Stand: 02.07.2026 21:06 Uhr
Nach Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade hat die Region Hannover einen Krisenstab eingerichtet. Drei der sechs Todesopfer, zwei Frauen und ein Mann, waren Mitarbeiter des Jugendamts der Region.
„Die Kolleginnen und Kollegen, die direkt im Team der Getöteten waren, sind bis auf Weiteres freigestellt“, teilte eine Regionssprecherin dem NDR Niedersachsen mit. Der Krisenstab diene in erster Linie dazu, „seelsorgerische Hilfe“ zu organisieren, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Region Hannover „arbeitsfähig bleiben“.

Nach NDR Recherchen wollte das Jugendamt das Sorgerecht des mutmaßlichen Schützen einschränken. Die Mordkommission ermittelt.
Region Hannover sieht Deeskalationstrainings vor
Wie die Sprecherin auf NDR Anfrage mitteilte, gibt es im Jugendamt der Region Hannover Deeskalationstrainings für Mitarbeiter und die Regel, Hausbesuche nicht allein durchzuführen. Die Gewaltbereitschaft und Aggressivität der Kunden nehme immer weiter zu, teilte die Sprecherin mit. Daher soll es im Krisenstab auch darum gehen, das eigene Personal in der Jugendhilfe besser zu schützen.
Krisenstab kommt täglich zusammen
Im Krisenstab sitzen unter anderem der erste Regionsrat, Jens Palandt, die Leitung des Jugendamts sowie die Leitung des Allgemeinen Sozialen Dienstes. Mindestens einmal täglich komme der Stab seit Montag zusammen, heißt es. Sozialdezernentin Anne Spiegel (Grüne) wollte am Mittwoch zudem Gespräche mit den Beschäftigten der Jugendhilfe führen. Und Palandt sprach am Mittwoch bei einer Andacht in der Marktkirche in Hannover.

Lisa Kremeyer vom Jugendamt im Landkreis Holzminden berichtet im Interview von Drohungen, Gewalt und dem immer präsenten Risiko.
Region Hannover sagt Termine ab
„Dass Kolleginnen und Kollegen bei der Ausübung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe ihr Leben verlieren, macht uns fassungslos“, hatte die Region Hannover zunächst mitgeteilt. Als Reaktion auf die Tat hat die Region alle Veranstaltungen der kommenden Tage abgesagt, darunter das Eröffnungskonzert des Kultursommers und den Sommerempfang der Wirtschaftsförderung. Es habe höchste Priorität, die trauernden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der gegenwärtigen Situation zu begleiten und zu unterstützen. Zudem werde man sich „aus Respekt vor den Betroffenen und ihren Angehörigen“ nicht weiter zu den Geschehnissen äußern.

Pastoren, Telefonseelsorge und Opferhilfebüro sind erreichbar. Am Montag sind sechs Menschen durch Schüsse ums Leben gekommen.
45-Jähriger soll bei Gespräch geschossen haben
Die zwei Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter des Jugendamts der Region Hannover waren wegen eines Gesprächs mit dem mutmaßlichen Täter in die Einrichtung nach Stade gefahren. An dem sogenannten Hilfeplangespräch hatten auch zwei Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter der Einrichtung in Stade teilgenommen. Thema war der weitere Umgang mit der drei Monate alte Tochter des Verdächtigen, weil nach NDR Informationen der Verdacht bestand, dass der Mann das Kind misshandelt haben könnte. Weil der Vater als auffällig galt, sollte das Gespräch in einem größeren Rahmen stattfinden. Zu welchem Zeitpunkt der 45-Jährige die Waffe zückte und auf die vier Frauen und zwei Männer schoss, ist unklar.
Video:
Stade: Große Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer (2 Min)

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Nach NDR Recherche soll der mutmaßliche Schütze für Pistole und Munition am Ku’damm in Berlin 4.000 Euro bezahlt haben.

Das sagte Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) während einer Andacht in Stade. Sechs Menschen sind am Montag ums Leben gekommen.

Der Mann arbeitet in der Nähe. Er sah, wie die Polizei auf das Fluchtauto schoss. Im Interview schildert er seine Eindrücke.
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