Liebe Leserin, lieber Leser,

wie
oft steigen Sie in der Woche aufs Rad? Was
für ein Fahrrad fahren Sie – ein Lastenrad, ein Citybike, ein
E-Bike? Und
wann lassen Sie das Fahrrad stehen – wenn es zu heiß, kalt oder
windig ist? Wenn Ihnen der Weg zu holperig ist?

Nein,
das hier ist kein Psychotest für Radfahrer, es gibt am Ende keine
Auswertung à la: »Sie sind zu 87 Prozent ein Hollandrad.«

Diese
Fragen haben sich Forscher am Institut für Geografie der Uni Hamburg
überlegt. Mit einer digitalen Umfrage wollen sie herausfinden, wie
unterschiedlich die Menschen dieser Stadt die Fahrradinfrastruktur
wahrnehmen. Wenn Sie mitmachen möchten: Hier
geht’s lang
.

»Wir
sehen gerade zwei Entwicklungen: Zum einen fahren immer mehr Menschen
Fahrrad, zum anderen wird die Gruppe der Radfahrenden vielfältiger«,
sagte mir der Studienleiter Lukas Kische am Telefon. Sein Team wolle
die unterschiedlichen Bedürfnisse ergründen. »Eine 35-jährige
Pendlerin, die schnell unterwegs ist, kommt oft gut mit Mischverkehr
zurecht. Ein Rentner, der mit einem Sack Kartoffeln am Lenker unterwegs ist, fühlt sich dort tendenziell
unsicherer und braucht möglicherweise eine ganz andere
Infrastruktur.«

Die
Umfrage ist nur ein Baustein eines großen Forschungsprojekts, das
über drei Jahre läuft und vom Bundesverkehrsministerium gefördert
wird. Projektpartner sind der ADFC und die Hamburger Verkehrsbehörde.
Die Geografen ziehen auch selbst durch Hamburg und nehmen Radweg für
Radweg unter die Lupe. Sie schauen zum Beispiel, wie breit die Wege
und wie die Oberflächen
beschaffen sind, wo das Unfallrisiko besonders groß ist. Am Ende
sollen alle Erkenntnisse in einer digitalen Fahrradkarte
zusammengefasst werden, die nach Abschluss der Forschung, wohl im
Jahr 2028, online gestellt wird. Darin sei dann ein »Profimodus«
für Planerinnen und Planer vorgesehen, sagte Kische, und eine
Version für die breite Öffentlichkeit.

© Pia Bublies für die ZEIT/​DIE ZEIT

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Als
Kische mir das erzählte, dachte ich: Solch eine Karte ist längst
überfällig. Denn so unterschiedlich wie die Menschen auf dem Rad
sind heute auch Hamburgs Radwege. Manche machen richtig Spaß, der
Leinpfad an der Alster zum Beispiel. Andere machen vor allem Stress.
(Looking
at you,
Stresemannstraße.)

Eine
Karte, die all das bündelt, wäre nicht nur für Radfahrende
praktisch. Der Stadt dürfte sie sehr deutlich zeigen, wo sie
nachbessern muss. Mir fielen da ein paar Stellen ein.

Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihre Annika Lasarzik

Was heute wichtig ist

© Christian Charisius/​dpa

Die
Hamburgische Bürgerschaft hat gestern des vor
25 Jahren vom NSU ermordeten Kaufmanns Süleyman Taşköprü gedacht.

Parlamentspräsidentin Carola Veit (SPD) plädierte dafür,
anzuerkennen, »dass die behördlichen Strukturen in unserer
Hansestadt damals auf dem rechten Auge blind waren«.

Die
Hochbahn hat 2025 nach eigenen Angaben 938,5
Millionen Euro in Infrastruktur und Fahrzeuge investiert

– 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Nahezu 80 Prozent davon flossen
in das U-Bahn-Netz, vor allem die neue U-Bahn-Linie 5, der Rest in
den Busbetrieb. Die Zahl der Fahrgäste blieb mit 552 Millionen
gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.

