberhörbar vom Postpunk-Revival der Nullerjahre geprägt wurde.

Passenderweise wurde ihr Debütalbum 2017 von Strokes-Gitarrist Albert Hammond Jr. produziert, der den Sound des Quartetts aus Tokio veredelte. Songs wie „Let It Out“ oder „Half Of Me“ sind knackige Indie-Hits ohne Exotenbonus.

Neue Zukunft

Alt-Stralau 68, Friedrichshain, Do 2.7., 20 Uhr, 23 Euro

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2 Sonic Pluriverse Festival Hassan Boussou Grandseigneur der Gnawa: Hassan Boussou aus Casablanca.

© HKW/Promo

Auch wenn manche im „Sonic Pluriverse Festival“ keinen gleichwertigen Nachfolger für die „Wassermusik“ im HKW sehen, muss man anerkennen, dass die Kuratoren 2026 ein beachtliches Programm organisiert haben.

Nach dem furiosen Auftakt mit Vieux Farka Touré am letzten Wochenende folgt mit dem senegalesischen Sänger Baaba Maal (Do 2.7., 19:30 Uhr) eine Afropop-Legende.

Ein Höhepunkt wird das Dreifachkonzert am Samstag (ab 18 Uhr): Nach Aficionado – Flamenco Moro und dem Aly Keïta Trio gipfelt der Abend im Gnawa-Konzert mit Hassan Boussou aus Casablanca (Foto). Zum Runterkommen legt Kabylie Minogue in der Bar auf.

Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, bis Sa 1.8., 20-24 Euro, DJ-Sets Eintritt frei

3 Down By The River Down By The River: Seth Faergolzia Freakfolk-Exot: Seth Faergolzia singt bei „Down By The River“.

© Grace Walker

Zu den sympathischsten Fixpunkten im sommerlichen Berliner Konzertkalender gehört das (fast) alljährliche Indiepop-Festival „Down By The River“.

Liebliche Locations am Wasser, faire Preise, faszinierende Line-ups voller Geheimtipps und Szenelieblinge und eine Wohlfühlatmosphäre prägen das stets liebevoll kuratierte Festival, das zum fünfzehnten Mal stattfindet.

Freuen dürfen wir uns etwa auf den New Yorker Avant-Folk-Visionär Seth Faergolzia (Foto) und seine fragilen Moritaten aus verwunschenen Gefilden.

Queerspiegel: Der Newsletter für das queere Berlin

Die Queerspiegel-Redaktion informiert Euch über die wichtigsten LGBTI-Ereignisse, Menschen, Termine aus Politik, Kultur und Sport.

Die Hamburgerin Frau Kraushaar stellt kopflastigen Kunstpop vor, Freschard aus Dijon spielt burgundischen Scheunenfolk, Paloma 004 dreschen rustikalen Garagenrock, Räubertochter rappen Atzen-Techno. Und vieles mehr.

Die Heterogenität ist Programm, sie lässt sich am besten beim zwanglosen Flanieren zwischen den beiden Bühnen genießen.

About Blank

Markgrafendamm 24, Friedrichshain, Sa 5.7., 14 Uhr, 29 Euro

4 Morrissey Morrissey Streitbarer Sturkopf und Crooner der Herzen: Morrissey.

© Ryan Lowry

Wer hätte gedacht, dass es mal so schwierig werden würde, sich zu jenem Mann zu bekennen, auf dessen Konto einige der allerschönsten, herzzerreißendsten und himmelsstürmendsten Songs der Achtziger gingen?

Im genialen Duo mit Gitarrist Johnny Marr war Morrissey kreativer Kopf und vor allem unvergleichliche Stimme von The Smiths. Nur fünf Jahre existierte das Indiepop-Quartett aus Manchester – lang genug, um ein Werk für die Ewigkeit zu hinterlassen.

Im Gegensatz zum irrlichternden Marr war Morrisseys Solokarriere von großer künstlerischer Konsistenz geprägt. Umso trauriger war es, dass er mit zunehmendem Alter immer abwegigere politische Positionen hinausposaunte.

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Wer sich von Morrissey in seiner Rolle als „Grumpy Old Man“ nicht abschrecken lässt, wird entdecken, dass der 67-Jährige immer noch ein grandioser Sänger und Entertainer ist.

Zitadelle Spandau

Am Juliusturm 64, Di 7.7., 19 Uhr, 77 Euro

5 Robyn Robyn Britneys Weg ist ihr erspart geblieben: Robyn.

© IMAGO/Jessica Gow / TT

Du kan alltid bli nummer ett. Du kannst immer die Nummer eins sein – so hieß das Titellied einer schwedischen Sportsendung für Kinder. Gesungen wurde es 1991 von der zwölfjährigen Robin Miriam Carlsson, Tochter einer alleinerziehenden Mutter aus Stockholm.

Der Songtitel passt zu einer Künstlerin, die mit 47 ein Star ist und in Berlins größter Konzerthalle auftritt. Die aber nicht ganz der globale Superstar ist, der sie vielleicht hätte sein können. Du kannst die Nummer eins sein. Du musst aber nicht.

