Stand: 02.07.2026 17:14 Uhr

In Großenheidorn (Region Hannover) hat sich eine Gruppe Damwild niedergelassen. Die Tiere sind ungewöhnlich zutraulich und zeigen Menschen gegenüber kaum Scheu. Anwohner rätseln.

von Anja Schlegel

Sie knabbern Kohlrabi im Gemüsebeet, hängen am Kindergarten ab oder schlendern über den Parkplatz. In Großenheidorn am Steinhuder Meer macht eine Gruppe Damwild den Ort unsicher. Nahezu täglich werden die Hirsche im Ort gesichtet. Die Reaktionen der Anwohner fallen unterschiedlich aus – die einen sind entzückt, andere entsetzt.

Tiere spalten Dorfgemeinschaft

Knuth Peters ist Biobauer und Jäger in Großenheidorn. Er ist überzeugt, dass die Tiere im Dorf gefüttert werden und dadurch noch zutraulicher geworden sind. Seit Monaten melden sich Anwohner bei ihm und seiner Frau: Einige beschweren sich, andere machen sich Sorgen um das Damwild im Ort. Die Einschätzungen gehen laut Peters auseinander: Manche Dorfbewohner fragen, ob die Hirsche nicht abgeschossen werden könnten. Andere vermuten, dass die Tiere aus Futtermangel aus Wald und Feldmark ins Dorf gekommen sind.

Damwild auf Straßen: „Echte Gefahr“

Damwild steht am Rand der Hauptstraße von Großenheidorn am Steinhuder Meer.

Das Damwild in Großenheidorn ist ungewöhnlich zutraulich und kaum scheu.

Peters selbst sieht kaum Handlungsmöglichkeiten. Eine Jagd im Ort ist ausgeschlossen und alle Versuche, die Tiere lautstark zu verscheuchen, seien bislang wirkungslos geblieben. Besonders kritisch sei, dass die Tiere immer wieder auf der Straße unterwegs sind. „Das Schlimme ist, dass sie jedes Mal die Hauptstraße überqueren. Das ist eine echte Gefahr“, sagt er.

Tiere fressen „alles was sie kriegen können“

Julian Kleiß ist mit seiner Frau und seinem Sohn im September nach Großenheidorn gezogen. Den Garten hatten sie gerade neu angelegt, als die „Dammies“ über Stauden und junge Bäume hergefallen sind. Deshalb hat Kleiß einen Zaun gezogen – aber auch das habe nicht wirklich geholfen. „Wir hatten eine Mittsommer-Feier mit 25 Leuten mit 8 Kindern, das hat die überhaupt nicht gestört, sie springen über den Zaun, laufen durch den Garten und fressen alles, was sie kriegen können.“

Hirsche verhalten sich ungewöhnlich

Anwohner Sönke Niemeyer, selbst Jäger und Feuerwehrmann, vermutet, dass das Wild aus einem Gatter stammt. Die Hirsche verhalten sich seiner Auffassung nach nicht wie Wildtiere. Während eines Feuerwehrdienstes habe er beobachtet, wie drei Tiere langsam über Fuß- und Radweg zogen und dabei aufeinander warteten. „Wie die sich im Straßenverkehr verhalten haben, das war schon beeindruckend“, sagt Niemeyer.

Ist Damwild entlaufen?

Nach Angaben des Landesverbands für landwirtschaftliche Wildhaltung Niedersachsen gibt es im Land etwa 600 Wildgatter, in denen Damwild gehalten wird. Eine Pflicht zur Kennzeichnung mit Ohrmarken oder Chip gibt es für Damwild in menschlicher Obhut nicht. Ein Eigentümer, der die sieben bis elf Tiere vermisst, die Großenheidorn etwa seit März dieses Jahres unsicher machen, wurde bislang nicht gefunden.

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