„Sie wird fehlen“, formuliert es Pfarrer Stephan Petri. Sie war Ansprechpartnerin „für so viele Menschen“ in den verschiedensten Lebenslagen, war zuständig für die Messdiener, für den Blumenschmuck in der Kirche, das Glockengeläut und alles rund um die Sakristei. „Ein gut katholischer Wirbelwind“, fasst es Petri zusammen. Während Corona, als es dem Pfarrer mal nicht gut ging, hat Hildegunde sogar den Gottesdienst gehalten.
Es war Montag, der 10. Oktober 1960, als Schwester Hildegunde in die Gemeinde Mariä Himmelfahrt Maximiliansau kam. Georg Nobis war damals der Pfarrer. Fünf Tage zuvor hatte sie ihre Profess, das Ablegen des Ordensgelübdes. Sie zog ins Schwesternhaus in der Elisabethenstraße und lebte dort mit weiteren Ordensschwestern. Im dort ebenfalls untergebrachten Kindergarten arbeitete sie zunächst. Ab Mai 1965 war sie Leiterin des Hermann-Quack-Kindergartens, der damals neu gebaut wurde. Natürlich wurde sie so Generationen von Kindern und Eltern bekannt.
Maximiliansau wird zur Lebensaufgabe
Ursprünglich stammt sie aus Bobenheim-Roxheim. Erzieherin zu werden war schon früh ihr Wunsch. Sie besuchte die Mittelschule in Landstuhl, machte dort die Mittlere Reife. Es folgten 2 Jahre Fachschule für Erzieher. Eineinhalb Jahre war sie im Kloster in Speyer. Ihr Orden: St. Dominikus in der Vincentiusstraße. Sie war 20 Jahre alt, als sie dort eingekleidet wurde. Maximiliansau war ihre erste Stelle – und sollte ihre Lebensaufgabe werden. Meist ihrem weiß-schwarzen Gewand war sie im Ort unterwegs – meist mit dem Fahrrad.
Im Jah 1965 übernahm Schwester Hildegunde die Leitung des neu gebauten Hermann-Quack-Kindergartens.Foto: Heimatverein FoKuS Maximiliansau/Oho
An ihre Zeit im Kindergarten, wo sie bis ins Jahr 2000 gearbeitet hat, hat sie viele schöne Erinnerungen. So habe sie von den Kindern auch viel über ihre neue Heimat gelernt. Auch bei den ortsüblichen Begrifflichkeiten konnte sie dazulernen. „Ich habe erfahren, dass die Treppe hier Staffel heißt und die Brennnesseln auch Sengenessle genannt werden“, erzählte die mittlerweile 86-Jährige anlässlich ihres 80. Geburtstages schmunzelnd der RHEINPFALZ. Auch zahlreiche Feste wurden organisiert und gefeiert. Aber natürlich gab es auch weniger festliche Anlässe.
Glockenläuten per Fernbedienung
Im Schwesternhaus lebten 7 Ordensschwestern, als Hildegunde in die Südpfalz kam. Mit der Zeit wurden es weniger. Zuletzt lebte Schwester Hildegunde mit Schwester Ehrentraud dort, bis zu deren Tod. Dann zog sie in eine eigene Wohnung. Von dort konnte sie mit einer Fernbedienung sogar die Glocken im Kirchturm aktivieren. Im vergangenen Februar ging es altersbedingt nicht mehr. Gebrechen machten den Umzug ins Mutterhaus nach Speyer notwendig.
Im Kindergarten arbeitete Schwester Hildegunde bis ins Jahr 2000; unser Foto stammt aus dem Jahr 1968.Foto: Heimatverein Fokus Maximiliansau
Zum 31. Juli endet mit dem Weggang von Schwester Hildegunde die über 110-jährige Präsens der Dominikanerinnen in Maximiliansau und in der Pfarrei Heiliger Christophorus Wörth auch ganz offiziell, verkündete Pfarrer Petri. Die Glocken von Mariä Himmelfahrt werden jedoch auch weiterhin läuten.
INFO
Verabschiedung Schwester Hildegunde am Samstag, 4. Juli. Gottesdienst um 14 Uhr in der Kirche Mariä Himmelfahrt Maximiliansau (Eisenbahnstraße 91). Im Anschluss Empfang mit Schwester Hildegunde im katholischen Pfarrzentrum (Elisabethenstraße 45).