Begegnungen mit ihm waren stets von einer besonderen Herzlichkeit. Dieser Mann strahlte eine unglaubliche Lebensfreude und Fröhlichkeit aus. Er sah das Gute im Leben. Sei es im persönlichen Umfeld oder im politischen Agieren. Im Alter von 92 Jahren ist der frühere Bürgermeister Theodor Gandenheimer, den alle Welt Theo nannte, nun gestorben. Sein Sohn, der ebenfalls Theodor Gandenheimer heißt und als Hoteldirektor des Maximilian‘s Hotels in Augsburg tätig ist, sagt gegenüber unserer Redaktion: „Mein Papa hat ein tolles Vermächtnis hinterlassen.“
Bis kurz vor dem Tod lebte Theodor Gandenheimer zuhause
Gestorben ist Theodor Gandenheimer in einem Altenheim, in dem er zuletzt untergebracht wird. „Mein Vater war stets geistig fit und nahm aktiv am Leben teil. Doch zuletzt schwanden seine Kräfte“, schildert der Sohn. Gandenheimer, der im Jahr 1933 geboren wurde, hat bis kurz vor seinem Tod allein gelebt. Familienangehörige haben sich um ihn gekümmert. Es besteht schon immer ein enger Familienverbund. Gerade in der jetzigen Phase der Trauer findet der Sohn Theodor Gandenheimer einfühlsame Worte: „Ich bin jedenfalls meinem Vater für alles sehr dankbar.“
„Alles“ – da kommt in einem langen Leben vieles zusammen. 42 Jahre lang gehörte Theo Gandenheimer dem Augsburger Stadtrat an. Seine Familie und zwischenmenschliche Kontakte galten als Lebenselixier des früheren Postbeamten. Leutselig sei der „Theo“ immer gewesen, sagen langjährige Begleiter. Es sei aber keine dumpfe Leutseligkeit gewesen, sondern das freundliche Zugehen auf andere Menschen.
Dankbarkeit war eine Eigenschaft von Theodor Gandenheimer
Dankbarkeit war ebenfalls eine Eigenschaft, die Theodor Gandenheimer zugeschrieben wird. Die eigene Lebensfreude hat er sich erhalten. „Ich bin so reich beschenkt durch meine Kinder, Schwiegerkinder und Enkel“, sagte er anlässlich des 90. Geburtstags. Zwei persönliche Verluste gab es zu diesem Zeitpunkt. Die Ehefrau war einige Jahren zuvor gestorben, eine Tochter starb nach schwerer Krankheit.
Wer über Theodor Gandenheimer spricht, denkt sehr schnell an Oberhausen. Er gehörte zu denjenigen Menschen, die sich immer mit großer Begeisterung für den Stadtteil eingebracht haben. Gandenheimer ist Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft der Vereine und Organisationen (Arge), die heute von Jonas Holm geführt wird. Auch in den zurückliegenden Jahren war Gandenheimer stets ein gern gesehener Gast bei den traditionellen Marktsonntagen in Oberhausen.
Gandenheimer saß für die CSU im Stadtrat. Er galt dabei stets als Versöhner. Ränkespiele in der Politik waren nicht sein Ding. Politik für die Menschen vor Ort machen, dieses Ziel habe er stets verfolgt. Die Religion spielte für ihn immer eine wichtige Rolle. Stolz zeigte der Kolpingbruder bereits vor einigen Jahren, dass er als gläubiger Katholik fünf Jahre lang Augsburg, Nürnberg und Coburg im Lenkungsausschuss des Luther-Jahres vertreten hatte. „Es gibt nur einen lieben Gott“, sagte Gandenheimer.
Als Bürgerbeauftragter war im Auftrag der Stadt Augsburg unterwegs
Gandenheimer erlebte in seiner langen Stadtratstätigkeit insgesamt vier Oberbürgermeister in Augsburg. Weil der Mann aus Oberhausen als bürgernah eingeschätzt wurde, agierte er zeitweise als ehrenamtlicher Bürgermeister. Später kam dann eine andere ehrenamtliche Aufgabe hinzu. Gandenheimer wurde Bürgerbeauftragter. Als „Libero des Oberbürgermeisters“, so sein Ausspruch, besuchte er Bürger, die runde Geburtstage feiern oder ein Ehejubiläum.