Nanokristalle werden bereits heute millionenfach in Fernsehern, Laptops und Displays eingesetzt und gelten als Schlüsselmaterialien für die nächste Generation von Quanten-, Sensor- und Solartechnologien. Ihr volles Potenzial können sie bislang jedoch noch nicht entfalten. Ein zentraler Grund: Die winzigen Partikel sind uneinheitlich. In einer einzigen Lösung befinden sich Milliarden Nanokristalle mit teils stark unterschiedlichen Eigenschaften. Obwohl sich die Partikel charakterisieren lassen, sind wichtige Qualitätsparameter nur als Durchschnittswert über alle Partikel zugänglich. „Für ihre Funktion in Bauteilen sind diese Durchschnittswerte jedoch unzureichend“, sagt Professor Emiliano Cortés, der am Nano-Institut der LMU forscht, „denn jedes einzelne Nanoteilchen kann sich unterschiedlich verhalten – zum Beispiel in seiner Größe oder darin, wie gut es Licht emittiert, also aufgenommene Energie wieder als Licht abgibt.”

Eine neue Methodik basierend auf Licht

Wie sich diese Lücke schließen lässt, stellt Cortés gemeinsam mit seinem Team in einer aktuellen Publikation im Fachmagazin Nature Materials vor. Darin bestimmen die Forschenden erstmals die Größe und Quantenausbeute von Tausenden einzelnen Perowskit-Nanowürfeln direkt in Lösung und zeitlich hochaufgelöst. „Wir haben eine Hochdurchsatz-Methode basierend auf Licht entwickelt, mit der wir eine Qualitätskontrolle auf Einzelpartikelebene abbilden können”, erklärt LMU-Nanophysiker Dr. Christoph Gruber, Erstautor der Studie. „Für die zuverlässige Produktion der Materialien und der darauf aufbauenden Geräte ist das von entscheidender Bedeutung. Milliarden Nanopartikel ergeben die Gesamtleistung. Wir können jetzt statt gemittelter Werte differenzieren, wie stark einzelne Teilchen beitragen und wie stark diese in der Probe variieren.“

Ein Erfolgsfaktor der Studie war die enge Zusammenarbeit mit weiteren LMU-Forschenden: dem Team um Professor Alexander Urban. Die Gruppe hat sich auf die Synthese von Perowskit-Nanokristallen spezialisiert und stellt die Nanowürfel her. Die untersuchten Perowskit-Nanowürfel sind kleiner als 20 Nanometer und unterscheiden sich teils stark in ihrer optischen Leistung, auch wenn es scheinbar einheitliche Proben sind. Urban: „Wir können jetzt gezielt auf einzelne Teilchen schauen und klare Tendenzen erkennen: Kleinere Nanokristalle weisen beispielsweise eine höhere Quantenausbeute auf – sie emittieren also effizienter Licht – als größere. Dieses Verständnis ist entscheidend, um das große Potenzial von Perowskiten für leistungsfähige und skalierbare optoelektronische Bauteile tatsächlich auszuschöpfen.“

Nanowürfel im Qualitätscheck

Emiliano Cortés, Christoph Gruber, Alexander Urban, Andrea Mancini am LMU Nanoinstitut

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Teamarbeit: Die LMU-Nanowissenschaftler Emiliano Cortés, Christoph Gruber, Alexander Urban, Andrea Mancini am LMU Nanoinstitut | © LMU

Der Weg zum Hochdurchsatz-Screening war jedoch anspruchsvoll, denn dazu müssen tausende Partikel schnell, präzise und reproduzierbar erfasst werden. „Eine große Herausforderung war es, die großen Datenmengen zu bewältigen und eine verlässliche Auswertungspipeline aufzubauen”, erklärt LMU-Nanophysiker Dr. Andrea Mancini, Co-Erstautor der Studie. Zudem sind Perowskit-Nanokristalle empfindlich, reagieren sensibel auf starke Lichteinstrahlung, Sauerstoff oder Feuchtigkeit und können sich während der Messung verändern. „Wir mussten sicherstellen, dass wir wirklich das Material messen und nicht ein Zersetzungsprodukt“, erklärt Cortés. „Dass wir stabile in-situ-Messungen erreicht haben, war ein wichtiger Durchbruch.”

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iNSyT One-Projekts wird Dr. Christoph Gruber daran arbeiten, die Technologie in ein marktfähiges Produkt zu überführen. Ziel ist es, damit eine schnelle und präzise Qualitätskontrolle von Nanopartikeln zu ermöglichen.

Christoph G. Gruber, Andrea Mancini, Nina A. Henke, Carola Lampe, Olivier Henrotte, Michael F. Lichtenegger, Franz Gröbmeyer, Andreas Singldinger, Yi Li, Stefan A. Maier, Alexander S. Urban, Emiliano Cortés. High-throughput in situ sizing and quantum yield determination of individual perovskite nanocrystals. In: Nature Materials, 2026