Das Nichtmüssen, vielleicht sogar Nichtwollen, zieht sich wie ein Leitmotiv durch die Laufbahn von Robyn, wie sich Carlsson als Sängerin nennt. Dabei stand sie früh im Rampenlicht, hatte als 16-Jährige einen massiven Hit in Skandinavien.

Vielleicht wäre sie die schwedische Britney Spears geworden – vor der echten Britney. Stattdessen nahmen Differenzen mit ihrem Plattenlabel, dem Branchenriesen BMG, zu, weil sich Robyn nicht auf die Rolle als Hitmaschine festlegen lassen wollte.

2004, nach drei in Schweden erfolgreichen, aber keine künstlerische Perspektive jenseits der Rolle als Madonna-Klon aufzeigenden Alben, kaufte sich Robyn aus ihrem Vertrag frei und gründete ihr eigenes Label Konichiwa Records.

Schlicht „Robyn“ hieß 2005 die erste Platte unter eigener Regie – im Grunde ihr „richtiges“ Debütalbum. Statt der talentierten Marionette hörte man eine selbstbewusste Frau, die mit 26 schon viel erlebt hatte und mit klugen, innovativ arrangierten Songs für Furore sorgte.

Ihr tanzbarer, unbedingt zeitgenössischer Elektro-Pop, der 2010 in dem grandiosen Hit „Dancing On My Own“ kulminierte, machte Robyn zur „Queen of Sad Bangers“.

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Die aus dem Leben gegriffene Vermengung von Euphorie und Melancholie in ihren Songs, aber auch ihre Selbstinszenierung als autonome Künstlerin, wurde stilbildend für jüngere Stars wie Dua Lipa, Taylor Swift oder Charli XCX.

Robyn blieb sich in ihrer Unberechenbarkeit treu. Jede Erwartung, endlich ihr Star-Potenzial abzurufen, wurde unterlaufen durch branchenunübliche Schaffenspausen: Jeweils acht Jahre vergingen, ehe sie 2018 und 2026 neue Alben vorlegte.

Das jüngste Werk „Sexistential“ reflektiert ihre Existenz als von der romantischen Liebe desillusionierte Frau Mitte 40, die weder dem Sex noch dem Wunsch nach Mutterschaft (Robyn ist Mutter eines durch künstliche Befruchtung gezeugten Sohnes) abgeschworen hat.

Dass dieses Programm Robyn nicht nur zum feministischen Role Model macht, sondern, etwa mit dem Ohrwurm „Dopamine“, auch existenzialistische Popmusik für den Dancefloor hervorbringt, kann nicht genug gepriesen werden.

Uber Arena

Uber-Platz 1, Friedrichshain, Mi 8.7.,19 Uhr, ab 88 Euro

Mehr zu Popkultur und KonzertenKonzert von Guns N’ Roses in Berlin Axl und Slash lassen Paradise City beben Funky Party für die Fans Bruno Mars bringt das Olympiastadion zum Brodeln Olivia Dean begeistert beim Konzert in Berlin Der Star aus London flutet die Herzen mit Liebe 6 System Of A Down System Of A Down Einzigartig zu ihrer Zeit: System Of A Down im Jahr 2001.

© IMAGO/Marco Dos Santos/IXO

In der schon in den Neunzigern bis in die letzten Winkel erschlossenen Weltkarte des Heavy Metal stellten System Of A Down tatsächlich terra incognita dar:

Der Sound des kalifornischen Quartetts mit armenischen Wurzeln speiste sich neben herkömmlichen Metal-Vorbildern (Led Zeppelin etc.) auch aus so unorthodoxen Quellen wie den Beatles, Frank Zappa oder der ägyptischen Sängerin Oum Kulthum.

Angeführt vom ziegenbärtigen Ausnahmesänger Serj Tankian eroberten System Of A Down mit ihrer brachialen Virtuosität die Welt und waren in den Nullerjahren neben Metallica Platzhirsche im Metal-Revier.

Von einer 2020 erschienenen Single abgesehen, gab es seit 20 Jahren keine neue Musik. Kein Ding, wenn man auf mindestens drei Albumklassiker zurückblicken kann.

Olympiastadion

Olympischer Platz 3, Westend, Mi 8.7., 17:30 Uhr, ab 111 Euro

7 Angus & Julia Stone Angus & Julia Stone Hype muss nicht sein: Angus & Julia Stone.

© Trinity/Promo

„Spießig, aber unwiderstehlich“ nannte „Spiegel“-Redakteur Tobias Rapp 2017 den folkigen Pop von Angus & Julia Stone anlässlich des vierten Albums „Snow“.

An diesem Befund hat sich nichts Wesentliches geändert: Scheinbar abgekoppelt von der Aufgeregtheit der restlichen Popwelt veröffentlicht das australische Geschwisterpaar alle paar Jahre eine neue Platte.

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Meist dauert es, bis die neuen Lieder eingesickert sind, da ihnen oberflächliche Reize zu fehlen scheinen. Doch die zeitlose Qualität erhebt das Werk von Angus und Julia, die beide erfolgreiche Solokarrieren verfolgen, über jeden kurzlebigen Hype.

Astra Kulturhaus

Revaler Str. 99, Friedrichshain, Mi 8.7., 20 Uhr, 70 Euro