Kaum ein Tag vergeht ohne eine neue schlechte Nachricht von der Deutschen Bahn aus Wuppertal. Immerhin ein Lichtblick: Die Generalsanierung des Abschnitts Hagen–Wuppertal–Köln soll laut Sprechern der Bahn im Plan liegen und zum Freitag, 10. Juli, um 21 Uhr enden. Dann ist Wuppertal endlich nicht mehr vom Fernverkehr abgeschnitten und auch die Züge Richtung Köln sind endlich wieder unterwegs.
Dass das vermeintlich so gut läuft, wird allerdings seit Mitte Juni vor allem durch das lange defekte, mittlerweile wohl reparierte Stellwerk in Vohwinkel getrübt. Eine Chronik: Erst am 12. Juni war die letzte Vollsperrung zu Ende gegangen, die auch die RE-Züge und S-Bahnen nach Düsseldorf betraf. Zwischen dem 17. und 27. Juni ging so gut wie gar nichts, die Fehlersuche dauerte an, immer wieder fiel der Betrieb aus, die Fahrgäste mussten auf Schienenersatzverkehr umsteigen. Dieser allerdings war – anders als der planmäßige SEV zur Generalsanierung, bei dem es auch etliche Probleme gab – unregelmäßig unterwegs. Etliche Nachrichten von Leserinnen und Lesern vermitteln, dass der SEV erst relativ spät am Morgen startete, dafür dann sehr vollgepackt war und etliche Reisende ihr Ziel entweder gar nicht oder nur mit enormer Verspätung erreichten. Am Samstag, 28. Juni, sind dann wieder erste Züge unterwegs gewesen, von denen aber unter anderem der RE4 wegen der enormen Hitze den Verkehr einstellen musste. Am Sonntag dann die neue Hiobsbotschaft: Das Stellwerk Vohwinkel ist erneut ausgefallen. Weitere zwei Tage SEV sind angesagt, wieder Unsicherheit für die Fahrgäste. Der Verkehr wird langsam wieder hochgefahren, am Donnerstag, 2. Juli, sollte dann alles, das nicht ohnehin von der Generalsanierung betroffen war, wieder wie gewohnt fahren.
Das klappt auch – für wenige Stunden. Dann kommt es zu Ausfällen in den Stellwerken in Schwelm und Oberbarmen, die immerhin innerhalb eines Tages repariert werden können. Doch natürlich scheint es aktuell keinen Tag zu geben, an dem es keine Panne gibt: Am Freitag musste dann am Vormittag nach einer Weichenstörung im Bereich Oberbarmen wieder etwas behoben werden, wie eine Sprecherin mitteilt. Das immerhin hat rasch funktioniert. Nach Angaben der DB läuft der Verkehr aktuell wie geplant – viele Bahnfahrende fragen sich allerdings, wie lange es wohl diesmal hält.
Apropos Generalsanierung: Hier spricht die Bahn mittlerweile vorwiegend von einer Korridorsanierung. Denn der Ausfall der Stellwerke hat die Kritik über die eigentlich nur partielle Sanierung, die schon im Vorfeld der Anfang Februar 2026 gestarteten Arbeiten aufgekommen war, wieder laut werden lassen. Denn die Stellwerke, die rund um Wuppertal durchweg schlechte bis miserable Zustandsnoten erhalten, sollen erst in den 2030er Jahren saniert werden. Die Bahn begründet das mit mangelndem Vorlauf und einem Fokus auf Oberbau und Bahnhöfe. Der gesamte Prozess des Austauschs der Stellwerke würde sechs bis acht Jahre dauern, teilte eine Sprecherin mit. Spannender Fakt am Rande: Das Problem-Stellwerk Vohwinkel ist erst 2017 modernisiert und digitalisiert worden. Laut Sprecherin sei die genaue Ursache für den Defekt noch immer nicht gefunden. Die Komponenten seien zur Untersuchung beim Hersteller.
Miriam Scherff findet deutliche Worte in offenem Brief
All dies führt jetzt dazu, dass sich Oberbürgermeisterin Miriam Scherff mit scharfen und deutlichen Worten in einem offenen Brief an die Bahn wendet. „Entgegen vieler kritischer Stimmen haben Sie sich bewusst entschieden, die Stellwerke rund um unsere Stadt nicht zu modernisieren – und ich habe den Eindruck, dass Ihnen und leider auch uns das jetzt auf die Füße fällt. Die Ausfälle der letzten Tage zeigen, wie labil die bestehende Infrastruktur ist, wenn ein einzelnes Stellwerk oder eine Weiche den Bahnverkehr rund um Wuppertal über Tage lahmlegt“, heißt es in dem Schreiben. Sie moniert darin, dass die Wuppertaler aktuell stark darunter leiden müssen, dass „die Deutsche Bahn seit Jahren infrastrukturelle Herausforderungen vor sich herschiebt“. Sperrungen und Ausfälle sei man mittlerweile schon gewohnt und meist werde das auch hingenommen – in der Hoffnung auf Besserung, doch langsam fehle die Geduld.
„Ich bin nicht mehr bereit, die ständigen Unannehmlichkeiten und Unzuverlässigkeiten der Deutschen Bahn zu akzeptieren, und fordere Sie auf, die Ursachen der mannigfaltigen Störungen konsequent aufzuarbeiten und Ihre Technik umgehend und umfassend zu modernisieren und leistungsfähiger sowie widerstandsfähiger zu gestalten – und dies mit höchster Priorität anzugehen“, betont Scherff und weist darauf hin, dass man mit Landesregierung, Verkehrsbund Rhein-Ruhr und weiteren im engen Austausch sei, um von dort Rückendeckung zu erhalten.
Kritik gibt es auch aus den weiteren Reihen der SPD. Der Verkehrsausschussvorsitzende Sedat Ugurman hatte bereits Anfang der Woche ähnliche Forderungen aufgestellt. „Die Menschen in Wuppertal brauchen keine kurzfristigen Notlösungen, sondern die Gewissheit, dass ihre Züge dauerhaft zuverlässig fahren“, heißt es in der Mitteilung.
Die Grünen kritisieren das Vorgehen der DB ebenfalls scharf und bereits seit geraumer Zeit. Timo Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion erklärt: „Die Schummelsanierung gepaart mit mangelhafter Kommunikation enttäuschen stark. Wir hoffen, dass die Bahn aus diesen Fehlern lernt.“ Er weist auch auf die Kostensteigerungen etwa für den Zugang zur Südstadt sowie bei der provisorischen Sanierung der Brücke über das Fischertal hin.
Auf Wuppertal kommt ab dem 10. Juli und zunächst bis zum 7. August außerdem ein Ausfall der S-Bahnlinien zu. Denn auf der „Nebenlinie“ wird an den Bahnhöfen weitergebaut. Diese Arbeiten sollen sich noch bis 2027 – wenngleich mit weniger umfangreichen Sperrungen – weiterziehen. 800 Millionen Euro soll die „Generalsanierung“ kosten.