Die Saisonvorschau der Badischen Staatskapelle Karlsruhe: es ist Generalmusikdirektor Georg Fritzschs letzte Spielzeit. Drei seiner Vorgänger kommen als Gäste.

Die kommende Konzertsaison der Badischen Staatskapelle steht im Zeichen des Abschieds von Generalmusikdirektor Georg Fritzsch, der nach sieben Jahren das Haus verlässt. Sein Abschiedsstück war an seinen vormaligen Stationen die achte Sinfonie von Anton Bruckner. So wird es auch in Karlsruhe sein.Georg Fritzsch zeigte sich bei der Vorstellung des Programms gestern einmal mehr als animierender Kommunikator für die Sache der Musik und seine Arbeit mit der Staatskapelle in Karlsruhe – und er entfaltete damit wieder sehr viel Vorfreude auf das neue Programm. Fritzsch hat bekanntermaßen eine enge Verbindung zur Musik von Richard Strauss, die er in Karlsruhe ja in Oper und Konzert viel gepflegt hat und noch pflegen wird.

Im ersten Sinfoniekonzert der kommenden Saison dirigiert die Vier letzten Lieder, für die er mit Golda Schultz nach langer Suche eine ideale Interpretin gefunden hat. Auch Strauss Orchesterfantasie mit Musik aus „Die Frau ohne Schatten“ und Dvoráks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ stehen auf dem Programm.

„Herzensmusik“ versprochen

Er habe immer nur Werke programmiert, von denen er selbst überzeugt sei, sagte er gestern. „Herzenmusik“ verspricht denn auch der Generalmusikdirektor für den Konzertplan 2026/27, mit dem er, die Programme an seinen Wirkungsorten zusammen gezählt, seinen 30. Konzertplan präsentierte. Und wie bei seinen anderen Chefpositionen in Hagen, Innsbruck und Kiel wird er zum Schluss Bruckners monumentale achte Sinfonie dirigieren, erst im achten Sinfoniekonzert und dann als Sonderkonzert in der Kirche St. Bernhard, wo der Cantus Juvenum auch zwei Chorstücke von Mendelssohn singen wird.

Im dritten Sonderkonzert wird es zum 200. Todestag des Komponisten ein Beethoven-Fest in der Schwarzwaldhalle geben, bei dem Chören aus der Stadt mit über 350 Sängerinnen und Sängern mitwirken werden. Fritzsch wird zum Abschluss Beethovens Neunte dirigieren.

Im Zeichen der Kontinuität: Georg Fritzsch hat für seine letzte Spielzeit in Karlsruhe gleich drei seiner Vorgänger zur Badischen Staatskapelle eingeladen. Christof Prick, der viele Jahre in Wörth lebte, vor 50 Jahren zum GMD berufen wurde und in diesem Herbst 80 Jahre alt wird, dirigiert das zweite Sinfoniekonzert unter anderem mit Hector Berlioz’ Symphonie fantastique. Er war ja seit seinem Weggang 1985 immer mal wieder am Pult der Staatskapelle gestanden.

Endlich wieder Kazushi Ono

Schon als Kazushi Ono, der von 1996 bis 2002 GMD war, sein Abschiedskonzert gab, äußerte das Orchester offen den Wunsch, er möge bald zu einem Gastspiel wiederkommen. Es hat fast 25 Jahre gedauert, im vierten Sinfoniekonzert im Januar 2027 dirigiert Ono unter anderem Gustav Mahlers fünfte Sinfonie.

Justin Brown (GMD 2008-2020) kommt auch wieder: Er dirigiert zehn Tage nach dem 150. Jahrestag der Uraufführung von Brahms’ erster Sinfonie in Karlsruhe das Originalprogramm von 1876. Brown spielt auch Klavier – und er hat den zweiten Satz rekonstruiert, der damals noch eine andere Form hatte.

Das dritte Sinfoniekonzert dirigiert als Gast John Fiore. Es gibt neben Tschaikowskys Fünfter und Sofia Gubaidulinas Märchenpoem das Hornkonzert von Glière mit Stefan Dohr, Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker. Spannend ist das Programm des fünften Sinfoniekonzerts unter Johannes Willig, dem Ersten Kapellmeister am Haus. Nach Liszts „Prometheus“ gibt es das erste Klavierkonzert von Hermann Levi, das erst 2008 wiedergefunden wurde. Oliver Triendl ist der Solist. Weiter erklingt die 1896 uraufgeführte Sinfonie e-moll „The Gaelic“ der amerikanischen Komponistin Amy Beach.

Mit Musik zum Südpol

Zum sechsten Sinfoniekonzert kehrt Yura Yang nach Karlsruhe zurück, sie war hier Kapellmeisterin und ist designierte Generalmusikdirektorin am Staatstheater Saarbrücken (dort als eine Nachfolgerin von Christof Prick).

Das siebente Sinfoniekonzert führt an den Südpol und findet im Rahmen von „Und jetzt! Wochen der Nachhaltigkeit 2027“ statt. Jonathan Stockhammer steht am Pult, er dirigiert Ralph Vaughan Williams siebente Sinfonie „Sinfonia antartica“ und als Uraufführung „Antarctic Air: Melting Mirror“, die der Komponist Daniel Michael Kaiser der Badischen Staatskapelle überlassen hat.

Umfangreich und vielfältig ist einmal mehr auch das weitere Konzertprogramm mit Kammerkonzerten, Konzerten für Kinder und mit und für junge Leute wie KlangÖffner oder Junge Kapelle, die NachtKlänge mit Neuer Musik oder die Jazz Nights.

Zum Schleswig-Holstein Musik Festival

Mahlers Fünfte steht ja auf dem neuen Konzertplan, doch Georg Fritzsch dirigiert keine Mahler-Sinfonie mehr. Seine Reihe mit Mahler beschloss er also Ende Mai/Anfang Juni mit einer sagenhaften Dritten, die er wie bei der Vierten, Zweiten und Sechsten ebenso klar in der Anlage wie wissend in der musikalischen Aussage dirigierte. Seit Pricks Zeiten gehört Mahler zum festen Repertoire der Staatskapelle – und auch Fritzsch hat hier nachhaltige Zeichen gesetzt.

Am kommenden Sonntag und Montag leitet Fritzsch das letzte Sinfoniekonzert dieser Saison mit dem Schwerpunkt Brahms (Akademische Festouvertüre und erste Sinfonie), dazu gibt es das hörenswerte zweite Klavierkonzert von Wilhelm Stenhammar mit der vorzüglichen Pianistin Claire Huangci. Die beiden Klavierkonzerte von Brahms an einem Abend gibt es im Sonderkonzert am 11. Juli im Konzerthaus mit der Staatskapelle unter Georg Fritzsch und dem Solisten Gerhard Oppitz, mit dem 2020 alle fünf Beethoven-Konzerte an einem Abend erklungen waren.

Mit dem Programm des achten Sinfoniekonzertes gastiert die Staatskapelle unter Georg Fritzsch am 14. Juli im frisch renovierten Konzertsaal im Kieler Schloss beim renommierten Schleswig-Holstein Musik Festival.

Bei der Vorstellung des Konzertprogramms gestern betonte Intendant Christian Firmbach, wie kostbar die Staatskapelle für das Haus und die Stadt sei und dass Sparzwänge auf keinen Fall Qualität und Ruf des Orchesters gefährden dürfen.

Info

www.staatstheater-karlsruhe.de