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Teheran (Iran) – Ausnahmezustand in Teheran! Mehr als vier Monate nach dem Tod von Ober-Mullah Ajatollah Ali Chamenei (86) bei einem US-Luftangriff beginnt am Samstag die größte Trauerfeier in der Geschichte der Islamischen Republik. Bis zu 20 Millionen Menschen werden allein in Teheran erwartet, bevor der zu Lebzeiten gefürchtete Revolutionsführer am kommenden Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt wird.

Welche Staatsgäste kommen?

Der Iran erwartet Delegationen aus rund 30 Ländern. Bereits eingetroffen sind nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens Vertreter aus China, Belarus, dem Irak und Turkmenistan. Zu den prominentesten Gästen zählen der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew (60) und Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif (74). Vertreter aus Europa sind nicht eingeladen.

Kommt Chamenei-Sohn Modschtaba?

Offiziell führt Chameneis Sohn Modschtaba inzwischen den islamistischen Gottesstaat. Dennoch wird er bei den Trauerfeiern nach übereinstimmenden Berichten nicht dabei sein. Auch er soll bei dem Luftangriff auf seinen Vater schwer verletzt worden sein und hält sich seitdem in einem Versteck an einem unbekannten Ort auf.

Modschtaba Chamenei (56) wird bei der Trauerzeremonie für seinen Vater wohl fehlen

Modschtaba Chamenei (56) wird bei der Trauerzeremonie für seinen Vater wohl fehlen

Foto: Tasnim News Agency/CC BY 4.0/Wikipedia

Die Gerüchte um den Zustand von Irans neuem Führer Modschtaba Chamenei reißen nicht ab

Die Gerüchte um den Zustand von Irans neuem Führer Modschtaba Chamenei reißen nicht ab

Foto: ATTA KENARE/AFP

Seit dem Tod Chameneis hat sich Modschtaba nur schriftlich zu Wort gemeldet, selbst im Staatsfernsehen war er nicht ein einziges Mal zu sehen. Das sorgte für Gerüchte, er sei entstellt. Die Opposition behauptet sogar, er liege im Koma. Dass er auch bei der Trauerfeier für den eigenen Vater fehlen wird, dürfte die Spekulationen um ihn weiter anheizen.

Wie hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen?

Enorm. Die Mullahs müssen Feinde von außen und innen fürchten. Zwar hat das Regime die Unruhen zum Jahresanfang blutig niedergeschlagen (mehr als 30.000 Iraner sollen ermordet worden sein), aber der Hass auf die Mullahs ist nicht weg. Das Sicherheitsaufgebot sprengt deshalb jedes Maß: Mehr als 65.000 Sicherheitskräfte sichern allein die Großstädte, weitere 200.000 Kräfte werden in den Provinzen stationiert. DENN: Vor der Beisetzung wird der Leichnam noch durch die heiligen Städte Ghom, Nadschaf und Kerbela getragen.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) sollen die Beerdigung sichern. Sie gingen während der Proteste brutal gegen die eigene Bevölkerung vor

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) sollen die Beerdigung sichern. Sie gingen während der Proteste brutal gegen die eigene Bevölkerung vor

Foto: ATTA KENARE/AFP

Rund um die Mosalla-Moschee, in der Chamenei aufgebahrt wurde, gilt eine Sperrzone von einem Kilometer für Fahrzeuge. Straßen werden gesperrt, das Leben in Teheran ist von Samstag bis Montag weitgehend lahmgelegt. Ab Montag wird zudem der Luftraum über der Stadt für mehrere Tage geschlossen. Kurz vor Beginn der Trauerfeiern drohten die Revolutionsgarden den Feinden des Iran mit einer „noch härteren Antwort als je zuvor“ auf mögliche Angriffe.

In der Mosalla-Moschee drängen sich Menschen um den Sarg des Ober-Mullahs, der noch vor wenigen Monaten die eigene Bevölkerung niedermetzeln ließ

In der Mosalla-Moschee drängen sich Menschen um den Sarg des Ober-Mullahs, der noch vor wenigen Monaten die eigene Bevölkerung niedermetzeln ließ

Foto: action press

Auch Kinder müssen vom toten Ober-Mullah Abschied nehmen

Auch Kinder müssen vom toten Ober-Mullah Abschied nehmen

Foto: action press

Warum wird Chamenei erst jetzt beerdigt?

Der Grund ist simpel: Die Mullahs und ihre Schergen fürchten nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern auch Israel und die Amerikaner. Ein Angriff während der Trauerzeremonie hätte womöglich dramatische Folgen. Deshalb wurde Chamenei nicht – wie im Islam vorgesehen – innerhalb von 24 Stunden nach seinem Tod beigesetzt. Das Regime musste warten, bis eine Waffenruhe mit den USA und Israel verhandelt war. Erst danach konnte man die aufwendige, sechstägige Staatszeremonie organisieren.