Der
Flughafen rechnet zum Ferienauftakt
täglich mit bis zu 55.000 an- und abreisenden Fluggästen.

Ab dem 10. Juli werden pro Tag 370 Starts und Landungen erwartet.

Im
Hafen nutzen Lokführer während des
Rangierens noch den Analogfunk,
wie der
Hamburger Senat erklärt hat. Die
CDU-Bürgerschaftsfraktion kritisiert, dass gefährliche Situationen
entstehen können, wenn Schiffsbesatzungen die Funkfrequenzen der
Lokführer besetzen.

Die
Präsidenten
der Kunsthochschule und der Hochschule für Musik und Theater
protestieren gegen eine geplante Oberstufenreform,

die es Schülerinnen und Schülern erschweren könnte, in einem der
ästhetischen Fächer ihr Abitur abzulegen. Hintergrund (Z+) ist die
Verpflichtung der Bundesländer, ihre Abiturprüfungen bundesweit
weniger uneinheitlich zu gestalten.

Nachricht des Tages

© Markus Scholz/​dpa

Sieben
Jahre später als geplant wurde gestern das Haus
der Erde an die Universität übergeben.
Das
teilte die Wissenschaftsbehörde mit. Der Senat habe aus dem
Planungs- und Baudebakel gelernt, sagte Finanzsenator Andreas Dressel
(SPD). Er wolle nun stärker auf eine modulare Bauweise setzen, bei
der nicht mehr jedes Gebäude eigens entworfen, sondern auf
vorgefertigte Pläne und Bauteile zurückgegriffen wird. Das habe
heutzutage »nichts mit Plattenbau« zu tun, sagte Dressel, sondern
ermögliche einen »ordentlichen Standard, schnell und preislich
akzeptabel«.

Vorbild dafür ist das
Hamburger Klassenhaus, über
dessen Einführung wir im Jahr 2022 berichtet haben
. Inzwischen ist es nach Angaben des städtischen Unternehmens Schulbau
Hamburg mehr als 40-mal errichtet worden, wobei eine Preisersparnis
von bis zu 20 Prozent gegenüber konventionell geplanten Gebäuden
erzielt worden sei. Die Bauzeit verkürze sich sogar um bis zu einem
Drittel. Hochschulgebäude müssen andere Anforderungen erfüllen als
Schulen, sagte Finanzsenator Dressel, deshalb sei zunächst ein
Musterbau an der Horner Rennbahn geplant. Dieser solle 2028 eröffnen
und die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht
beherbergen.

Ein
Prestigeprojekt wie die Science City Bahrenfeld könne man allerdings
nicht allein mit Bauten aus dem Katalog bestreiten. »Bei Adresslagen
werde ich mich als Effizienzsenator nicht durchsetzen können«,
sagte Dressel. Dort solle es weiterhin internationale
Architekturwettbewerbe geben. Insgesamt will der Senat bis 2030 rund
500 Millionen Euro für den Schul- und Hochschulbau einsetzen. Das
Geld kommt aus dem Sondervermögen des Bundes.

Von
Oskar Piegsa

Aus Hamburg

© Henning Kretschmer/​DIE ZEIT

Opposition der guten Laune

Heike
Sudmann hat schon wieder eine Mehrheit hinter sich versammelt, gegen
SPD, Grüne und CDU. Und das als Linke. Wie sie das macht? Das hat
ZEIT-Autor Christoph Twickel aufgeschrieben; lesen Sie hier einen
Auszug aus dem Artikel.

