Seit knapp vier Wochen ist die Bonner Nordbrücke komplett gesperrt. Am 3. Juni leitete die zuständige Autobahn GmbH die vorsorgliche Sperrung ein – während drei Monate zuvor selbst das bundeseigene Unternehmen noch optimistisch hinsichtlich der Brückentragfähigkeit war. Schon Anfang März stellte sich Thomas Ganz, Direktor der Niederlassung Rheinland der Autobahn GmbH, den Fragen im Verkehrsausschuss, am Mittwoch (1. Juli) gab er im selben Ausschuss einen Ausblick auf die Pläne der Autobahn GmbH.
Trotz des seit Februar bestehenden Fahrverbots für Lkw, die mehr als 7,5 Tonnen wiegen, seien an der linksrheinischen Vorlandbrücke von drei Gutachtern strukturelle Schäden festgestellt worden. Das „überlagernde Schadensbild“ zeichnete sich laut Ganz Anfang Juni ab, kurz darauf beschloss die Autobahn GmbH, in Absprache mit dem Bundesverkehrsministerium, die komplette Brücke zu sperren, für alle.
Oberste Prämisse sei nun, den Verkehrsweg wieder zur Verfügung zu stellen – nicht nur für die Autofahrer, auch für Radfahrer und Fußgänger. Für Letztere soll es laut Ganz „wahrscheinlich im Spätsommer“ wieder möglich sein, den Rhein an dieser Stelle überqueren zu können.
Besonders Unternehmen sind von der Sperrung betroffen, nicht nur wegen des Umweges, den rheinüberquerende Arbeitnehmer täglich zurücklegen müssen, auch wegen der erhöhten Mautzahlung auf Ausweichstrecken. Martin Metz von den Grünen betont, dass es gerade hier „besonders wichtig“ sei, einen langen Atem zu zeigen, „auch wenn es nicht mehr jeden Tag in den Schlagzeilen ist“.
Auftrag für Abbruch soll im Juli erteilt werden
Ganz kündigte an, dass bereits im Juli der Auftrag für den Abbruch der Brücke erteilt werden soll, spätestens im Dezember solle dann der Auftrag für den Neubau vergeben werden. Er könne „mit großer Sicherheit sagen, dass wir da mit Mann und Maus tatsächlich tagtäglich dran sind“. Häuser sollen für den Brückenneubau nicht abgerissen werden. Das ganze Verfahren passiere „ohne Eingriff in die Rechte Dritter“.
„Nur deshalb können wir das so schnell machen“, betont Ganz. Sämtliche Vergabe- und Beschleunigungsmöglichkeiten sollen genutzt werden, so Ganz, um die Brücke spätestens Ende 2028 wieder freizugeben. Noch im vergangenen Jahr war erst Mitte der 2030er-Jahre der Neubau der linksrheinischen Vorlandbrücke anvisiert worden.
Dass die erste Maßnahme – das Fahrverbot für bestimmte Lkw – nicht ausreichend war, weil es von vielen Fahrern angesichts der Strafhöhe ignoriert wurde, sieht auch Ganz ein. „100 Euro und ein Punkt reichen da meiner Meinung nicht aus“, sagt Ganz. Die Verantwortung sieht er im Gesetzgeber.
Falsch beladene Lkw belasten die Brücke
Ein 44 Tonnen schwerer Lkw belastet die Straßen in etwa so stark wie 60.000 Pkw – dennoch seien es, so Ganz, nicht alleine die großen Lkw, die die Brücken überlasten. Das Hauptproblem sieht der Sprecher der Autobahn GmbH in kleinen, falsch beladenen Lkw, die mit überlasteter Achse fahren. Wenn die Achslast falsch beladen ist, sei das von außen nicht zu erkennen.
Während an der Autobahn 4 bei Köln-Eifeltor künftig Schranken eingeführt werden sollen, um zu schweren Lkw die Durchfahrt zu versperren, wird auch an den Brücken selbst versucht, frühzeitiger erste Schäden zu erkennen. Zwölf Brücken im Rheinland werden derzeit durch KI-gestütztes Monitoring beobachtet, so Ganz.