110-Milliarden-Dollar-Deal wackelt

Es sollte die größte Elefantenhochzeit der modernen Mediengeschichte werden, doch nun kommt Gegenwind von der Insel. Die britische Regierung erwägt aus Gründen des öffentlichen Interesses in die geplante, rund 83 Milliarden Pfund schwere Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount einzugreifen. Kulturministerin Lisa Nandy hat vor dem Parlament unmissverständlich klargestellt, dass sie zu einer Intervention neigt.

Der globale Konsolidierungskurs der großen Hollywood-Studios stößt auf harten politischen Widerstand – jetzt auch in Großbritannien. UK_Kulturministerin Lisa Nandy informierte das britische Parlament darüber, dass sie „geneigt ist, zu intervenieren“. Diese formelle Ankündigung setzt eine Kettenreaktion in Gang, die aller Voraussicht nach zu einer tiefgreifenden Untersuchung durch die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom und die Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) führen wird.

Die Bedenken der Regierung in London sind fundamentaler Natur. Im Fokus der Untersuchung stehen die sogenannte Medienpluralität, die Vielfalt innerhalb der Eigentümerstrukturen von Nachrichtensendern sowie die potenziell drastischen Auswirkungen des Zusammenschlusses auf die allgemeine britische Rundfunklandschaft. Sollte die Intervention offiziell eingeleitet werden, muss die Ofcom prüfen, ob die Fusion die Anzahl der unabhängigen Nachrichtenquellen im Vereinigten Königreich gefährlich einschränkt, während die CMA zeitgleich den wirtschaftlichen Wettbewerb unter die Lupe nimmt.

Ein neues Imperium: Als Paramount den Rivalen Netflix ausstach

Die Fusion der beiden Giganten war im Februar nach einem monatelangen Bietergefecht beschlossen worden. Paramount hatte sich dabei in einem dramatischen Finale gegen den großen Streaming-Rivalen Netflix durchgesetzt. Durch den Zusammenschluss würde eines der größten Medienunternehmen des Planeten entstehen.

Das kombinierte Portfolio liest sich wie das Who’s Who der globalen Unterhaltungsindustrie: Die reichhaltigen Assets von Warner Bros. Discovery – darunter der Nachrichtensender CNN, die Streaming-Plattform HBO Max, die Comic-Schmiede DC Studios und die Discovery-Sender – würden mit Paramount-Schwergewichten wie dem US-Netzwerk CBS, dem britischen Free-TV-Sender Channel 5, dem Streamingdienst Paramount+ sowie weltbekannten Film-Franchises wie Mission: Impossible und Star Trek verschmelzen. Genau diese schiere Ballung von Medienmacht auf britischem Boden ist der Regierung nun ein Dorn im Auge.

Größtes Medien-Verfahren seit dem Sky-Drama 2017

Die angekündigte Überprüfung durch die britische Regierung ist kein alltäglicher Vorgang, sondern besitzt historischen Seltenheitswert. Es handelt sich um eine der bedeutendsten Interventionen des Vereinigten Königreichs im Namen des öffentlichen Interesses bei einer globalen Medienfusion seit fast einem Jahrzehnt.

Zuletzt hatte die Regierung im Jahr 2017 ein ähnliches medienpolitisches Schwergewichtsverfahren eingeleitet. Damals stand die geplante und heftig umstrittene Übernahme des Pay-TV-Riesen Sky durch den Medienkonzern 21st Century Fox unter intensiver staatlicher Beobachtung. Das aktuelle Vorgehen gegen Paramount und Warner Bros. Discovery unterstreicht einmal mehr, dass London gewillt ist, seine nationale Rundfunk- und Nachrichtenhoheit auch gegen die Interessen von global agierenden US-Unterhaltungskonzernen konsequent zu verteidigen.

Zugleich steht Nandy schon vor dem nächsten Fall: Die geplante Fusion von Sky und ITV würde eine neue nationale TV-Macht (gerade im Bereich der werbefinanzierten TV-Sender) entstehen lassen – mit Sky News und den News von ITV geht es zudem auch um eine journalistische Konzentration.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse zum Paramount-Warner-Beben:

  • UK-Regierung droht mit Blockade: Kulturministerin Lisa Nandy plant eine offizielle Intervention gegen die 83-Milliarden-Pfund-Fusion aus Gründen des öffentlichen Interesses.
  • Gefahr für die Nachrichtenvielfalt? Die Aufsichtsbehörden Ofcom und CMA müssten dann untersuchen, ob der Zusammenschluss von CNN (Warner) und Channel 5 (Paramount) die Medienpluralität in UK gefährdet.
  • Historische Dimension: Dies ist das bedeutendste regulatorische Eingreifen Großbritanniens in einen globalen Medien-Deal seit der Überprüfung von Fox und Sky im Jahr 2017.

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Bildquelle:

  • 070626 Paramount-Warner-Fusion Klage: Paramount / Warner Bros