»Es
ist mir noch nie passiert, dass mir jemand schlechte Laune
unterstellt!«, ruft Heike Sudmann in den Plenarsaal der
Hamburgischen Bürgerschaft. Es ist der 3. Juni, drei Tage nach dem
Hamburger Olympia-Referendum, bei dessen Kampagne der SPD-Innen- und
Sportsenator Andy Grote die Kritiker der Bewerbung als »Koalition
der schlechten Laune« bezeichnete. Tatsächlich gehört Heike Sudmann, 64, Co-Fraktionschefin der Hamburger Linken und die zentrale
Figur der NOlympia-Kampagne in Hamburg, zu den Menschen, die meistens
fröhlich gestimmt sind.

An
diesem Tag ist ihre Laune besonders gut. Wochenlang war Sudmann durch
die Fußgängerzonen der Stadt gezogen, um für ihre Sicht zu werben:
dass Olympia Hamburg mehr schadet als bringt, dass man die
mutmaßlichen sechs Milliarden Euro, die die Spiele – abzüglich
der Zuschüsse des IOC – gekostet hätten, besser nutzen könnte.
Die Hamburgerinnen und Hamburger folgten mehrheitlich ihrer Skepsis:
Rund 55 Prozent derer, die abgestimmt hatten, lehnten
die Olympiabewerbung ab
.

Nun
steht Heike Sudmann am Rednerpult, verteidigt einmal mehr ihr
zentrales Argument – und bekommt den Unmut der Verlierer zu spüren.
Fortwährend gibt es Zwischenrufe, Johlen, Kopfschütteln, Abwinken,
doch das scheint sie eher anzuspornen. »Fragen Sie ruhig zwischen –
das bringt mir mehr Redezeit!«, sagt sie lächelnd. »Wenn sie keine
Argumente mehr haben, gehen sie eben auf mich los«, sagt Sudmann.
»Sie hat ein schön dickes Fell«, sagt ihr Parteigenosse Norbert
Hackbusch, der sie seit mehr als dreißig Jahren kennt.

Ob
Heike Sudmann in Hamburg auch mitregieren möchte,
lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung. →
Zum Artikel (Z+)

Schon gelesen?

© dts Nachrichtenagentur/​imago images

»Sie fühlen sich durch die Trennung um ihre Anspruchshaltung betrogen«

In Stade tötete ein
Vater mutmaßlich sechs Menschen wegen eines Sorgerechtsstreits. Dass
solche Verfahren eskalieren, sei keine Seltenheit, sagt Anwältin
Asha Hedayati im Interview. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteurin Livia
Sarai Lergenmüller. →
Zum Artikel (Z+)

Darauf können Sie sich freuen

In
der Universitätsbibliothek ist im Rahmen des »Hamburger
Architektur Sommer«
die Ausstellung Fritz Schumacher.
Architektur als City Branding zu sehen.
Der frühere Oberbaudirektor hat Hamburgs Stadtbild nachhaltig
geprägt – und sein persönlicher Nachlass liegt in der Stabi. Auf
Basis von Zeichnungen, Fotos, Briefen und Plänen haben Studierende
des Kunstgeschichtlichen Seminars eine Ausstellung zusammengestellt,
die Schumachers Wirken in der Stadt nachzeichnet.

»Fritz
Schumacher. Architektur als City Branding«
, bis 16.8.; Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von
Ossietzky, Von-Melle-Park 3; Mo–Fr 9–24 Uhr, Sa+So 10–24 Uhr;
Führungen durch die Ausstellung am 7. und 14. Juli, 18 Uhr;
Anmeldung bitte bei mika.denke@uni-hamburg.de

Meine Stadt

Canal Grande (Mühlenkampkanal) © Susanne Drögemüller

Hamburger Schnack

Anton
(4) ist gerade sehr im Fußballfieber und hat eine Idee: »Wir
könnten uns ja mal mit Manuel Neuer treffen!« Seine Mama gibt zu
bedenken, dass wir ihn ja gar nicht persönlich kennen und nicht
wissen, wo er wohnt. Anton: »Aber er könnte doch zu uns kommen!«

Gehört
von Annette Gückler

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