Die Kölner Künstlerin Stefanie Klingemann kam mit keinerlei künstlerischem Gepäck nach Mönchengladbach. Nun eröffnete sie ihre Ausstellung „Raum greifen“ im Kunstverein MMIII mit einer Skulptur sowie mit zwei Videoarbeiten. Die Bildhauerin sagt: „Am liebsten komme ich mit nichts und arbeite mit dem, was da ist.“ Es ist eine Haltung, die vorhandenes Material wertschätzt und daraus künstlerisches kreiert. Denn: „Die Kunst ist überall, wo wir gehen und stehen.“
Klingemann definiert den Begriff der Skulptur damit neu. Sie arbeitet ortsspezifisch. Der Kunstverein habe sie von Anfang an begeistert, weil es „ein Haus von großer Vielschichtigkeit“ sei, sagt sie. Eines, das von der Geschichte seiner Architektur, von der faszinierenden Institution eines privat initiierten Kunstvereins und nicht zuletzt von dem „Sozialkleber“ – den vielen engagierten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern – geprägt sei.
Stefanie Klingemann räumt Lagerraum des MMIII für ihre Kunst
„Du kannst alles verwenden, was du findest“, habe man Klingemann gesagt. Diesen Satz nahm sie wörtlich. Ein Lager neben der Theke, das hinter einem dunklen Vorhang verborgen bleibt, wurde zur Fundgrube. „Das ist der Kraftraum, die Herzkammer des Kunstvereins“, sagt Klingemann. Dort lande alles, was man vielleicht noch einmal brauchen kann: Paletten, Pappe, Farbeimer, Leitern, Gerüste, Kisten, Folien und vieles mehr. Es ist eine Art Material-Archiv aus 23 Jahren Kunstvereinstätigkeit.
Klingemann räumte den Raum aus und verteilte alle Objekte auf der Empore des Kunstvereins. Dann fügte sie die Gegenstände zu einer Installation zusammen, die fast die gesamte Breite und Höhe des Raums einnimmt. Wie bei Tetris stapelte sie die Dinge übereinander. Alles musste passen, nichts übrig bleiben. Die Verteilung entwickelte sich währenddessen, nichts war geplant. Dennoch achtete die Künstlerin auf eine ästhetische Verteilung von starken Farben wie das Rot der Aufbewahrungsboxen.
Die fertige Installation eröffnet Gästen einen Blick auf das zuvor verborgene Lager und bietet eine neue Wahrnehmung alltäglicher, unspektakulärer Gegenstände. In dem nun leeren Lagerraum läuft eine Videoinstallation, die den Umzug der Gegenstände auf die Empore zeigt, während Stefanie Klingemann wie bei einer Inventarisierung Gegenstand für Gegenstand aufzählt. An der Außenwand des Lagers ist eine filmische Arbeit mit Worten zu sehen: „Raum. Groß. Nicht mehr.“ Die Worte wechseln sich ab und fügen sich dann zu neuen Sinnzusammenhängen.
Die Ausstellung „Raum greifen“ ist bis zum 6. September sonntags von 11 bis 13 Uhr im MMIII an der Siemensstraße 40-42 zu sehen.