Den Hobbyfotografen begleitete die Kamera auch während seiner Berufstätigkeit immer. Seit rund zwei Jahren zeigt er seine Arbeiten öffentlich, hat nun in der „Galerie im Turm“ in der Christuskirche seine erste eigene Ausstellung. „Mich fasziniert besonders die Kontrastierung“, erzählt er inmitten seiner Bilder: „Stimmungen in Schwarz-Weiß, Formen, Linien und Kontraste. Die bewusste Entscheidung für Schwarz-Weiß dient dazu, visuelle Elemente wie Linienführung und Kontraste stärker hervorzuheben und ihre Wirkung auf den Betrachter ruhiger und unmittelbar erfahrbar zu machen.“

Faible für Architektur, Portraits, Streetfotografie oder Lost Places

Sein Faible für die Architektur spiegeln seine Aufnahmen wider. Gewundene Treppenaufgänge scheinen ins Unendliche zu laufen, dunkle Silhouetten von Personen stehen vor Gebäuden, laufen Treppen hoch, eine Gruppe von Surfern betrachtet die schäumende Eisbachwelle in München. Ob die Nahaufnahme einer Lampe, die aus tropfenförmigen Perlen besteht, dunkle Durchgänge oder das Foto vom Torso einer Christusstatue, aufgenommen von der Perspektive von unten nach oben, sein besonderer Blickwinkel und die starke Kontrastierung machen aus den alltäglichen Gegenständen etwas Besonderes. Die Bilder wirken ruhig, in sich stimmig und geschlossen und scheinen teilweise aus einer anderen Welt zu kommen. Kretzschmar arbeitet nach Konzept und gleichzeitig intuitiv. „Ich fotografiere zum Beispiel Brücken, nehme aber auch auf, was links und rechts daneben ist, und entdecke so neue Motive und Perspektiven.“ Die nun gezeigten Aufnahmen entstanden überwiegend in Deutschland, Spanien und Brasilien, der Heimat seiner Frau. Porträtaufnahmen von ihr zeigen, dass er nicht auf architektonische Motive festgelegt ist. Neben Portraits finden sich Streetfotografie oder Lost Places. Kretzschmar fotografiert „aus und mit Leidenschaft.“Claus-Dieter Meier vom Fotoforum merkte in seiner Eröffnungsrede an, „dass sich die Darstellungen in den letzten zwei Jahren zugunsten der Schwarz-Weiß-Fotografie verschoben haben.“ Er sprach von einer würdigen Darstellung der ältesten Form der Fotografie, die wiederholt im Mittelpunkt steht, bei der Motive nicht durch Farben, sondern durch Kontraste und Linien dargestellt werden. Kretzschmar zeigt unterschiedliche Formate, einige Aufnahmen sind quadratisch, andere rechteckig. „Meine Fotografien sollen einladen, die Schönheit im Detail und die Atmosphäre des Augenblicks, des Ortes und des Motivs entspannt zu entdecken“, erklärt er und das ist gut gelungen.