Für das zweimal zwei Meter große Bild „Südliche Stadt“ musste Rita Böing beim Malen auf eine Leiter steigen. „Ich bin doch nur 1,50 hoch“, sagt die Künstlerin schmunzelnd. Für das Großformat kippte sie den Bildträger, um darauf Airbrushfarben schräg verlaufen zu lassen. Dann malte sie zu den Bildseiten hin sich auftürmende Häuser. Der Duktus wirkt spontan, während die Komposition Böings Freude an lebhaften Farben spiegelt. Die Künstlerin bestreitet bis 28. September die Ausstellung von „Kunst im Rathaus“.
Ganz an den Anfang gesetzt hat sie im Zugang zum Ratssaal ein Aquarell aus den späten 1980er-Jahren. Dabei hatte sie seinerzeit im Kurs des bildenden Künstlers Jürgen Meister gefürchtet, Malen mit Wasserfarben wäre nicht ihr „Ding“. Inzwischen liebt sie auch die Aquarellmalerei. Bis heute hat sich die pensionierte Ärztin die Lust am Ausprobieren bewahrt.
Zwei Arbeiten zeigen ihre Auseinandersetzung mit der noch recht neuen Pouring-Technik, bei der flüssige Acrylfarben auf die Leinwand gegossen werden. Das nicht vorhersehbare Ergebnis ergänzte sie unter Einsatz von Edding und Airbrush. Zudem stellt sich Böing mit Aquarell, Kohle, Gouache, Öl- und Acrylfarben vor. Zu den Blickfängen vor dem Saal zählt das Bild „Geburt eines Sterns“.
In dynamisch wetteifernden Farbschichten scheint gleißendes Licht zu explodieren. Sehr behutsam ausgeführt hingegen ist das Porträt der Schwägerin, gemalt nach einem Foto aus deren Kindheit. Die naturalistische Darstellung vor unbestimmt gehaltenem Umfeld strahlt die Patina des Vergangenen aus. Den eigenen Ehemann zeichnete Böing vor vielen Jahren für jedermann gut erkennbar mit Kohle. „Äskulap kennt keine Grenzen“ ist ein Bilderpaar überschrieben, das in kritischer Auseinandersetzung mit dem Machbaren und ethisch Vertretbarem jeweils eine Schlange als medizinisches Symbol im Universum zeigt.
Fröhlich mutet hingegen das motivreiche Wimmelbild an, das Böing während ihrer Berufstätigkeit eigens für das Kinderwartezimmer malte. Die kleinen Patienten sollten etwas zu entdecken haben. Die Schau im Ratssaal wird auf der linken Seite mit zwei starkfarbigen Pferdebildern eröffnet. Der Bildgrund ist dunkel gehalten. Für die Pferdedarstellungen hellte sie die gleichen Farben auf, lässt sie darüber plastisch wirken.
Einige Arbeiten an der gegenüberliegenden Wand zeigen die Auseinandersetzung mit prismatischen Farbbrechungen, teilweise inspiriert von Feininger. „Für mich war das die Phase des Übergangs zur moderneren Malerei“, sagt Böing. Sie malt heute abstrakt und gegenständlich. Am 9. Juli führt sie von 12.30 bis 13 Uhr durch die Ausstellung. Geöffnet: Mo bis Fr, 8.30 bis 12 Uhr, außerdem Do, 14 bis 18 Uhr.