Vermüllung, Kriminalität und Verwahrlosung – viele Bahnhöfe im Land vermitteln kein besonders einladendes Bild. Das subjektive Empfinden vieler lässt sich auch mit Zahlen untermauern. „Wir reden allein in den Bahnhöfen von fast 28.000 Gewaltdelikten im letzten Jahr, davon mehr als 2200 Sexualdelikte und knapp 1600 Waffendelikte. Und die Tendenz ist stark steigend“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für die Bundespolizei, Andreas Roßkopf, unserer Redaktion. Häufig seien bei Verbrechen und Straftaten Alkohol und Drogen im Spiel. „Das steigert die Gewaltbereitschaft und Aggressivität“, so Roßkopf.

Die Deutsche Bahn (DB) versucht gegenzusteuern und hat sich zum Ziel gesetzt, Reisenden ein ruhigeres und sichereres Umfeld zu bieten. Es geht dabei vor allem um eine höhere Präsenz von Sicherheitskräften und mehr Sauberkeit. Teil der Strategie des Konzerns sind aber auch Alkoholverbote an einigen Bahnhöfen.

Alkoholverbote an NRW-Hauptbahnhöfen seit einigen Wochen in Kraft

Genaue Zahlen stellt die Bahn nicht zur Verfügung – dennoch zieht ein Bahnsprecher ein positives Fazit zum Konsumverbot von Alkohol. „Die DB verzeichnet an den Stationen in der Folge deutlich weniger Konflikte und Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss. Dadurch verbessert sich auch das Sicherheitsgefühl für Reisende“, sagte er. Zudem gehe auch der Reinigungsaufwand zurück. Eine ähnlich positive Zwischenbilanz zieht die Polizei. „Wir bekommen mit, dass die Aggressivität am Kölner Hauptbahnhof nachgelassen hat“, sagte Roßkopf von der GdP. „Der überbordende Alkoholkonsum ist gar nicht mehr vorhanden. Menschen, die keine Reiseabsicht haben, sondern nur zum Konsumieren von Alkohol gekommen wären, meiden die Bahnhöfe wegen des Verbots.“

Polizeigewerkschaft fordert Ausweitung der Alkoholverbote

Angesichts der Entwicklung plädiert Roßkopf dafür, die Regelung auf andere Bahnhöfe im Land auszuweiten. „Die Reduzierung oder gar ein Konsumverbot von Alkohol sehen wir als absolut notwendig an“, sagte er. Auch ein Verkaufsverbot in den Geschäften in den Bahnhöfen ab dem späten Abend könnte helfen. „Wir sehen in den Statistiken, dass Gewalt und Aggression oft daherkommen, dass Personen stark angetrunken sind oder unter Drogeneinfluss stehen“, sagte Roßkopf.

Um das Sicherheitsgefühl an Bahnhöfen weiter zu erhöhen, brauche es laut GdP aber auch insgesamt mehr Polizeibeamte. „Die Bundespolizei ist knapp aufgestellt. Uns fehlen allein an den Bahnhöfen etwa 3500 Kolleginnen und Kollegen, die wir für sogenannte Präventionsstreifen bräuchten – also um schon vor Ort zu sein, auch wenn noch nichts passiert ist“, sagte Roßkopf. Aus seiner Sicht brauche es „viel mehr Beamtinnen und Beamten, um die Sicherheit zu gewährleisten.“