„Kreislaufwirtschaft“ lautete das Stichwort der ersten Klimapakt-Convention in Duisburg. Dort kamen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) am Mittwoch zusammen. Ihr gemeinsames Bestreben: Rohstoffe – und auch Abfallprodukte – durch Teilen, Reparieren, Wiederverwenden oder Aufbereiten möglichst lange verfügbar halten und so Müll reduzieren, was in der Folge weniger Umweltverschmutzung bedeutet. „Kreislaufwirtschaft ist ein Wachstumsfeld. Recycling schafft neue Arbeitsplätze und sichert uns wichtige Rohstoffe“, sagte IHK-Präsident Werner Schaurte-Küppers zum Auftakt und betonte damit die wirtschaftliche Chance für Duisburg.
Im Zentrum der Veranstaltung stand neben dem Austausch und zwei Podiumsdiskussionen die Vorstellung von Duisburger Projekten, die bereits Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft leben. So stellte Marten Hanke vom Logistikunternehmen HAVI – das etwa McDonald‘s, KFC und andere Gastronomie-Ketten beliefert – wiederverwertbare Netze für Paletten vor, die bisherige Einweg-Folien ersetzen. Die Grillo-Werke AG war gleich mit zwei Innovationen am Start: Zum einen nutzt Grillo Zinc Metals CO₂-reduzierte und wiederverwertbare Werkstoffe, zum anderen bereitet Grillo Chemicals gebrauchte Schwefelsäure auf, die dann wieder als reine Schwefelsäure oder als Schwefeldioxid in der Industrie verwendet werden kann.
Auch die Stadt Duisburg selbst treibt das Thema Nachhaltigkeit voran. Etwa mit dem 2024 gestarteten Projekt „DU.zirkulär“ im Stadtteil Ruhrort. Dort werde – zum Beispiel bei der Sanierung und dem Umbau von Gebäuden – möglichst ressourcenschonend gearbeitet und versucht, Energie zu sparen und Abfall zu vermeiden, berichtet Kai Lipsius, Leiter der Stabsstelle Klimaschutz Duisburg. Auch Entsiegelungen, der Aufbau eines Wärmenetzes sowie Angebote wie das Repair-Café des Vereins „DUISentrieb“ seien kleine Schritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, sagte Lipsius.
Auch der Duisburger Metalloberflächenveredler ZINQ hat sich dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet und sogenannte „Feuerverzinkungsoberflächen“ geschaffen. Diese würden Bauteile aus Stahl nicht nur vor der Korrosion schützen, sondern seien auch ohne Qualitätsverlust recycelbar, sagte Anna Kraiss von ZINQ. Die Kreislaufwirtschaft denkt das Unternehmen aber schon bei der Planung und dem Produktdesign mit, weswegen ihre Stahlbauten aus einzelnen Modulen bestehen, die je nach Bedarf wiederverwendet werden können.
Doch die Unternehmer und Gäste des Events, welches die Kreislaufwirtschaft in die Region weiter voranbringen soll, sahen noch einigen Nachholbedarf – auch in Richtung des NRW-Umweltministers Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen), der zusammen mit IHK-Präsident Schaurte-Küppers und Oberbürgermeister Sören Link (SPD) die Veranstaltung eröffnete. Die Politik müsse schneller werden und bessere Rahmenbedingungen schaffen, waren sich die Vertreter einig.
„Oft kaufen Kunden und auch Bund, Länder und Kommunen eher herkömmliche Stoffe als die klimafreundlichere Alternative“, kritisierte Bernd Fleschenberg von der Recyclingfirma TSR. Auch Energie sei hierzulande zu teuer – und wiederverwertete Produkte wie Kunststoffe seien oft teurer als Ware aus Asien oder Russland. Lipsius, Leiter der Stabsstelle Klimaschutz, betonte, dass neue Start-ups schnell abwandern würden, weil sie neue Techniken oder Methoden wegen den rechtlichen Regelungen in Deutschland oft nicht mal testen können.
Nicht zuletzt wünschten sich die Unternehmer und Experten auch „mehr Mut“ und eine bessere Kommunikation nach außen. „Wir sollten die Bürger nicht mitnehmen – wie im Bus –, sondern sie für Recycling und Kreislaufwirtschaft begeistern“, fordert Günther Langer, der in Duisburg über seine Erfahrungen als Kreislaufwirtschaftsberater der Stadt München berichtete. „Und wir sollten die Geschichte der Kreislaufwirtschaft wie andere Werbung an die Menschen bringen“, ergänzt er.
„Man muss das Rad nicht immer neu erfinden“, sagt Dagmar Keim, die die Stadt Amsterdam zu Nachhaltigkeitsfragen berät und im zweiten Panel mitdiskutierte: „Wir sollten uns austauschen, von- und miteinander lernen.“