Eva Jandl-Jörg, Direktorin des Wilhelm Busch Museums, sitzt auf einem roten Sofa.

AUDIO: Loriot im Wilhelm Busch Museum in Hannover (4 Min)

Stand: 02.07.2026 06:00 Uhr

Zum fiktiven 103. Geburtstag zeigt das Wilhelm Busch Museum in Hannover eine Ausstellung mit bekannten Werken, seltenen Fundstücken und überraschenden Einblicken in Loriots vielseitiges Schaffen.

von Agnes Bührig

Wer ein Humorist ist, kann auch seinen 103. Geburtstag feiern. Das dachte sich das Wilhelm Busch Museum in Hannover und erinnert daran, dass Vicco von Bülow alias Loriot genau dieses Alter im November erreicht hätte. Die Ausstellung „Ach was. 103 Jahre Loriot“ in Hannover zu sehen, ist eine Schau des Caricatura Museums für Komische Kunst Frankfurt, das im Herbst dessen künstlerischen Nachlass erhalten hat.

Loriot: Humor trifft Hochkultur

Beethovens Ouvertüre für das Schauspiel Coriolan erklang 1979 bei einem Sketch Loriots mit den Berliner Philharmonikern. Auf Fotos in der Ausstellung ist er in einer Latzhose in der Philharmonie zu sehen, als Fliegen fangender Klavierspediteur, der versehentlich aufs Dirigentenpodest geraten ist. Gleich daneben sind Zeichnungen fürs Bühnenbild der Opern „Martha“ und „Der Freischütz“.

Eva Jandl-Jörg, Direktorin des Wilhelm Busch Museums sagt dazu: „Ich glaube, er wurde tatsächlich eingeladen, weil es bekannt war, dass er sich für Oper interessiert und er diese Nähe immer gesucht hat. Man wusste, dass er inszenieren kann, das hat er schon bewiesen.“ Er habe selbst als Schauspieler in unterschiedlichsten, kleinsten Rollen fungiert, habe auch selbst für seine Cartoon-Serie Sketsche gedreht. „Das heißt, man hat ihm abgenommen, dass er weiß, wie man Regie führt.“

Beamte im Außendienst gelten als besonders höflich und diskret.Nur in Ausnahmefällen leidet die Wohnungseinrichtung bei ihrem Wirken. Allerdings sollte man darauf achten, wenn man sie allein im Wohnzimmer lässt, dass alle Bilder gerade hängen.

Vicco von Bülow erfreute die Deutschen mit geistreichen Sketchen und Filmen. Am 12. November 1923 wurde der begnadete Humorist geboren.

Ungewöhnliche Blickwinkel machen die Ausstellung spannend

Es sind die ungewöhnlichen Blickwinkel auf das Leben des 1923 in Brandenburg an der Havel geborenen Vicco von Bülow, die die Ausstellung spannend machen. Fotos vom entspannten Kostüm-Shopping mit Evelyn Hamann für den Film Ödipussi in den 1980er-Jahren in Hamburg, die Freundschaft mit dem Zeichner von Knatterton, Manfred Schmidt. In einem von dessen Comics taucht plötzlich eine Loriot-Figur mit der typischen Knollennase auf. Material, das das Wilhelm Busch Museum für die Ausstellung aus dem Depot geholt hat.

Evelyn Hamann in den 90er-Jahren.

Zusammen mit Vicco von Bülow alias Loriot schuf die Schauspielerin Klassiker der deutschen Fernsehunterhaltung. Ein Porträt.

Loriots Blick auf Mensch und Gesellschaft

1971 war Manfred Schmidt Gast in einer Folge von Loriots Fernsehsendung Cartoon. Aber nicht nur das, erklärt Eva Jandl-Jörg. „Beide haben für die Quick gearbeitet und haben sich angefreundet. Sie haben die Serie „Der ganz offene Brief“ für Quick gezeichnet, wo sie abwechselnd fingierte Leserbriefe geschrieben haben. Da haben sie von ihren persönlichen Dingen berichtet, was ihnen widerfahren ist.“ Aber sie haben auch den humoristischen Blick auf aktuelle Ereignisse, Massentourismus sowie Innen- und Außenpolitik gelegt.

Auch bekannte Arbeiten wie die Trickfilme „Das Frühstücksei“ oder „Feierabend“ sind in der Ausstellung zu sehen. Damit will das Wilhelm Busch Museum auch junge Leute ansprechen. „Männer und Frauen“ etwa steht in großen, roten Buchstaben über einer Reihe bekannter Beziehungs-Comics. An eine Tafel können Besucherinnen und Besucher ihre Ideen davon auf Post-it-Zetteln anpinnen.

Dass Loriots Männerfiguren steif und dabei oft etwas überfordert wirken, könnte mit Loriots Kindheit zu tun haben, sagt Eva Jandl-Jörg. „Er kam ja im frühen Alter nach der Scheidung seiner Eltern zu seiner verwitweten Großmutter nach Berlin, gemeinsam mit seinem Bruder. Da hat man wohl zwischen Möbeln des 19. Jahrhunderts gelebt, das waren dunkle, schwere Möbel, große Kachelöfen, alles ein bisschen verstaubt und bieder.“ Das seien Dinge, die er in seinen Figuren mitnimmt.

Vicco von Bülow sitzt auf einem Biedermeiersofa

Schleswig-Holstein

Vicco von Bülow erfreute die Deutschen mit geistreichen Sketchen und Filmen. Viele Werke zeigt der NDR zu Loriots 100. Geburtstag am Sonntag.

Loriot war in allen Genres zu Hause

Nicht nur Karikatur und Zeichenkunst, auch den Menschen hinter der Kunstfigur zeigt „Ach was. 103 Jahre Loriot“ auf vielfältige Weise. Für eingefleischte Loriot-Fans gibt es dabei vor allem viel Bekanntes. Doch der dokumentarische Teil führt einem noch einmal deutlich vor Augen, dass Loriot in allen möglichen Genres zu Hause war. Zu sehen ist die Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover bis zum 14. September.

Loriot und Evelyn Hamann sitzen auf dem grünen Sofa.

Nachlass im Caricatura Museum

„Vicco“ von Bülow, alias Loriot, zieht nach Frankfurt am Main – zumindest sein künstlerischer Nachlass. Das Caricatura Museum für Komische Kunst präsentiert künftig seine Skizzen und auch seine Schallplatten- und Pfeifensammlung. Von K. Wilhelm.

Ein Mann, der ein Tablett mit Gläsern trägt, beugt sich über einen Tisch, auf dem ein kleiner Weihnachtsbaum steht.

Das Altonaer Theater zeigt mit dem Programm „Loriots heile Welt“ Sketche und Texte als abendfüllendes Bühnen-Stück für die Feiertage.

Comic-Pappfiguren

Eva Jandl-Jörg, Direktorin des Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover, über Humor durch die Jahrhunderte.

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