Zehn Jahre nach einem Mord in Düsseldorf-Oberbilk haben die Ermittler neue Spuren zu den Tätern. 2025 wurde der Cold Case wieder aufgerollt, Beweismittel wurden neu ausgewertet – und es haben sich Erkenntnisse ergeben, die zu den Tätern führen könnten. Nun wenden sich die Mordkommission „MK Mindener“ und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf auch erneut an die Öffentlichkeit.
Am Donnerstag hängten Markus Jürß und Hans-Uwe Hatscheck, Ermittler des Kriminalkommissariats 11, eigenhändig die Fahndungsplakate dort auf, wo die Tat geschehen war: An der Mindener Straße 101. In dem Haus mit der braunen Fassade und den kleinen Balkonen lebte der 68-jährige Hans-Gert L. – Spitzname „Lemmy“. Am 3. Juni 2016 starb er in seiner Wohnung im ersten Obergeschoss nach einer Gewalttat.
Einen Teil des Geschehens konnte die Polizei genau rekonstruieren: An diesem Freitag vor zehn Jahren hatte ein langjähriger Freund Hans-Gert L. zur Bank begleitet. Lemmy hatte aufgrund einer Diabetes-Erkrankung einen Fuß verloren und konnte solche Erledigungen nicht mehr alleine tätigen. Jedoch war sein Konto an diesem Tag nicht gedeckt und so musste er die Bank ohne Geld in der Tasche wieder verlassen. Gegen 11.50 Uhr setzte der Freund ihn vor der Haustür ab. Kurze Zeit später öffnete er den mutmaßlichen Tätern selbst die Tür, so nehmen es die Ermittler an.
Gegen 13.45 Uhr hörten Nachbarn einen lauten Knall aus der Wohnung. An der Tür vernahmen sie Stimmen und Stöhnen aus den Räumen. Als sie laut ankündigten, die Polizei zu alarmieren, stürmten zwei Männer aus dem Haus. Einer der Männer soll dabei sinngemäß gesagt haben: „Da oben ist ein Postwagen umgefallen, geht mal gucken“.
Kurz darauf fanden die Nachbarn Hans-Gert L. schwer verletzt in seiner Wohnung. Er hatte es gerade noch geschafft, die Tür zu öffnen, brach dann aber zusammen. Trotz aller Bemühungen sein Leben zu retten, starb Lemmy gegen 14.50 Uhr an seinen schweren Verletzungen.
Polizei rekonstruierte den Fluchtweg
Seither sucht die Polizei nach den beiden Männern, die fluchtartig das Haus verlassen hatten. Einer von ihnen soll eine Jacke mit einem Posthorn oder einem DHL-Logo getragen haben. Zeugen hatten noch gesehen, wie sie zu Fuß in Richtung Markenstraße liefen. Auch die Überwachungskamera einer damaligen Baustelle konnte die Tatverdächtigen schemenhaft bei der Flucht aufnehmen.
Laut Polizei liefen die Männer die Mindener Straße nach rechts weiter. Dort überquerten sie die Markenstraße und flüchteten entweder geradeaus in Richtung Heerstraße oder nach links über eine Brücke in Richtung Ronsdorfer Straße.
Gefälschte Goldketten und Bündel voller Bargeld
Das mögliche Mordmotiv: Habgier. Lemmy, einst eine Disco-Größe in der Altstadt, trug gerne auffälligen Goldschmuck, hatte oft viel Geld dabei und zeigte das auch. Jedoch war das alles nur Schein, sagt Markus Jürß, sowohl die Goldketten als auch die Bündel voller Bargeld waren gefälscht.
Ob sich Täter und Opfer kannten, ist nicht klar. Eine Theorie: Die Täter könnten Lemmy in der Bankfiliale beobachtet und auf viel Bargeld gehofft haben. Für eine gezielte Tat spricht, dass die Männer nicht an mehreren Wohnungen geklingelt hatten, um ins Haus zu gelangen. Ob sie aber zu Lemmys großem Bekanntenkreis gehörten oder völlig Fremde waren, die ihm nach dem Bankbesuch folgten, ist unbekannt.
Mithilfe der Zeugenaussagen hatte die Polizei bereits vor zehn Jahren Phantombilder von den Verdächtigen erstellen lassen, mit denen sie nun erneut nach den unbekannten Männern sucht. Um neue Hinweise zu erlangen, hängten die Ermittler überall dort Plakate auf, wo Lemmy sich häufig aufhielt und Zeugen etwas beobachtet haben könnten – direkt am Wohnhaus an der Mindener Straße, an einem Kiosk und an Bushaltestellen an der Heerstraße, in einem chinesischen Restaurant an der Kölner Straße, in dem einst Lemmys Stammkneipe, das Haus Meschede, beheimatet war.
So werden die Tatverdächtigen beschrieben
Der erste Verdächtige war zum Tatzeitpunkt etwa 25 bis 30 Jahre alt. Er ist rund 1,80 Meter groß, hat ein südländisches Aussehen und eine schlanke Statur. Sein Haar war zwei bis drei Zentimeter kurz und dicht, nach hinten gegelt, die Seitenpartien deutlich kürzer geschoren. Er trug ein schwarzes T-Shirt mit weiß abgesetzten Ärmeln, eine helle Hose sowie Turnschuhe oder sportliche Freizeitschuhe.
Der zweite Tatverdächtige war damals 20 bis 30 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß und hat ebenfalls ein südländisches Aussehen, allerdings eine deutlich untersetztere, kräftigere Statur. Er trug einen dunklen Vollbart, sein Haar war mit einem schwarzen Käppi bedeckt. Bekleidet war er mit dunkler Oberbekleidung mit der auffälligen Posthorn-Abbildung oder -Applikation sowie einer dunklen Cargohose. Zudem hatte er eine dunkle Sporttasche dabei. Nach Zeugenangaben soll er akzentfreies Hochdeutsch gesprochen haben.
Die Ermittler fragen nun: Wer kennt die Männer und kann Angaben über mögliche Aufenthaltsorte machen? Wer hat die Tatverdächtigen auf ihrer Flucht beobachtet? Die Polizei betont ausdrücklich, dass jeder Hinweis wichtig sein kann, auch wenn er im ersten Moment unerheblich erscheint. Vielleicht hat jemand damals geschwiegen, der heute bereit ist, zu reden. Hinweise nimmt die „MK Mindener“ unter der Telefonnummer 0211 8700 entgegen.