Ein kaputter Bass verzögert den Auftritt, dann triumphiert die neue Sängerin: Freshlyground begeistern beim Zeltival im Karlsruher Tollhaus mit Mbali Makhoba.

Eine kaputte Bassgitarre sorgte dafür, dass der Auftritt des afrikanischen Sextetts Freshlyground beim Zeltival des Karlsruher Tollhauses eine halbe Stunde später endete als geplant. Das Instrument, gespielt von dem Bassisten der Vorgruppe Congo Cowboys, gab zum Glück erst beim letzten gespielten Song der Supporter seinen Geist auf und konnte vor Ort nicht mehr in Gang gebracht werden. Der Abend wurde gleichermaßen von Unerwartetem wie von Neuem geprägt. Der Reihe nach:

Mit einer ungewöhnlichen Mixtur aus Bluegrass und Kwassa Kwassa eröffneten die Congo Cowboys, benannt nach einer Teenagerbewegung im Kongo der 50er Jahre, die Show und kamen damit hervorragend an. Songs wie „Early In The Morning“, „Black Soul“ oder eine vorher so nie gehörte Version von Dolly Partons „Jolene“ wurden mit Beifall geradezu überschüttet und lösten wegen ihres ungewöhnlichen Stils ungläubiges Staunen bei den Zuhörern aus. Sänger und Gitarrist Chris Bakalanga, Simon Attwell am Banjo, Basser Julio Sigauque und Schlagzeuger Aton Manel wuchsen über sich hinaus und machten vergessen, dass sie eigentlich nur als Anheizer für den Headliner gebucht waren. Gegen Ende des finalen Stücks „Sah Sah“ passierte dann das erwähnte Malheur mit dem Bass, was dem guten Eindruck, den der Gig hinterlassen hatte, aber keinen Abbruch tat.

Drei Cowboys, zwei Bands

Das damit entstandene Problem war stattdessen ein ganz anderes: Drei der vier Congo Cowboys waren gleichzeitig Mitglieder von Freshlyground, wenngleich sie dort auch andere Positionen belegten. Der aus dem Kongo stammende Bakalanga zeigte sich hier nur als Gitarrist und wurde am Mikrofon von der Südafrikanerin Mbali Makhoba abgelöst. Attwell, aus Simbabwe kommend, bediente jetzt die Keyboards und spielte Flöte und Saxophon, während der Mosambikaner Sigauque nun zur Gitarre griff und sich nicht weiter um den defekten Bass zu kümmern brauchte. Diese Aufgabe fiel stattdessen dem Südafrikaner Josh Hawks zu, dem der Viersaiter eigentlich gehörte und der jetzt schnell zu einem Ersatzinstrument kommen musste. Am Schlagzeug saß inzwischen Peter Cohen. Das Publikum zeigte Verständnis für die rund 30-minütige Verzögerung und nutzte die Zwangspause, um sich mit kalten Getränken zu versorgen, die bei den vorherrschenden Temperaturen ohnehin heiß begehrt waren.

Mehr als eine Nachfolgerin

Freshlyground war es 2010 gelungen, einen Welthit zu landen: „Waka Waka“, damals gesungen von Shakira. Ihre eigentliche Sängerin Zolani Mahola hat die Band 2019 verlassen, um eine Solokarriere anzustreben. Auf der Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin hat sich das übriggebliebene Quintett dann viel Zeit genommen und wurde erst 2025 fündig: Mbali Makhoba übernahm die vakante Position und ist, wie sich in Karlsruhe herausstellte, weit mehr als eine bloße Nachfolgerin.

Makhoba ist eine völlig andere Sängerin. Ihre voluminöse Stimme und ihre Art der Interpretation ziehen die Songs von Freshlyground mehr in Richtung Soul, ohne die traditionelle Färbung afrikanischer Kultur ganz aufzugeben. Makhoba entpuppte sich außerdem als Energiebündel, in dessen Wortschatz der Ausdruck Stillstand anscheinend nicht vorkommt. Das Tollhauspublikum zeigte sich entsprechend begeistert und belohnte sie mehrfach mit Szenenapplaus. Makhoba, die hier zum ersten Mal außerhalb Südafrikas auf der Bühne stand, zeigte sich gerührt und bedankte sich mit einem ins Mikrofon gehauchten „You guys are so sweet“.

Endlich „Waka Waka“

Ihr Programm hatten Freshlyground aus einigen ihrer bekanntesten Stücke, darunter „Doo Be Doo“ und „Fire Is Low“, aber auch aus Songs ihres aktuellen Albums zusammengestellt. Höhepunkte dabei: „Welele“, „Walk On By“ und das aussagekräftige „Tshintsho“, was auf Deutsch sinngemäß Veränderung bedeutet. „Wir sollten uns daran gewöhnen, dass alle Menschen gleich sind“, bemerkte Makhoba völlig zu Recht, „wir haben zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und sollten uns bewusst werden, dass es keine Unterschiede zwischen uns gibt.“

Zu fast jedem gespielten Lied hatte die Band eine kleine Choreografie einstudiert, bei der sich besonders Josh Hawks hervortat, der seinen „neuen“ Bass zwischenzeitlich sogar zur Seite legte, um wilde Tänze aufzuführen und die Konzertbesucher zum Mitmachen zu animieren. Als letzten Song des offiziellen Sets gab es endlich den Song, auf den alle gewartet hatten: „Waka Waka (This Time For Africa)“, bei dem deutlich wurde, warum das Tollhaus Tollhaus heißt. Zum eigentlichen Highlight wurde aber die Zugabe, das namensgebende Stück der neuen Freshlyground-Veröffentlichung, das Mbali Makhoba im Stil von Amy Winehouse vortrug und das keinen passenderen Titel zum Abschluss des herausragenden Gigs tragen könnte: „Take Me Home“.